Was war dein erster Eindruck?
MB: Für mich war das wie das Betreten einer Schattenwelt. Ich kenne diese Betriebe aus dem Straßenbild, aber ich war vorher noch nie in Shops dieses Marktsegments. Ich hatte ein Bild davon, aber vor Ort zu sehen, wie dort gearbeitet wird, war noch einmal etwas anderes. Es war ernüchternd und spannend zugleich.
Was war ernüchternd?
MB: Ernüchternd war, wie wenig von dem vorhanden war, was für einen ordnungsgemäßen Salonbetrieb notwendig ist. Ich betreibe selbst 39 Salons und weiß, wie viel Aufwand hinter einem rechtssicheren, hygienischen und ordentlich geführten Betrieb steht. Natürlich kann es auch bei uns Dinge geben, die bei einer Kontrolle beanstandet werden. Dann ist man dankbar für Hinweise und bessert nach. Aber grundsätzlich läuft das bei ordentlichen Betrieben strukturiert.
Bei den kontrollierten Betrieben war mein Eindruck ein völlig anderer. Es ging um Beschäftigungsverhältnisse, Hygiene, Arbeitsschutz, Kassenführung, Preisauszeichnung, Eintragungen in der Handwerksrolle – und in nahezu allen Bereichen gab es massive Verstöße.
Kannst du Beispiele nennen?
MB: Die Hygiene war aus meiner Sicht in den meisten Fällen katastrophal. Es war schmutzig, überall lagen Haare, Werkzeuge wirkten nicht sauber, Einmalklingen lagen im normalen Müll, Wachstöpfe waren verschmiert. Bei manchen Dingen konnte man sich nur schwer vorstellen, dass sie ordnungsgemäß nach jedem Kunden gewechselt oder gereinigt werden.
Auch beim Arbeitsschutz war kaum etwas vorhanden: keine Unterlagen zur Gefährdungsbeurteilung, keine nachweisbaren Unterweisungen, teils fehlende Ausstattung wie Verbandskasten oder Feuerlöscher. Bei der Preisauszeichnung gab es teilweise plakative Hinweise, aber keine ordentliche, nachvollziehbare Preisliste. Produkte, die verkauft wurden, waren ebenfalls nicht sauber ausgezeichnet.
Gab es auch Auffälligkeiten bei der Betriebsleitung?
MB: In nur einem der Betriebe war ein Betriebsleiter, im Sinne einer fachlich verantwortlichen Salonleitung, vor Ort. Teilweise war unklar, wer überhaupt verantwortlich ist. Solche Dinge sind aus meiner Sicht hochproblematisch.
Was hast du bei der Kassenführung beobachtet?
MB: Es stand zwar in jedem Salon eine Registrierkasse, aber die waren alle ausgeschaltet. Gleichzeitig lagen handschriftliche Zettel mit Umsätzen herum. In einzelnen Betrieben gab es Kartenzahlungsgeräte, aber diese waren nicht direkt mit der Kasse verbunden. Das wirkte auf mich alles sehr abenteuerlich.
Was waren die Ergebnisse bei der Kassenauswertung?
MB: Die Kassenprüfung ist Sache des Finanzamts, da gilt das Steuergeheimnis. Schon aus der Beobachtung heraus war erkennbar, dass hier vieles nicht so lief, wie man es von einem ordentlichen Betrieb erwarten würde. Da lagen handschriftlich geführte Listen von den Angestellten mit Beträgen, woraus man sofort schließen konnte, da wurden die Tageseinnahmen aufgelistet.
Welche weiteren Beanstandungen gab es?
MB: Da arbeiteten Menschen, die weder Arbeitserlaubnis oder sogar keine Aufenthaltsgenehmigung hatten. In einem Keller war ein ganzes Feldbettenlager eingerichtet, welches den Behörden als Aufenthaltsraum erklärt wurde. Jeder weiß, dass es sich hierbei um Schlafräume handelt, aber es gibt leider keinen Beweis.
Was passiert mit diesen Menschen? Werden die gleich abgeführt?
MB: Nein, diesen wurden die Papiere abgenommen und ein Protokoll erstellt mit dem Hinweis, dass sie sich bis dann und dann bei der Ausländerbehörde zu melden hätten. Hier erfuhr ich, dass jedoch die gängige Praxis ist, dass sie danach zur Botschaft gehen, ihren Pass als verloren melden und sofort wieder neue Papiere erhalten. Bei der Ausländerbehörde erscheinen sie nie. Damit sind diese Personen wieder unterm Radar.
Und geben Mitarbeitende offen Auskunft?
MB: Die Protokollaufnahme fand im Polizeiauto statt. Im Betrieb kamen nur schwammige Aussagen.
Wird denn die darauffolgenden Tage nochmals nachgeprüft?
MB: Leider nein.
Du hast auch Kameraüberwachung erwähnt. Was war daran auffällig?
MB: In jedem Betrieb gab es Kameras, teilweise mehrere. Eine ordnungsgemäße Kennzeichnung habe ich nicht gesehen. Mein Eindruck war: Da schaut jemand von außen auf den Betrieb. Ich vermute, dass Betreiber, die nicht selbst vor Ort sind, darüber kontrollieren, was im Laden passiert – wie viele Kunden kommen, was die Mitarbeiter machen, ob Geld eingenommen wird. Das ist aber meine persönliche Einschätzung.