Anzeige

Anzeige

05.05.2026

„Die Kundenbeziehung ist IMMER einseitig“

Frauen tragen die Friseurbranche – doch auf den Bühnen sind sie noch immer zu selten sichtbar. Simone Klinge-Otto will das ändern: Mit Mut zu Umsatzwollen, falschen Glaubenssätzen und Frauen über 50...

Anzeige

Anzeige

Simone, der Satz „Frauen tragen diese Branche, jetzt bekommen sie die Bühne“ begleitet deine kommende Veranstaltung GLANZ&GLORIA. Wie ist es dazu gekommen – und wie hast du die zwölf Frauen gefunden?
Simone Klinge-Otto:
Ich durfte gerade auf der Top Hair sprechen. Damit ist für mich ein großer Traum in Erfüllung gegangen. Danach habe ich aber von ganz vielen Seiten gehört: Warum sind eigentlich so wenige Frauen auf der Bühne? Das kam sogar von Männern. So ist die Idee entstanden, selbst etwas auf die Beine zu stellen.

Wie hast du die Frauen gefunden?
SKO:
Mit den Referentinnen bin ich sehr gut vernetzt, teilweise befreundet. Ich habe sie angerufen, von meiner Idee erzählt, alle haben direkt ‚Ja‘ gesagt.

Woran liegt es, dass Frauen noch immer eher passiv sind? Was müsste passieren, damit Frauen in der Branche mehr Aufmerksamkeit bekommen?
SKO:
Ich möchte nicht auf die Bühne, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich etwas zu sagen habe. Oft liegt es noch an uns Frauen selbst. Wir dürfen lauter werden und stärker für unsere Themen einstehen. Wenn 80 % der Branche von Frauen getragen werden, dann wird es endlich Zeit, dass Frauen auch vorne stehen. Nicht, weil wir besser oder schlechter sind als Männer, sondern weil wir Dinge anders sehen und anders angehen.

In deinem Speakerinnen-Kreis sind ganz unterschiedliche Altersgruppen vertreten. Sind jüngere Generationen bereits fordernder?
SKO:
Ja. Ich spüre bei den jüngeren Frauen oft mehr Biss, sie sind selbstbewusster. Ich bin 62 und kann natürlich auf einen riesigen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Aber ich musste mir mein Selbstbewusstsein im Laufe der Jahre erarbeiten. Junge Frauen leben Dinge vor, die ich grandios finde. Sie schaffen sich ihren Weg, ihr Traumbusiness, ihr Traumleben. Das beeindruckt mich sehr.

Anzeige

„Ich verdiene gerne Geld. Ich mache gerne Umsatz. Und das darf man auch sagen.“

Welche Themen werden beim Kongress behandelt?
SKO:
Es geht um sehr viele unternehmerische sowie Mindset Themen. Wir haben unternehmerische Erfolgsgeschichten dabei. Es geht um Beratung, um Expertise, um Spezialisierung, um Locken, um Sichtbarkeit und auch um Geld. Eine Speakerin spricht über ihre „Moneymaking Moves“. Denn auch wir als Friseurunternehmerinnen dürfen Geld verdienen. Ich verdiene gerne Geld. Ich mache gerne Umsatz. Und das darf man auch sagen.

„Das ist deine Kundin und nicht deine Freundin.“

Viele haben Hemmungen Umsatz auszusprechen. Viel zu oft hört man zu Preisen: „Das kann ich meiner Kundin nicht zumuten.“ Sich selbst aber offenbar doch. Was ist dein Rat?
SKO:
Ich habe zwei Sätze, die mir sehr geholfen haben. Der erste ist: Das ist deine Kundin und nicht deine Freundin. Und der zweite Satz hat mir wirklich die Augen geöffnet: Die Beziehung zwischen Kundin und Friseurin ist immer einseitig.

„Die Beziehung zwischen Kundin und Friseurin ist immer einseitig.“

Uh, spannend da muss ich nachdenken.
SKO:
Darüber darf man ruhig einmal nachdenken. Die Friseurin gibt in diese Beziehung oft viel mehr hinein als die Kundin. Wenn du heute krank bist, geht die Kundin zu einer anderen Friseurin. Das klingt hart, aber es stimmt.

Wie gehst du Dienstleistung an?
SKO:
Ich bin ein großer Fan von Qualität. Wenn wir gute Beratung, gute Haarfarbe, gute Haarschnitte und eine gute Dienstleistung anbieten, dann dürfen wir dafür auch gutes Geld verlangen. Wir geben den Menschen ja wirklich etwas. Wer schon einmal schlecht geschnittene Haare hatte, weiß, wie viel das mit einem macht. Und wie glücklich es macht, wenn man bei jemandem sitzt, der sein Handwerk versteht, einen ernst nimmt und auch mal sagt: Nein, das machen wir nicht, das passt nicht zu dir.

Du hast dich selbst spezialisiert auf Frauen Ü50. Wie ist es dazu gekommen?
SKO:
Als ich 50 wurde, kam ich an einen Punkt, an dem ich keine Lust mehr hatte. Ich war sechs Wochen im Voraus ausgebucht, aber ich wollte so nicht weitermachen. Ich wusste: Wenn ich jetzt noch etwas Neues starten möchte, dann muss ich es jetzt tun.

Dann habe ich eine Ausbildung zum Style Coach gemacht, um meine Kundinnen ganzheitlicher beraten zu können. Und ich habe gemerkt, wie viel Freude es mir macht, Frauen ab 50 abzuholen.

Weshalb Ü50?
SKO:
Ab 50 müssen oft ein paar Stellschrauben neu gestellt werden. Genau das macht mir Freude. Ich habe dann Pressearbeit gelernt, um mich selbst sichtbar zu machen, und war in vielen Magazinen. Daraus sind nach und nach meine Angebote entstanden. Alles, was ich heute anbiete, habe ich selbst durchlebt. Ich biete im Grunde das an, was ich mir damals selbst an Begleitung gewünscht hätte.

Der Markt spricht plötzlich über Menopause, weibliches Altern und Sichtbarkeit von Frauen in dieser Lebensphase. Fließt das in deine Arbeit ein?
SKO:
Ja, auf jeden Fall. Ich sehe mich für meine Ü50-Kundinnen als Mutmacherin. Ich sage immer: Ich will nicht jung aussehen, ich will gut aussehen. Ich bin 62. Und eine 60-Jährige kann nicht aussehen wie eine 40-Jährige. Warum auch?

Natürlich benenne ich auch Themen, die unangenehm sind. Wer hat schon Lust auf Menopause, auf Schweißausbrüche, dünner werdendes Haar oder einen Bauch, der sich verändert? Aber es gehört dazu. Ich glaube, es ist wichtig, das anzunehmen. Und wenn es geht, lieber darüber zu lachen, als daran zu verzweifeln. Jede Frau, die heute jung ist, wird irgendwann genau dort ankommen. Es gehört zum Leben dazu.

Wie sprichst du deine Zielgruppe an? Sagst du ganz offen Ü50?
SKO:
Ja, absolut. Auf meiner Homepage steht als erster Satz: „Frisur doof, Klamotten langweilig und Älterwerden nervt auch.“ Damit hole ich meine Kundinnen ab. Es gibt Frauen, die finden das großartig, und genau die buchen mich dann auch. Und ich duze. Wenn eine Kundin einen ganzen Tag bei mir ist, wenn wir über Figur, Stil, Kleidung, Haare und persönliche Themen sprechen, dann sind wir uns sehr nah. Da möchte ich nicht „Frau“ und „Sie“ sagen. Wer das nicht mag, wird nicht meine Kundin.

„Das sind oft Glaubenssätze, die im Weg stehen.“

Du arbeitest nicht in einer Großstadt, sondern in Ahaus-Alstätte. Ist es auf dem Land schwieriger, so ein Konzept aufzubauen?
SKO:
Nein. Du kannst alles machen, egal wo du bist. Das sind oft Glaubenssätze, die im Weg stehen. Die einen sagen: „Das kann ich nicht machen, weil ich in der Großstadt bin.“ Die anderen sagen: „Das kann ich nicht machen, weil ich auf dem Land bin.“  Wichtig ist, dass man sich ein Publikum aufbaut. Deshalb ist eine klare Zielgruppe so wichtig.

Wann hattest du das Gefühl: Jetzt funktioniert mein neues Geschäftsmodell wirtschaftlich?
SKO:
Ich würde nie sagen: Jetzt habe ich es geschafft. Man schafft es nie. Und ich glaube, ich will auch gar nicht fertig sein. Wenn man fertig ist, hat man keinen Hunger mehr. Ich möchte aber hungrig bleiben, Ziele haben und weiter daran arbeiten.

Arbeitest du noch als Friseurin?
SKO:
Heute habe ich keinen klassischen Salon mehr. Haare schneide ich nur noch im Rahmen meiner Style-Coach-Tage. Das empfinde ich als sehr befreiend.

„Dieser Tag kostet 990,- Euro.“

Wie läuft so ein Style-Coach-Tag bei dir ab?
SKO: Die Kundin kommt für einen ganzen Tag zu mir. Dann sprechen wir über ihre Farben, ihren Figurtyp, ihre Stilrichtung, ihre Haare, ihre Kleidung. Sie bringt Kleidung von zu Hause mit, alles, was sie für ihre Haare benutzt, und wir gehen wirklich von oben bis unten alles durch. Mit Fotos, mit konkreten Kombinationen, mit Beratung, mit Haarschnitt und Farbe. Dieser Tag kostet 990,- Euro.

Wenn eine Kundin danach sagt, sie möchte zusätzlich mit mir shoppen gehen oder Fotos für Business oder privat machen, kann sie einen zweiten Tag buchen. Ich arbeite dafür auch mit einer tollen Fotografin zusammen.

Wirtschaftlich funktioniert das?
SKO:
Ja, vom Umsatz her schon. Das war ja mein Ziel: weniger arbeiten und mehr Geld verdienen. Wobei „weniger arbeiten“ nicht heißt, dass ich nichts tue. Aber für mich war es extrem anstrengend, mich jeden Tag auf vier, fünf oder sechs Personen einzustellen. Das hat mich ausgelaugt. Heute konzentriere ich mich an einem Tag auf eine Person. Diese Art zu arbeiten, passt viel besser zu mir. Ich kann mich ganz auf diese Kundin einlassen, ohne von einem Stuhl zum nächsten zu rennen.

Wieviele KundInnen bedienst du pro Woche?
SKO:
Ich mache ja noch einiges nebenbei: Vorträge und Trainings, aber so ca.2-3 Tage bin ich für Style Coachings gebucht.

„Abgrenzung ist extrem wichtig.“

Viele FriseurInnen leiden darunter sich emotional nicht mehr gut abgrenzen zu können. Was kann man dagegen tun?
SKO: Abgrenzung ist extrem wichtig. Natürlich darf eine Unterhaltung stattfinden. Aber warum sprechen wir lieber über den letzten Urlaub, als über unsere Expertise? Warum nicht über Vorschläge, über Haarqualität, über Pflege, über Farbe, über Möglichkeiten? Das wäre ein wichtiger Schritt.

„Warum sprechen wir lieber über den letzten Urlaub,
als über unsere Expertise?“

Wie du schon betont hast: Es ist deine Kundin und nicht deine Freundin!
SKO:
Ich habe selbst erlebt, wie übergriffig Kundinnen sein können. Mein Mann ist nach langer Krankheit gestorben. Als er im Sterben lag, musste ich einer Kundin einen großen Termin absagen. Ich sagte ihr: Mein Mann liegt im Sterben. Ihre Antwort war: „Den Termin haben wir aber schon so lange abgemacht.“ Das war für mich ein Schlusspunkt. Da habe ich gemerkt, wie einseitig diese Beziehung sein kann. Man muss lernen, die Beziehung professionell zu führen.

Was magst du gar nicht?
SKO:
Viele Frauen sagen: „Dafür bin ich zu alt.“ Und ich sage: Nein, du bist für gar nichts zu alt. Ich lebe ja noch.

Liebe Simone, ich wünsche dir für deinen Onlinekongress und dein spannendes Konzept viel Erfolg und freue mich darauf, dabei zu sein.

Zurück zur Übersicht

Aktuelles

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Zurück

0

Teilen