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16.08.2018

Friseure in den Dreck ziehen oder doch wichtige Provokation?

Die Bildzeitung schreibt über Friseur-Azubis in Leipzig. Der Tenor: Warum will überhaupt jemand Friseur werden, weil schlecht bezahlt und Knochenjob. Wir sind uns nicht ganz einig, ob wir solche Artikel gut oder schlecht finden. Darum gibt es ein PRO und ein CONTRA von uns.

PRO: Wer nicht provoziert, wird nichts bewegen

Auch wenn wir das nicht hören wollen - dieser Friseur-Negativ-Artikel rüttelt auf und nennt das Kind beim Namen: Unsere Branche hat echte Probleme!

Money, money, money

Das Thema Geld ist IMMER ein Punkt, wenn über Friseure diskutiert wird. Wer will schon Friseur werden, wenn die Branche immer an den untersten Plätzen des Lohnniveaus dümpelt? Was bringt einem das gute Trinkgeld für die Pension, im Urlaub, wenn man krank ist?

Friseur-Azubis und Friseure generell kriegen echt wenig Geld - und warum kriegen die in Bayern mehr als die im Osten?! "Wir können nicht mehr bezahlen". Es wird Zeit, dass Billigfriseure die Preise erhöhen, denn was nichts kostet, ist nichts wert. Unsere Branche verträgt mehr Selbstbewusstsein - gute Arbeit darf auch gut bezahlt werden.

Billige Putzkraft

Wer will schon eine Lehre machen, in der die ersten Jahre nur geputzt wird? Leider gibt es immer noch die schwarzen Schafe, die eine Friseurlehre mit einer billigen Reinigungskraft verwechseln. Die Folge: Die extrem hohen Abbruchszahlen unserer Branche.

Huhn oder Ei?

Was war zuerst? Das schlechte Image oder die schlechte Bezahlung? Wenn wir nicht alle unseren Mitarbeitern mehr zahlen, wird sich dieses Bild niemals ändern. Zeitungen mit Millionenauflage werden unsere Branche immer wieder in die Negativschlagzeilen bringen.

Es ist gut, dass das Thema in den Medien bleibt. Immer wieder in die Wunden zu stechen, weckt Innungen, Zentralverband, Politik und Billigfriseure vielleicht eines Tages auf.

CONTRA: Friseure in den Dreck ziehen

Die Friseurlehre ist unter den TOP 3 der Leipziger Ausbildungen und der Artikel fragt, warum so viele junge Leute Friseur werden wollen. Unsere Branche hat Probleme, ja. Unter anderem Nachwuchsmangel. Warum bekommt man also beim Lesen des Artikels das Gefühl, viele Friseurlehrlinge wären etwas Schlechtes?

Statt sich zu freuen, dass so viele junge Leute einen kreativen Beruf ergreifen, wird hier unsere Branche schlechtgeredet. Die selben alten Klischees immer zu wiederholen, verstärkt sie nur.

Klischees betonieren

Wenn junge Leute immer wieder hören, wie besch*** der Friseurberuf ist, wird sich nie etwas ändern. Wenn Friseure immer hören, dass sie nichts verdienen, werden sie sich nie trauen mehr Geld zu verlangen.

Sorry, das ist nicht konstruktiv, das bringt niemanden weiter. Genau denselben Inhalt hätte man auch anders formulieren können, man könnte sie Welt auch ein bisschen positiver sehen - das würde unserer Branche schon helfen!