Redakteurin Juliane Krammer im Gespräch mit Friseurunternehmer Rainer Stöhr
Rainer, du führst einen Salon mit 25 MitarbeiterInnen. Wie entsteht so ein großes Unternehmen?
Rainer Stöhr: Ich habe das Unternehmen 1990 in Erding gegründet. Damals waren wir zu dritt, heute sind wir 25 Personen an einem Standort. Ich bin jetzt 64 und bereite langsam meinen Ausstieg aus dem täglichen Business vor. Aktuell arbeite ich noch zwei Tage pro Woche am Kunden. Ab dem kommenden Jahr möchte ich mich vollständig auf die Unternehmensführung konzentrieren.
Wird es deshalb eine größere Umstrukturierung geben?
RS: Nein, denn ich bleibe als Unternehmer weiterhin da. Ich habe ein zentrales, offenes Büro im Salon. Jeder, der ein Anliegen hat, kann jederzeit zu mir kommen. Mir ist wichtig, zu wissen, was im Unternehmen passiert. Gleichzeitig arbeiten meine Jungs und Mädels inzwischen sehr eigenverantwortlich. Wir haben eine tolle Rezeption, die Abläufe funktionieren und das Team kann viele Entscheidungen selbst treffen.
Viele SalonunternehmerInnen tun sich schwer damit, Verantwortung abzugeben. Wie gelingt dir das?
RS: Ich hatte von Anfang an ein Urvertrauen in meine Mitarbeiter. Manche sind seit 35 Jahren bei mir. Meinem Team vertraue ich zu 100 Prozent. Und ich kann tatsächlich sehr gut abgeben. Ich mag es sogar. Deshalb finde ich es klasse, wenn meine Mitarbeiter selbst entscheiden. Jeder Friseur ist für seinen eigenen Kundenstamm verantwortlich. Was soll ich da als Chef bestimmen?
Viele Salons verkleinern sich. Warum wächst deiner weiterhin?
RS: Ich glaube nicht, dass man sein Team freiwillig verkleinert. Sie finden schlicht keine guten, qualifizierten Mitarbeiter mehr. Wir Friseure sind in Deutschland vom Aussterben bedroht. Das sieht man bereits an den Berufsschulen. Vor zehn Jahren hatten wir in unserem Landkreis noch drei Berufsschulklassen, heute ist es nur noch eine. Wir haben eigentlich ein Luxusproblem: Es gibt mehr Kunden, als wir bedienen können, aber zu wenige Fachkräfte. Das ist eines der größten Probleme unserer Branche.