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Credit: Martin Steiger

04.11.2018

10 Dinge, rund ums Top Thema Stuhlmiete

Stuhlmiete – Platzmiete – Rent a Chair – wie auch immer Sie das Kind benennen – es geht immer darum in einem Salon weitere selbstständige kleine SalonunternehmerInnen zu schaffen.

Dauerbrennerthema und immer häufiger in unserer JOKIRA friseurjobbörse gesucht. Stuhlmiete interessiert all jene Friseure, die den ersten Schritt in mehr Selbstständigkeit gehen wollen, und solche Saloninhaber, die sich damit eine sicher kalkulierbare Einnahme schaffen wollen.
In den USA gehört das so genannte „Booth Rental“ längst zum Salon-Alltag. Ob sich der Trend hierzulande allerdings so stark durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Der Begriff Stuhlmiete… Als erstes sollte man verstehen, dass Stuhlmiete für den Mieter im Wesentlichen das Gleiche ist wie ein kleines Geschäft zu besitzen, dieses befindet sich allerdings in Ihrem Salon. Der Stuhlmietende ist sein eigener Chef, vereinbart Termine, kauft Produkte, kassiert, hat eine Steuernummer und bezahlt seine eigene Sozialversicherung. Er hat keinen Anspruch auf bezahlten Urlaub oder bezahlte Weiterbildung, dafür aber besitzt er einen großen Freiraum in der eigenen Entwicklung und wird viel übers Selbstständigsein lernen. Für Sie als Saloninhaber bedeutet es eine unternehmerische Absicherung.

Grundsätzlich gibt es 2 Möglichkeiten:
1. Vermietung zum Fixpreis, Mietender benützt Ihre Infrastruktur
2. Vermietung mit Umsatzbeteiligung unter vorheriger Festlegung
eines Mindestumsatzes.

Vertrag… abschließen ist wichtig. Darin halten Sie sämtliche Abmachungen fest: Mietpreis, Kündigungsfrist, welche Bereiche in der Nutzung inkludiert sind, welche nicht (Rezeption, WLAN, Buchhaltung, Kasse, Reinigung, Produktnutzung…).

Steuerrechtliches…ist wie immer zu beachten. Die Einnahmen aus der Vermietung werden unter Mieteinnahmen aufgeführt. Der Materialverbrauch des Mieters muss ebenfalls in der Bilanz aufgeführt sein, allerdings extra dargestellt werden. Damit wird dem Finanzamt der größere Materialverbrauch bei gleich bleibendem Umsatz erklärt.
Der Mieter erhält eine monatliche Rechnung über Miete und Materialverbrauch.

Gewerberechtliche Voraussetzung… für Stuhlmieter: Es gelten die gleichen Voraussetzungen wie für Saloninhaber. Sie benötigen einen Gewerbeschein und haben damit die gleichen Auflagen wie ein Salonunternehmer zu erfüllen, also Meisterprüfung und Unternehmerprüfung.

Sozialversicherung… liegt vollständig in der Hand des Stuhlmieters.

Miete…! „Was kann ich eigentlich verlangen?“ wird am häufigsten gefragt. Nun, wie mit so Vielem hängt dies von Lage, Salonpositionierung und Kundschaft ab. Da mir Stuhlvermietungen bis dato hauptsächlich in der Stadt bekannt sind, liegen die Mieten netto bei 800,- bis 1.300,- Euro, plus der gesetzlichen Mehrwertsteuer. In guten Lagen können Mieter leicht einen monatlichen Umsatz von 5.000 Euro aufwärts generieren.
Und das erspart dem Mieter einiges an Arbeit, bedenkt man, dass er sich um Nichts zu kümmern braucht. Technik, Reparaturen, oder so profane, jedoch wichtige Dinge wie der Einkauf von Milch, Toilettenpapier und Reinigungsmitteln werden vom Stuhlvermieter erledigt. Klärt jedoch auf jedem Fall im Vorhinein ab, welche vorhandene Saloninfrastruktur mitbenützt werden darf.

Arbeitszeit … ist in der Regel Sache des Mieters. Wenn Sie eine fixe Miete kassieren, ist es für Sie ohnehin nicht so wichtig. Diese Frage sollten Sie im Vorfeld eindeutig abklären.

Produktverkauf… ist eine Sache der Vereinbarung. Der Mieter kann eigene Produkte einkaufen und verkaufen, außer es existiert eine gegenteilige Vereinbarung - Sie sollten allerdings bestimmen, ob die gewählte Marke in Ihren Salon passt oder nicht. Es können auch nur die von Ihnen geführten Produkte verkauft werden. In diesem Fall sollten Sie vorher schriftlich eine etwaige Umsatzbeteiligung festhalten. Gegenseitiges Vertrauen ist dabei enorm wichtig - vor allem sollte die Produktentnahme per Strichliste organisiert werden. Themen, wie Produktlagerung, Preiskalkulation und Produktpräsentation im Salon sind vorab ein unausweichlicher Diskussionspunkt!

Terminvergabe/ Kundenstock … sind sicher die sensibelsten Berührungspunkte und gehören in die Verantwortung des Mieters. Um Vorwürfen der Kundenabwerbung nachhaltig vorzubeugen, ist eine strikte Trennung empfohlen. Wichtig ist, dass Sie im Vertrag verankern, dass der Mieter selbst verantwortlich für seine Kunden ist. Tipp: Auch die Regelung der Laufkundschaft muss besprochen werden!

Auszubildende … können mitbenutzt werden und je nach Bedarf in den Mietpreis einkalkuliert werden. Das sollte vorab in jedem Fall besprochen und fixiert werden. Für Lehrlinge kann es eine sehr spannend Erfahrung sein.

Salonmarketing… sollte im Vorfeld abgeklärt sein. Generell ist aber der Mieter für sein eigenes Marketing (Kundenansprache, Visitenkarten, etc.) verantwortlich. Wenn Sie ein Kundenfest oder ähnliches gemeinsam feiern - dann können Sie die Kosten danach im vorher definierten Splitt aufteilen.

Preisstruktur... Die Preise des Mieters sollten zur Preispositionierung Ihres Salons passen. Sie können hier durchaus eine von-bis Kategorie vorgeben, in die sich ein potentieller Mieter einfügen muss.

Aufgeschlossene Vorreiter sind längst unterwegs. Haben Sie Bewerber, dann prüfen sie diese genauso gut wie bei einer Neueinstellung. Sie sollten sich fragen: Hat er einen eigenen Kundenstock und kann er so die monatliche Miete bezahlen? Passt die Klientel zu Ihrer Salonklientel? Ist der Kundenstock auch in realistischer geografischer Nähe? Um böse Überraschungen auszuschließen, können Sie einen Probemonat vereinbaren.


Schließlich ist es nach wie vor Ihr Salon, in dem sich das kleine Unternehmen des Stuhlmieters entfaltet, und es soll für beide Partner eine erfreuliche Zusammenarbeit werden.


In diesem Sinne... fröhliches Vermieten!