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Mentalcoach Susanne Drexel | Credit: privat

26.05.2026

5 Mikropausen, die in jeden Salontag passen

... und warum sie mehr bewirken als jeder Wellnesstag! Mental-Coach Susanne Drexel erklärt's wissenschaftlich und hat fünf, sofort anwendbare, Mikropausen-Tipps parat.

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Beitrag von Susanne Drexel  |  Mentalcoach · Fachkraft für Stressmanagement IHK · ehemalige Friseurunternehmerin. 

Stellen Sie sich vor: Es ist 14 Uhr. Seit sieben Stunden stehen Sie. Der nächste Termin beginnt in drei Minuten.
Ihre Schultern schmerzen, die Gedanken kreisen, und die Energie, die Sie morgens noch hatten, ist längst aufgebraucht. In diesen drei Minuten könnten Sie Ihr Nervensystem zurücksetzen. Messbar. Wissenschaftlich belegt.

Mikropausen sind keine Wellness-Idee.
Sie sind Leistungsschutz – für Sie und Ihr Team.

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Wer keine Zeit für Pausen hat, hat eigentlich keine Zeit, so weiterzumachen wie bisher

Susanne Drexel

Warum eine lange Mittagspause oft weniger bringt als fünf kurze Auszeiten

Das klingt kontraintuitiv. Aber die Forschung zeigt: Das Nervensystem erholt sich effizienter durch viele kleine Unterbrechungen über den Tag verteilt, als durch eine einzige längere Pause am Ende.

Im Salon ist das sogar ein Vorteil – denn kurze Lücken zwischen Terminen sind bereits eingebaut. Sie werden nur bisher nicht genutzt. Drei Minuten zwischen zwei Kunden. Der Moment, während Farbe einwirkt. Die 90 Sekunden beim Wechsel am Waschbecken.

Das sind keine verlorenen Zeiten. Das sind Ihre Ressourcenfenster!

Die 5 Mikropausen für den Salontag

1.  Die 4–7–8-Atemübung | Dauer: 2 Minuten

Wann: Zwischen zwei Terminen, vor einem schwierigen Kundengespräch oder bevor ein langer Block beginnt.

So geht es: 4 Sekunden langsam durch die Nase einatmen. 7 Sekunden Atem anhalten. 8 Sekunden durch den leicht geöffneten Mund ausatmen. Dreimal wiederholen.

Warum es wirkt: Die verlängerte Ausatmung aktiviert den Parasympathikus – das Gegensystem zum Stressmodus. Der Herzschlag verlangsamt sich, Cortisol sinkt, die Konzentration kehrt zurück. Das funktioniert innerhalb von Sekunden.

2.  Die Schulter-Nacken-Routine | Dauer: 90 Sekunden

Wann: Während Farbe einwirkt, beim Umrüsten des Arbeitsplatzes oder immer dann, wenn die Schultern sich schwer anfühlen.

So geht es: Schultern langsam nach hinten kreisen (5x). Kopf behutsam zur rechten Schulter neigen, 10 Sekunden halten, wechseln. Kinn zur Brust, 10 Sekunden. Beide Schultern hochziehen, kurz halten, dann loslassen (3x).

Warum es wirkt: Schultern und Nacken sind die am stärksten belasteten Körperzonen im Friseurberuf (Springer Medizin). Diese Routine löst Verspannungen, bevor sie chronisch werden – und kostet keine Zeit, die nicht ohnehin vorhanden ist.

3.  Der 60-Sekunden-Bodyscan | Dauer: 1 Minute

Wann: Zur Mittagspause oder immer dann, wenn Sie merken, dass Sie nicht mehr wissen, wie es Ihnen gerade eigentlich geht.

So geht es: Augen schließen oder den Blick senken. Aufmerksamkeit wandert von den Füßen nach oben – Beine, Bauch, Brust, Schultern, Gesicht. Kein Bewerten, nur wahrnehmen: Wo ist Spannung? Wo ist Wärme? Wo ist Schwere?

Warum es wirkt: Der Bodyscan unterbricht den Autopiloten und bringt die Aufmerksamkeit zurück ins Innen – eine wichtige Schutzfunktion für Menschen, die beruflich dauerhaft auf andere ausgerichtet sind. Achtsamkeit in der kürzestmöglichen Form: ohne App, ohne Kissen.

4. Der stille Moment | Dauer: 2 Minuten

So geht es:  Zwei Minuten bewusste Stille. Kein Scrollen, kein Smalltalk, keine To-do-Liste im Kopf sortieren. Einfach sitzen oder stehen – und nichts tun. Das ist schwieriger als es klingt, und genau darin liegt der Wert.

Warum es wirkt:  Das Gehirn braucht Ruhephasen, um Informationen zu verarbeiten und Ressourcen wiederaufzufüllen. Wer dem Verstand zwei Minuten Stille gönnt, kehrt konzentrierter und ruhiger zurück – keine Übertreibung, sondern Neurobiologie.

5.  Der kurze Teamcheck | Dauer: 3 Minuten

Wann: Morgens vor dem ersten Kunden oder abends nach dem letzten Termin – gemeinsam als Team.

So geht es: Jede Person sagt kurz, wie sie sich fühlt (ein Wort reicht), was sie heute braucht und was heute bereits gut war. Kein Jammern, kein Analysieren – nur kurzes, ehrliches Einchecken.

Warum es wirkt: Emotionale Bindung ans Team ist der stärkste Schutzfaktor gegen Fehlzeiten und Fluktuation (AOK-Fehlzeiten-Report 2024). Dieser Check-in kostet drei Minuten – und investiert direkt in Zusammenhalt, Sicherheit und Zugehörigkeit.

Was die Forschung sagt – in drei Sätzen

Eine Meta-Analyse (Albulescu et al., 2022) mit Daten aus mehreren Ländern zeigt: Mikropausen von unter zehn Minuten reduzieren Erschöpfung, erhöhen das Energielevel und beugen dem Leistungsabfall im Tagesverlauf wirksam vor.

Psychologe Friedhelm Nachreiner (Vorsitzender der Gesellschaft für Arbeits- und Organisationspsychologische Forschung) bringt es auf den Punkt: Mikropausen dienen nicht der Erholung im klassischen Sinne, sondern der Vorbeugung von Übermüdung. Das ist der entscheidende Unterschied.

Und: Kurze bewusste Auszeiten senken den Cortisolspiegel. Das nachgewiesene Stresshormon, das bei Dauerstress zu Schlafproblemen, Immunschwäche und auf Dauer zu Burnout führt. Das bedeutet: Wer regelmäßig kleine Pausen macht, verändert seine Biologie.

„Dafür haben wir keine Zeit.“

Das ist der häufigste Einwand. Und ich verstehe ihn – ich habe ihn jahrelang selbst gedacht.

Aber rechnen wir einmal nach: Fünf Mikropausen pro Tag kosten zusammen etwa zwölf Minuten. Was kostet dagegen ein Mitarbeiter, der drei Wochen krankgeschrieben ist? Was kostet eine Teamkollegin, die innerlich bereits gekündigt hat und in sechs Monaten wirklich geht? Was kostet ein eigener Ausfall, bei dem der Salon eine Woche schließen muss?

Zwölf Minuten Investition täglich. Gegen potenziell Wochen oder Monate des Ausfalls. Das ist kein Wohlfühlangebot – das ist nüchterne Betriebsrechnung.

Wie Sie es im Salon verankern – ohne großen Aufwand

Der wichtigste Schritt ist nicht die perfekte Routine – sondern die Entscheidung, es überhaupt zu tun. Drei einfache Wege, wie es in der Praxis gelingt:

  • Sichtbar machen: Eine kleine Karte im Aufenthaltsraum mit den fünf Mikropausen. Kein Post-it, das untergeht – sondern ein bleibendes Zeichen, dass Pausen hier zur Arbeits-Kultur gehören.
  • Gemeinsam starten: Führungskräfte, die selbst Pausen machen, geben die Erlaubnis ans Team: Es ist okay, kurz innezuhalten. Vorleben ist die wirksamste Unternehmenskultur.
  • Klein anfangen: Nicht alle fünf Pausen auf einmal. Eine einzige täglich fest einbauen – zum Beispiel den Teamcheck morgens. Wenn der sitzt, kommt die nächste von selbst.

Was aus einem Salon werden kann, der Pausen ernst nimmt

Ich habe es in der Begleitung von Teams erlebt: Wenn Pausen aufhören, Schwäche zu sein, und anfangen, Struktur zu werden, dann ändert sich die Atmosphäre im Salon. Das Team wird ruhiger, die Fehler werden weniger, die Freude kehrt zurück.

Kunden spüren das. Sie kommen nicht nur für eine gute Farbe oder einen präzisen Schnitt. Sie kommen auch, weil der Salon ein Ort ist, an dem sie sich wohlfühlen. Und ein Team, das gut für sich sorgt, gibt das weiter – ohne es zu planen.

Ein gesundes Team ist kein Zufallsprodukt. Es ist das Ergebnis kleiner, konsequenter Entscheidungen – täglich, zwischen zwei Terminen.

Susanne Drexel

Über Susanne Drexel

Susanne Drexel ist Mentalcoach, Achtsamkeitslehrerin nach Maren Schneider und Fachkraft für Stressmanagement (IHK). Sie arbeitet mit Methoden der positiven Psychologie nach Dr. Seligman. Als ehemalige Friseurunternehmerin hat sie selbst erlebt, was passiert, wenn ein System keine Prävention kennt. Heute begleitet sie Salonteams und Betriebsinhaber auf dem Weg zu mehr mentaler Stärke, Resilienz und echter Freude am Beruf.

Kontakt

Trainer-Speaker-Coach Susanne Drexel
info@susannedrexel.de

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