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Credit: @mirnesstudio

29.07.2026

„Der Druck durch KundInnen steigt“

Der Druck auf FriseurInnen wächst: Perfekte Ergebnisse, weniger Zeit, täglich neue Trends! Melissa Arzt, Head of Education bei Luxury Beauty, weiß, was die Industrie liefern muss.

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Katja Ottiger im Gespräch mit Melissa Arzt, Head of Education bei Luxury Beauty

Melissa, du bist seit 21 Jahren als Trainerin tätig, seit 2020 als Head of Education bei Luxury Beauty (GOLD Haircare, ect.). Was hat sich am Weiterbildungsmarkt verändert?
Melissa Arzt:
Definitiv die Geschwindigkeit. FriseurInnen wollen schneller, sicherer und wirtschaftlicher arbeiten. Gleichzeitig steigt der Druck vonseiten der KundInnen, denn durch Social Media kommen täglich neue Trends, Begriffe und Techniken rein. KundInnen sehen perfekte Vorher-Nachher-Bilder, oft natürlich mit Filtern, und haben entsprechende Erwartungen. Hier müssen wir Lösungen liefern, die im Alltag unterstützen, umsetzbar sind und funktionieren.

Wie möchtest du die Education bei Luxury Beauty aufbauen?
MA: Education und Seminarplanung sind heute eine große Herausforderung, es ist schwieriger geworden, die Leute in die Seminare zu bekommen.
Mein Ziel ist, Seminare praxisnah zu gestalten, vor allem mit weniger Frontalunterricht. Gerade der Nachwuchs tut sich damit oft schwer. Wichtig ist dabei eine Kombination aus Präsenzseminaren, Inspiration und praktischem Arbeiten. Es geht um aktuelle Trends und schnellere Techniken, während sich Theorie kürzer halten und digital anbieten lässt.

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Education und Seminarplanung sind heute eine große Herausforderung, ...

Die Branche steht unter massivem Kosten- und Zeitdruck. Was müsst ihr bieten, damit sich die Investition für einen Salon lohnt?
MA: Klaren Mehrwert! Es braucht sofort umsetzbare Techniken, effiziente Arbeitsabläufe und Ideen, die sich direkt in den Salonalltag übertragen lassen, denn Zeitersparnis ist ein wichtiges Thema. Auch Motivation spielt eine wichtige Rolle: die TeilnehmerInnen sollen hungrig darauf sein, das Gelernte gleich auszuprobieren.

Welche Themen werden von den Salons nachgefragt?
MA: Farbtechniken, vor allem im Blondbereich. Aber auch Farbkorrekturen, allerdings immer in Verbindung mit der Frage, wie sich das effizient in den Arbeitsablauf integrieren lässt.

Welche Rolle spielt Beratungskompetenz?
MA: Wir lassen Beratungskompetenz automatisch in unsere Seminare und Salonschulungen einfließen. Wir stellen immer wieder fest, dass die Kommunikation mit den KundInnen der erste Punkt ist, an dem es hapert. Dies bemerken auch die Teams: Die Beratung entscheidet darüber, ob KundInnen begeistert sind und wiederkommen oder ob eine Reklamation vermieden werden kann. Als eigenes Seminarformat ist das allerdings kaum gefragt, nur wenige nehmen sich für reine Kommunikationstrainings Zeit. Fließt das Thema in ein praktisches Seminar mit ein, entstehen wiederum viele Aha-Momente.

Beratung entscheidet darüber, ob KundInnen begeistert ... oder ob eine Reklamation vermieden werden kann.

Ihr setzt vor allem auf individuelle In-Salon-Schulungen. Warum ist das Interesse daran so groß?
MA: Das Interesse ist tatsächlich stark gestiegen. Wir können direkt auf das jeweilige Team eingehen und erzielen häufig nachhaltigere Ergebnisse als im klassischen Seminar. Denn Arbeitsweisen sind auf dem Land zum Teil anders als in der Stadt.

Was wird erfolgreiche Education in Zukunft auszeichnen?
MA: Sie muss individuell und praxisorientiert bleiben, aber gleichzeitig digitaler werden. Wissen ist heute überall verfügbar und innerhalb von Sekunden abrufbar. Der Mehrwert von Education besteht darin, dieses Wissen richtig einzuordnen, damit der Salon damit erfolgreich arbeiten kann. Auch KI wird als intelligenter Assistent in den nächsten Jahren eine große Rolle spielen. Hier denken wir gerade weiter und erproben Ideen in Pilotsalons.

Luxury Beauty vertreibt Marken aus Schweden oder Norwegen. Wie kommt der skandinavische Vibe bei den Salons an?
MA: Super. Begriffe wie skandinavische Qualität oder skandinavisches Design wecken Interesse. Da hat sich auch die Friseurbranche in den vergangenen Jahren verändert. Früher war vielen wichtig, dass ein Produkt performt und das Haarspray hält. Heute spielen Fragen wie vegane oder tierversuchsfreie Inhaltsstoffe, Nachhaltigkeit und ökologische Verpackungen eine viel größere Rolle.

Begriffe wie skandinavische Qualität oder skandinavisches Design wecken Interesse.

Wie kann die Industrie Salons über Produkt- und Anwendungsschulungen hinaus unterstützen?
MA: Die Industrie darf nicht nur Lieferant sein. Es braucht ein partnerschaftliches Verhältnis. Dazu gehört Unterstützung durch den Außendienst bei der Preisgestaltung, der Kundenbindung, Mitarbeiterentwicklung oder bei effizienten Bestellprozessen. Auch Reporting ist wichtig: Welche Produkte werden besonders häufig bestellt und warum? Was kann man daraus machen, wo lässt sich etwas weiterentwickeln? Wenn die Salons erfolgreich sind, ist am Ende auch die Marke erfolgreich.

Was ist deine Erfahrung aus der Praxis: Woran haben die Salons derzeit am meisten zu knabbern?
MA: An den steigenden Kosten, der Wirtschaftlichkeit und dem Fachkräftemangel. Die Salons arbeiten alle ziemlich am Limit. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der KundInnen und die Dienstleistungen werden komplexer. Auch Preiserhöhungen sind ein sensibles Thema, denn wenn Salons ihre Preise anheben, stehen sie schnell unter Beschuss. Eine Saloninhaberin hat mir beispielsweise erzählt, dass sie ihre Preise momentan jeden Monat um einen Euro erhöht. So fällt die Veränderung für die KundInnen weniger stark auf.

Die Salons arbeiten alle am Limit.

Was möchtest du der Branche mit auf den Weg geben?
MA: Ich wünsche mir, dass wir neugierig bleiben und die Veränderungen nicht nur als Bedrohung sehen. Krone auf, geraderücken, weitergehen!
Und was mir besonders wichtig ist: Weiterbildung ist keine Option, sondern immer eine Investition in die Zukunft. Wir sollten uns gegenseitig inspirieren, unser Wissen teilen und gemeinsam wachsen. Wir sind eine Community.

Danke, Melissa, für deine Zeit und das Gespräch.

Über Melissa Arzt

Melissa Arzt ist seit mehr als 21 Jahren in der Friseur-Education tätig, unter anderem für TIGI. Seit 2020 verantwortet sie als Head of Education den Schulungsbereich bei Luxury Beauty. Gemeinsam mit einem Team aus sechs Freelancern betreut sie Seminare in Deutschland und Österreich – unter anderem in Karlsbad, Koblenz, Ludwigsburg und Freiburg sowie direkt in zahlreichen Salons.

Luxury Beauty wird von Sven Fritsch geführt und vertreibt vor allem skandinavische Marken. Zum Portfolio gehören GOLD Haircare, Lernberger Stafsing, Hufs, Hot Tools, Line Scissors und Simonson.

luxury-beauty.de

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