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Helga Nordermeer ist seit 2023 Education Director DACH bei L’Oréal Professionelle Produkte | Credit: L'Oréal Professionnel

13.08.2026

"Die Gen Z erwartet ein digitales, nahbares und flexibles Education-Ökosystem"

Weiterbildung ist der Motor der Salonwirtschaft, weiß L’Oréal Education Director DACH Helga Nordermeer. Sie kennt die Erwartungen der Gen Z, sieht KI als persönlichen Lernbegleiter und wünscht sich, dass die Branche den Weg zum ganzheitlichen "Digital Beauty Entrepreneur" geht.

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Katja Ottiger im Interview mit Helga Nordermeer, Education Director Austria, Switzerland & Germany, L’Oréal Professionelle Produkte, Kérastase, Shu Uemura, Redken und Color Wow

Sie sind seit drei Jahren als Educator Director für L’Oréal tätig. Was bedeutet Education im Jahr 2026? 
Helga Nordermeer: Education ist heute viel mehr als das Beherrschen einer Technik oder detailliertes Produktwissen. Sie ist ein Motor für die moderne Salonwirtschaft. Sie verbindet maßgeschneiderte Produkte, Services und Trainingstools mit Formaten, die auf unterschiedliche Lernstile, Generationen und Phasen der Friseurkarriere abgestimmt sind – von den Boomern bis zur Gen Z, von Auszubildenden und Quereinsteigern bis hin zu Filialunternehmen.

Was machen Sie als Education Director für den DACH-Raum ganz konkret? 
HN: Ich verantworte die Transformation und strategische Ausrichtung der Aus- und Weiterbildung, mit dem Hauptfokus auf folgende drei Säulen:

  1. Die Qualität und dem Wirkungsfeld unserer Trainer - interne und Freelancer -
  2. Die Förderung junger Talente, um Nachwuchs für die Branche zu sichern
  3. Die Sichtbarkeit sowie das Erlebnis von Education on- und offline.

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Weiterbildung muss heute dazu beitragen, wirtschaftlichen Erfolg nachhaltig zu sichern.

Salons müssen sparen und hinterfragen Investitionen genau. Was muss ein Seminar heute bieten, um für SaloninhaberInnen eine relevante Investition zu sein? 
HN: Es muss einen konkreten wirtschaftlichen Mehrwert bieten und messbares Salonwachstum ermöglichen, zum Beispiel durch Finanz- & Wachstums-Strategien, Impulse für mehr Profitabilität und Kundengewinnung, digitale Business-Kompetenzen und neueste Konsumententrends. Weiterbildung muss heute dazu beitragen, wirtschaftlichen Erfolg nachhaltig zu sichern.

Was sind 2026 die meistgefragten Seminare? 
HN: Besonders gefragt sind Seminare rund um unsere neuen Farbservices Halo Contouring, Hyaluron Glossing und French Blending, Angebote rund um KI-gestützte Diagnostik, ähnlich dem Care Coach von Kérastase, sowie Themen wie Social Media und digitale Exzellenz – etwa Smart Salon – zur Neukundengewinnung. Hinzu kommen Programme wie GO College und die L'Oréal Business Academy (LBA).

Wir setzen stark auf prominente ExpertInnen mit hoher Reichweite in Social Media, die für ihre Fachkompetenz und digitale Vorreiterrolle bekannt sind. Sie kennen die neuesten Trends und verstehen zu vermitteln, wie sich das Gelernte im Salon einsetzen lässt und messbar zu mehr Umsatz beitragen kann.

Lebenslanges Lernen gilt als essenzielle "Superpower".

Wie viel Weiterbildung braucht ein/e Friseurin oder ein Friseur heute, um fachlich und wirtschaftlich auf der Höhe zu bleiben? 
HN: Lebenslanges Lernen gilt als essenzielle "Superpower" im Wandel. Das erfordert einen kontinuierlichen, always-on-Lernansatz: digitale Plattformen kombiniert mit praxisnahen Intensivtrainings.

Was raten Sie SalonunternehmerInnen, die ihre Mitarbeitenden für Weiterbildung nur schwer begeistern können? 
HN: Ich würde ihnen raten, die Mitarbeitenden selbst wählen zu lassen, in welchem Bereich sie ihre Expertise stärken möchten, und ihnen Formate anzubieten, die zu ihrem Lernstil passen: verständlich, visuell und interaktiv. Unsere Marken bieten inzwischen alle Formate im Sinne von „Edutainment“ an – also Masterclasses und Events, die Lernen mit Spaß und Inspiration verbinden.

Unser Education-Portfolio entwickeln wir kontinuierlich in enger Zusammenarbeit mit unseren Markenteams weiter. Die relevantesten Mehrwerte für Friseurinnen und Friseure in allen Phasen ihrer Karriere stehen dabei stets im Mittelpunkt.

Wo sehen Sie derzeit die größten Wissenslücken im Salonalltag? 
HN: Weniger in der rein handwerklichen Technik, dafür häufiger in den Bereichen digitaler Auftritt und Social Media als Hebel für Personal Branding, Finanz- und Wachstumsstrategien sowie professionelles Teammanagement. Hinzu kommt die Klarheit in der Kommunikation: Wie überzeugend gelingt es dem Team, seine ‚Pro-Differenz‘ und den echten Profi-Vorteil gegenüber den Kundinnen und Kunden auf den Punkt zu bringen?

Was können digitale Lernplattformen besonders gut und wo bleibt das Präsenzseminar unverzichtbar?
HN: Digitales Lernen, z. B. L'Oréal Access oder unsere Webinare, eignet sich perfekt für Grundlagentrainings und globale Inspiration, wie z.B. TechTalk. Gleichzeitig ermöglicht es flexibles, mobiles Lernen auf Abruf.
Präsenzseminare – ob in Akademien, an Trainingsstützpunkten oder als In-Salon-Training – sind dagegen unverzichtbar für intensive Hands-on-Trainings und manuelle Präzision. Vor allem bei Farbtechniken, Services und Farbwissen bleibt das Lernen vor Ort unersetzlich.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz künftig in der Aus- und Weiterbildung? 
HN: KI wird eine zentrale Rolle spielen. Sie ermöglicht es, Daten gezielt zu nutzen und in naher Zukunft auf fach- oder berufstechnische Fragen 24/7 Antworten zu bekommen. Außerdem kann sie dabei helfen, Beratungsgespräche zu intensivieren und zu personalisieren sowie High-Tech mit menschlicher Empathie zu verknüpfen.
KI wird auch in der Friseurbranche rasant an Einfluss gewinnen. Was in fünf Jahren alles möglich sein wird, können wir uns heute nur teilweise vorstellen.

Was erwarten junge Menschen heute von einer zeitgemäßen Friseurausbildung? Gibt es Generationenunterschiede bei den Anforderungen an Weiterbildung?
HN: Die Gen Z erwartet ein digitales, nahbares und flexibles Ökosystem: „snackable, visual, interactive and deeply inspiring“. Auch in der praktischen Arbeit im Salon im Salon wünschen sie sich viel Anerkennung und die Möglichkeit, möglichst schnell sinnvolle Aufgaben zu übernehmen.

Unser digitaler Karriere-Beschleuniger GO College wird bereits von knapp 100 Salons in Deutschland erfolgreich genutzt, genutzt, um sowohl Auszubildende als auch Quereinsteiger motivierend und gewinnbringend zu schulen.

Viele Salons wollen oder können nicht mehr ausbilden, weil ihnen im Alltag die Zeit dafür fehlt.

Welche Ausrede gegen Weiterbildung hören Sie besonders oft? 
HN: Häufig hören wir, dass klassische Trainings zu starr, zeitlich unpassend oder regional nicht ausreichend verfügbar sind. Gleichzeitig erleben wir, dass viele Auszubildende bereits im ersten Lehrjahr abbrechen. Viele Salons wollen oder können nicht mehr ausbilden, weil ihnen im Alltag die Zeit dafür fehlt.

Hier setzt L’Oréal auf hybride und On-Demand-Lösungen über L'Oréal Access oder GO-College. Letzteres richtet sich speziell an Auszubildende und QuereinsteigerInnen. Gleichzeitig braucht es neue Live-Formate, die attraktiv, anders und „community-driven“ sind.

Was würden Sie im Friseurhandwerk gern sofort verändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten? 
HN: Ich würde mir wünschen, dass die Branche konsequent den Schritt vom reinen Handwerk zum ganzheitlichen ,Digital Beauty Entrepreneur‘ geht. Dabei verschmilzt exzellente Handwerkskunst nahtlos mit Technologie, Nachhaltigkeit, Businessplanung und einer klaren Kommunikations-Strategie on- und offline.

Vielen Dank für Ihre Zeit, liebe Helga, und den optimistischen Blick auf die Zukunft von Education und Friseurhandwerk!

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