Trotz verpflichtender Covid-Test für FriseurInnen und Kundinnen im Vogtland - der erste Tag lief für Alexandra Friedrich gar nicht so schlecht | C: friseur-gierschner.de

02.03.2021

Alexandra Friedrich: Testen ist die Liebeserklärung an Friseure

Verschärfte Auflagen in Sachsen - das lange Warten in der Corona-Testschlange ist eine Liebeserklärung an die Friseurin, die Kontrolle des Testergebnisses wiederum ein schlechter Einstieg ins Beratungsgespräch.

In Sachsen herrscht seit der Wiedereröffnung am 1. März eine wöchentliche Testpflicht für alle FriseurInnen und MitarbeiterInnen. Im Vogtland gilt sogar verpflichtend der Nachweis eines negativen COVID-19 Tests von jedem Kunden (►Vogtlandkreis in Sachsen führt Testpflicht für Friseur-Kunden ein). Ein Testprojekt für ganz Deutschland? Wir haben bei Alexandra Friedrich in Plauen nachgefragt, wie der erste Tag lief.

Im Telefoninterview mit Katja Ottiger
 

„Eine Testkontrolle ist für Kreative kein schöner Einstieg in ein Beratungsgespräch.“

Alexandra, seit dem gestrigen Re-Start gehört der verpflichtende Negativ-COVID-19-Test im Vogtland zum Salonalltag. Wie war es denn?
Alexandra Friedrich: Ich muss sagen, das mit den Tests hat mich und zum Teil auch die Kunden genervt. Aber alle haben anstandslos den Test und den Ausweis hingelegt. Das Ungewohnte war, dass ich als Friseurin sofort eine Menge Arbeit auf den Köpfen sehe, wenn die Leute den Salon betreten, aber zuerst Daten kontrollieren und dokumentieren muss. So eine Testkontrolle ist für einen Kreativen kein schöner Einstieg in ein Beratungsgespräch!

Eintrittstest in den Salon -wie kommt das an?
AF:
Zum Teil sind die schon frustriert. Die Freude über den Friseurbesuch überwiegt, aber sie lassen auch Luft ab. Man kann in Plauen an den Testzentren kostenlose Tests machen, aber das geht nicht mit einer Terminreservierung. Du musst also hingehen und dich anstellen, das kann Stunden dauern.

Hatten alle KundInnen einen Testbescheid dabei?
AF:
Ja, eigentlich schon. Einer kam mit einem Foto von der endlos langen Schlange vor dem Testzentrum und entschuldigte sich, weil er den Termin absagen muss. Er meinte nur: „Alex, ich bin Handwerker. Ich kann nicht einen Tag Urlaub machen, um mich testen zu lassen.“ Der derzeitige Andrang an den kostenlosen Anlaufstellen ist für Berufstätige nicht zu vereinbaren.

Was ist mit Terminabsagen?
AF:
Eigentlich waren er und eine Kundin die einzigen, die mich haben „hängen lassen“. Aber das waren Kurzhaarschnitte, das ist zu verkraften. Von den großen Sachen hat bis jetzt niemand abgesagt. Eine Kundin mit zwei kleinen Kindern, die zu Hause im Homeoffice sitzt, meinte zu mir: „Das ist eine schöne Liebeserklärung an dich, mich stundenlang für dich anzustellen.“ Das ist rührend.

Wandern Kunden in andere Bundesländer ab?
AF:
Von meinen Kunden weiß ich das nicht, aber ja, wenn die Leute nach Thüringen oder Bayern rüberfahren, brauchen sie keinen Test. Ich bin erstaunt, was die Leute auf sich nehmen. Ich habe Kunden, die von außerhalb kommen, von Regensburg oder Chemnitz. Für den Friseurbesuch bei mir sind sie bereit, einen Test zu bezahlen. Das sind im Schnitt immerhin ca. 38 Euro!

Wie macht ihr das mit den Tests im Team?
AF:
Wir gehen einmal in der Woche, immer montags, bei meiner Ärztin zu Testen. Das ist unkompliziert und sichert und ab.

„Wir sind das Pilotprojekt.“

Die verpflichtenden Tests für FriseurkundInnen haben derzeit kein Ablaufdatum. Was denkst du, bleiben die Vogtländer die Einzigen?
AF:
Unser Landrat Herr Keil hat sich bereit erklärt, hier ein Pilotprojekt zu starten, obwohl wir wohl alle wissen, dass bei Friseuren eigentlich keine Ansteckungen stattfinden. Es könnte gut sein, dass das Projekt deutschlandweit ausgerollt wird, so wie in Österreich – daran orientieren wir uns ja gern. (lacht). Es gibt hier viel Unmut, die Corona-Maßnahmen bringen die Leute auf die Barrikaden. Aber das verwundert nicht, wir waren ja schon zur Wendezeit kleine Revoluzzer. (Anm.: Plauen sieht sich als Wendestadt, hier fand am 7.10.1989, zwei Tage vor Dresden und Leipzig, die erste Demonstration statt, die von der  Staatsmacht der DDR mit Gewalt nicht beendet werden konnte.)

Wie haltet ihr Corona aus dem Salon fern?
AF:
Zunächst einmal habe ich eine ganz super Playlist! Zudem hatten alle möglichen Duftkerzen an, um die Schönheit zu zelebrieren und haben „völlig erleuchtet“ Corona draußen gelassen. Deshalb waren wir trotz Stress völlig ruhig. Ich habe gemerkt, dass bei den Kunden die positive Botschaft „wir meckern nicht“ gut ankommt. Schon im Vorfeld habe ich bei der Terminierung per Whatsapp immer mein „Happy-Foto“ mitgeschickt, um den Kunden etwas Positives mitzugeben.

Barfuß im Schnee?
AF:
Wir hatten in der letzten Zeit so viel Schnee. In der Früh habe ich meine Kinder im Garten immer barfuß bis zur Schaukel geschickt und wieder zurück. Die waren ja in diesem Jahr kaum drei Monate in der Schule, denen fehlt die Bewegung. Und dabei haben wir immer wieder unsere Happy Foto-Sessions gemacht (... und lacht mal wieder).


Liebe Alex, deine positive und quirlige Art ist herrlich erfrischend und ein guter Start in den Tag! DANKEschööön und alles Gute weiterhin!

Über Andrea Friedrich:

  • 1 Salon in Plauen „Frisör Gierschner“
  • 3 MitarbeiterInnen
  • ehem. Wella Fachtrainerin und Freelancer international (Stuttgart, Paris, Zürich, Chile, Bahamas)
  • friseur-gierschner.de