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14.08.2026

„Der Faktor Zeit ist das fairste Preismodell für alle!“

In Flora Essls Salon fina gilt "hair has no gender". In unserem Interview erklärt sie, warum der Kurz-Mittel-Lang-Preis für sie keine faire Preisgestaltung ist und fragt, weshalb der Pflicht zur genderneutralen Preisliste keine genderneutrale LAP vorausgeht.

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imSalon Redakteurin Katriina Janhunen im Gespräch mit Salonunternehmerin Flora Essl. 

Flora, in deinem Salon lebst du das Motto „Hair has no gender“. In anderen Salons findet man mitunter heute noch Damen- & Herrenpakete. Wie kalkulierst?
FE:
Meine Preise werden nach Zeit kalkuliert – beim Schnitt fängt es mit 60 Minuten an, dann gibt es 75 und 90 Minuten. Preislich sind wir hier bei 85-125 €. Bei der Farbe ist es das gleiche Konzept.

Ist der Zeitaufwand gleichbedeutend mit Länge?
FE:
Wenn du einen Kurzhaarschnitt hast, kommst du nicht automatisch in die 60 Minuten Zeitkategorie. Es gibt einfach Haare, bei denen ich länger brauche, weil sie beispielsweise sehr dicht oder die Wirbel stark ausgeprägt sind. Beim first visit nehme ich mir 90 Minuten Zeit, um die Person und ihre Haare kennenzulernen. Hier informiere ich auch genau über den Zeitaufwand für den nächsten Besuch.

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Männer kriegen öfter automatisch den „Wie-immer-Kurzhaarpreis“

Seit wann hast du dieses Preismodell?
FE:
Ich habe schon so eröffnet. Ich kam aus einem Salon, in dem ganz klassisch nach kurz-mittel-lang kategorisiert wurde, und ich habe mich damit nicht identifizieren können.

Ich finde es einfach nicht logisch, weil ich für dichtes Haar länger brauche, auch wenn es in der Kategorie mittellang wäre. Bei der Kundschaft führt das zu Unzufriedenheit und Diskussionen. Oder man muss sich beeilen und die Qualität leidet.

Ich bin nicht davon überzeugt, dass es sinnvoll ist, Preise nach Haarlängen zu kategorisieren. Ich bin auch in diesem binären Geschlechtersystem sozialisiert worden und es ist nicht leicht, solche Barrieren zu durchbrechen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es schwer ist, eine faire Grenze zu finden, ab wann eine Person in welche Kategorie fällt.

Sind solche Preisdiskussionen eine Generationenfrage?
FE:
Es ist eher eine Sache der Gewohnheit. Und wenn wer schon 30 Jahre gewohnt ist, dass er den Kurzhaar-Herrenhaarschnitt zahlt, warum soll er jetzt auf einmal mehr zahlen? Genderneutrale Preise sind ungemütlicher für Männer, weil der Preis dadurch steigt.

„Ich muss nicht jeden Trockenhaarschnitt, der als Laufkundschaft vorbeikommt, annehmen.“

Wie würdest du jemandem die Angst nehmen, die Männerpreise anzuheben?
FE:
Es geht letztendlich um die eigene Positionierung. In der Ausbildung wird uns oft vermittelt, dass wir alles anbieten müssen, um bloß niemanden abzuweisen. In meiner Selbstständigkeit habe ich jedoch gelernt, wie viel wertvoller ein klares Profil ist.

Man muss nicht jeden schnellen Trockenhaarschnitt annehmen, der spontan zur Tür hereinkommt. Wenn diese Termine wegfallen, schafft das überhaupt erst den Raum für die Zielgruppe, die man sich eigentlich wünscht. Ob die Spezialisierung dann auf Colorationen, einer bestimmten Schnitttechnik oder eben einer klaren Philosophie liegt – ein starkes Konzept setzt sich in der Branche immer durch.

„Feminine und maskuline Kurzhaarschnitte sind einfach nur verschiedene Schnitte und nicht verschieden aufwändig!“

In der Friseurausbildung wird in männlichen und weiblichen Schnitten gedacht – existiert diese Unterscheidung für dich?
FE:
Ganz klares Nein. Ich habe das in der Berufsschule auch so gelernt, dass ein Kurzhaar-Herrenhaarschnitt oben immer eckig und bei Frauen immer rund ist, weil das eine maskulin ist und das andere feminin.

Das hat aber überhaupt nichts damit zu tun, dass eines davon aufwändiger wäre. Es sind einfach verschiedene Kurzhaarschnitte und diese sind nur wegen der Haarstrukturen verschieden aufwändig.

Sehr viele Salons kalkulieren Männer mit weniger Aufwand – woher kommt das?
FE: Das ist ein veraltetes Stereotyp, das sich hartnäckig in den Köpfen hält und immer weiter an die nächste Generation der Branche weitergegeben wird. Wenn eine Fehlannahme nur lange genug wiederholt wird, etabliert sie sich irgendwann als Wahrheit – selbst wenn sie der Praxis völlig widerspricht.

„Im Preis darf ich nicht trennen, aber bei der LAP werde ich dazu verpflichtet.“ 

Siehst du hier die Schulen und AusbilderInnen in der Pflicht?
FE:
Ja! Es ist ein systemisches Problem, das schon bei der Lehrabschlussprüfung beginnt: Der Prüfungsrahmen gibt vor, ein Herren- und ein Damenmodell mitzubringen. Zeitgemäßer wäre eine Aufteilung nach Handwerk, also beispielsweise ein Kurzhaarschnitt, ein Mittel- bis Langhaarschnitt und ein Bart. Während wir im Salonalltag verinnerlicht haben, Preise unabhängig vom Geschlecht zu kalkulieren, zwingt uns die Prüfung dazu, nach zwei Geschlechtern zu trennen.

Deine Dos und Don’ts für alle, die auf eine genderneutrale Preisliste umstellen wollen?
FE: 
Es wird sicher viel Diskussionspotential geben, daher sollte man für sich selbst zwei bis drei Sätze vorbereiten, um sich klar zu positionieren. Das nimmt die Angst vor ungemütlichen Reaktionen.

Zudem darf man das nicht persönlich nehmen – eine Preisdiskussion hat nichts mit dem eigenen Können oder mangelnder Wertschätzung zu tun. Und natürlich müssen die Preise im Vorfeld für die Kundschaft transparent kommuniziert werden, damit es gar nicht erst zu Verwirrungen kommt.

„Mit neutraler Preisgestaltung fühlen sich alle willkommen!“

Was ist für dich der größte Vorteil einer neutralen Preisgestaltung?
FE: 
Mit einer einheitlichen Preisliste fühlen sich alle willkommen, die sich nicht binär identifizieren und bei klassischen Männer- und Frauenpaketen gar nicht wüssten, was sie buchen sollen. Solche Kategorisierungen bieten einfach keinen Safe Space für Menschen, die sich einen bewusst androgynen, femininen oder maskulinen Schnitt wünschen, der nicht in starre Schubladen passt.

Wenn man stattdessen fair für die Zeit bezahlt, die man auf dem Stuhl sitzt, und genau den Schnitt bekommt, auf den man Lust hat, fühlen sich alle gleichermaßen abgeholt.

Vielen Dank, Flora, für deinen spannenden Input!

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