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Credit: imSalon Grafik, KI generiert mit ChatGPT

10.08.2026

Warum Geschlechterpreise geschäftsschädlich sind

Imageschaden, Diskriminierungsfall, aber auch einfach falsch kalkulierte Männer-Dienstleistung: Preislisten, die nach Geschlecht unterscheiden sind eine rechtliche und finanzielle Gratwanderung.

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Unisexpreise waren im Frühjahr in aller Munde. Es wurde viel diskutiert, ob diese nun verpflichtend seien oder nicht (unser Artikel dazu). Kurz zusammengefasst: Vergleichbare Dienstleistungen für Herren und Damen anders zu bepreisen, ist ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz.

Unabhängig von der Rechtslage kann eine Umstellung auf geschlechtsneutrale Preise ein Vorteil sein: Es zwingt die UnternehmerInnen dazu, ihre Kalkulation zu überarbeiten und zu überprüfen, ob sich alle Dienstleistungspreise wirklich im Arbeitsaufwand widerspiegeln. Bei Männer- und Kinderpreisen ist dies sehr häufig nicht der Fall. 

"Wenn zwei Menschen dieselbe Leistung in derselben Zeit bekommen, dann sollte auch derselbe Preis gelten. Alles andere ist betriebswirtschaftlich nicht sauber", fasst es Thomas Langer (Unternehmensberater und Friseur-Podcaster) zusammen. 

Material, Aufwand, Zeit

Sinnvoll - und auch gesetzlich vorgegeben - ist es, wenn der Preis mit dem tatsächlichen Aufwand berechnet wird. Dies erfordert oft den Mut, die Kinder- und Herrenpreise anzuheben, die häufig durch andere Dienstleistungen quersubventioniert werden. 

Statt den Kurz-Herrenschnitt einfach in "Servicepaket S" umzubenennen, ist es zielführender zu kalkulieren: Was ist mein Aufwand? 

  • Wieviel Zeit brauche ich bei diesem Schnitt?
  • Wie viel Material brauche ich?
  • Gibt es erhöhten Aufwand (z.B. ausgedehnte Beratung, längere Pflegezeit, Zusatzservices, schulungsintensive Schnitttechnik oder ähnliches)?

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Alte Muster umdenken lernen

Die Einteilung nach Herren- und Damenpreisen ist historisch gewachsen und tief in unseren Köpfen verankert. Auch in der Lehrabschlussprüfung wird klar getrennt: Ein männliches Model für den Frauenschnitt zu nehmen, ist nicht erlaubt. Hierüber spricht auch Flora Essl in unserem Interview: 

"Wenn man lange genug behauptet, Männerschnitte wären weniger Aufwand, dann wird es irgendwann zur Wahrheit" (Flora Essl)

Selbst wenn im Salon nach Paketen abgerechnet wird (z.B. S / M / L), läuft man in Grenzfällen doch wieder Gefahr in Klischees zu denken. Vorauseilende Gedanken wie "Frauen wollen mehr Beratung" oder "Männer quatschen nicht, drum bin ich schneller" hätten hier direkten Einfluss auf den Preis. 

Man muss gar nicht in Genderdiskussionen hineinkippen, sondern darf bei den Fakten bleiben. Braucht man für einen trockenen Haarschnitt mit der Maschine kürzer, kann dies trotzdem geschlechtsneutral formuliert sein. Dann könnten auch Damen diesen in Anspruch nehmen. 

Beispiele: Wie es gehen kann!

Es gibt viele Möglichkeiten, eine Preisliste ohne Geschlechterzuweisung zu führen: 

Preis nach Zeitaufwand

Eine Abrechnung nach Zeit ist geschlechtsneutral und unternehmerisch sinnvoll: Hier fließt ein höherer Arbeitsaufwand (z.B. durch mehr Pflege, eine herausfordernde Haardichte oder mehr Betreuung) automatisch mit ein, weil dafür auch mehr Zeit gebraucht wird. Ein schneller, trockener Kurzhaarschnitt wird für Männer häufig günstig bleiben. 

Beispiel: 
Flora Essl berechnet ihre Preise nach Zeitaufwand. Nach einem Erstgespräch entscheidet sie, in welches Zeitpaket die Kundschaft eingeteilt wird. Ihre Kriterien dafür sind in erster Linie Haardichte und -struktur, die für sie den Arbeitsaufwand erhöhen oder mehr Material brauchen würden. Zum Interview

Preisliste fina vienna:

Preis nach Paketen

Thomas Eusemann hat die Preisdiskussionen in seinem Salon beendet, indem er seine Preisliste auf Wellnesspakete, Zusatzleistungen und Ritualen aufbaut Zum Interview

Beispiel: 
„Mikrodampftreatment“ gibt es um 175 €, Haarwäsche bucht man als „Sinnesreise/Kopf-Nackenmassage/Wellness-Haarwäsche“, Glossing heißt „Pure Hair Happiness“. Hier wird die Dienstleistung in schönen Worten als Wellnesspaket beschrieben. Haarlänge oder Kundengeschlecht spielen in diesen Paketen keine Rolle. 

Preisliste Senseason Friseure: 

Beispiel aus Senseason Friseure Preisliste

Preis nach Ausbildungsgrad

Schulungsintensive Schnitttechniken, besondere Farbtechniken, hart erarbeitete Beratungsqualität - das sind alles Kompetenzen, die einem nicht in den Schoß fallen, sondern auf vielen Stunden Ausbildung aufbauen. Dies darf und soll in den Preis miteinfließen! 

Beispiel:
Waldhauser hair stylist in Wien führt seine Preisliste nach Ausbildungsgrad. Hier wird geteilt in "Hair Stylist", "Top Hair Stylist" und "Master Stylist".
Der klassische Herren-Kurzhaarschnitt wird mit "Extra kurz (Konturen mit der Maschine)" ohne Geschlecht, sondern mit Haarlänge und Technik beschrieben. Jede weitere Haarlänge zahlt eine Schnittpauschale. Alle Schnitte beinhalten Waschen, Schneiden und Föhnen. 

Preisliste Waldhauser Hairstylist: 

Preis nach Dienstleistung

Eine genderneutrale Preisgestaltung kann bedeuten, ein "Baukastensystem" einzuführen. Alle erbrachten Dienstleistungen stehen für sich und werden am Ende zusammengerechnet. Das hat den Vorteil, dass für die Kundschaft und Mitarbeitenden ganz klar ist, wofür sie bezahlen. 

Beispiel: 
Je nach Kundenwunsch oder Haarqualität wird ein Paket zusammengeschnürt, z.B. Beratung + Waschen + Pflege + Kopfmassage + Schnitt + Stylingprodukte + Föhnen = Gesamtsumme. Oder für den schnellen Kurzhaarschnitt könnte es sein: Schnitt + Styling = Gesamtsumme. 

Die einzelnen Dienstleistungen können zudem nach Aufwand unterteilt werden, wie es z.B. Natascha Delrue in ihrem Salon macht Zum Interview

Eine Mischung aus allem

GINGER|LEMON Hairspace zeigt in der Preisliste, dass man sich nicht für eine Variante entscheiden muss. Sie haben alle oben genannten Möglichkeiten gemischt - es gibt:

  • einen Aufschlag für erhöhten Aufwand
  • eine Einteilung nach Haarlänge
  • einen eigenen Preis für den Service beim Creative Director des Salons 
  • ein Preispaket für eine besondere Schnitttechnik

Preisliste GINGER|LEMON Hairspace:

Hintergrund: Das AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz)

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet nicht explizit, die Preislisten nach Damen und Herren zu teilen - sehr wohl aber eine daraus resultierende Benachteiligung. Ein unterschiedlicher Preis für dieselbe Dienstleistung (z.B. Kurzhaarschnitt) müsste vor Gericht sachlich gegründet werden können. 

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
Infoseite ZV zu Genderpricing

Hierzu weiterlesen: 

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