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17.03.2026

"So kann Salon-Übergabe funktionieren..."

Schon sehr früh mit Nachfolgefrage beschäftigen (15 Jahre), realistische und finanzierbare Salonwertermittlung, offene Gespräche und Chef-Mitarbeiter-Ding ein Stück weit aufweichen, um Offenheit zu schaffen... Cyrus Wachs über Details, wie WWZ Friseure nach 33 Jahren erfolgreich die Übergabe managt.

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Im Frankfurter Westend leisten Friseurmeister Cajus und Cyrus Wachs sowie Franck Zians seit 1993 ihren eigenen Beitrag zum Thema ‚Nachhaltigkeit‘ in ihrem AVEDA Premiumsalon.
Jetzt wird es Zeit für die Übergabe an die nächste Generation. Wie geht man das an, was ist zu beachten und wie stellt man sich aufs Neue ein, dazu gibt uns Mitinhaber Cyrus Wachs Antworten.

Raphaela Kirschnick im Gespräch mit Cyrus Wachs, Geschäftsführer bei WWZ, AVEDA Premiumsalon im Frankfurter Westend.

Wer seid ihr als Salon – in einem Satz?
Cyrus Wachs:
Sassoons Gerald Battlewelsh hat mir sehr früh etwas mitgegeben, dass ich nie vergessen habe: Qualität, Professionalität und Kreativität in allen Bereichen. Darauf lag von Beginn an unser Fokus, ohne viel Schnickschnack, auf das Wesentliche reduziert.

Sie sind seit über 30 Jahren erfolgreicher Salonunternehmer im Frankfurter Westend. Was ist ihr Erfolgsrezept?
CW:
Eine unglaublich konstante Konsequenz. Wir haben einen Standort gewählt, wo das Umfeld zu dem passt, was wir tun. Mein Bruder und ich sind eingefleischte Sassooner, und haben das mit unserer persönlichen Note gefüllt und durchgezogen. 
Vieles kam dann wie von selbst: Die Leute haben uns wahrgenommen. Ich hatte durch meine Zeit als Artdirector bei Sassoon natürlich Kontakte, wir hatten Presse – aber wir haben auch einfach wahnsinnig viel gearbeitet.

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Franck Zians, Cyrus Wachs, Cajus Wachs

WWZ Friseure

Wie viele Mitarbeitende und Auszubildende sind aktuell im Salon beschäftigt?
CW:
Im Moment sind wir 14 Friseure, davon 4 Farbspezialisten und 10 Haarschneider. Dazu haben wir 1 Assistentin, die ihre Lehre abgeschlossen hat und nun zur Friseurin weiter aufgebaut wird. Dazu kommen 7 Auszubildende, im Herbst werden es sogar 10 sein. An der Rezeption arbeiten 3,5 Mitarbeiterinnen, die sich die Tage aufteilen. Mit uns sind es insgesamt knapp 30 Personen.

3,5 Mitarbeiterinnen an der Rezeption, das rechnet sich?
CW:
Das ist natürlich Luxus, Wir wollen jedoch nie zu wenig Leute sein, denn es macht allen alles leichter. Eine gute Atmosphäre entsteht auch dadurch, dass der Arbeitsalltag nicht so eng gestrickt ist.

Was sind die Kernaufgaben der Rezeptionistinnen?
CW:
Wir haben unsere Chefrezeptionistin, die gleichzeitig unsere Salonmanagerin ist und vieles organisiert. Eine kümmert sich um Bestellungen und das ist in so einem großen Salon einiges. Eine andere kümmert sich um den Schriftverkehr, Urlaubsplanung und Mitarbeitereinteilung.
Sie sind morgens etwa eine dreiviertel Stunde vor Öffnung da und machen abends den Kassenabschluss. Sie nehmen uns im Grunde alles Bürokratische ab.

Sie betonen oft Ihren Qualitätsanspruch, den Arbeitsethos und die tägliche Bestleistung. Wie wird das zu einer gelebten Kultur im Team?
CW:
Natürlich gibt es bei uns auch unterschiedliche „Qualität“: Jüngere, Erfahrenere, sehr erfolgreiche und weniger erfolgreiche. Aber die Basis ist unsere Ausbildung, und darauf legen wir sehr viel Wert. Wir lassen niemanden auf Kunden los, bevor nicht ein gewisser Standard erreicht ist.
Auch später, wenn jemand schon als Stylist arbeitet, schauen wir hin und geben Feedback. Für uns ist das Wichtigste fünf Tage die Woche präsent zu sein .

Sie arbeiten seit Anbeginn mit Aveda zusammen. Welche Rolle spielt für Sie ein Industriepartner für das, was Ihnen im Salon wichtig ist?
CW:
Wir arbeiten seit 33 Jahren mit Aveda und an die Produkte kommt bis heute niemand ran, sonst hätten wir längst gewechselt. Sie passen zu unserem Stil und unseren gehobenen Ansprüchen.

Für mich persönlich ist die Übergabe meiner Anteile auch sinnvolle Altersvorsorge.

Seit 33 Jahren – und jetzt kommt die Nachfolge als nächste große Etappe. Wann war für Sie klar, dass das aktiv geplant werden muss?
CW:
Wir hatten immer im Auge, dass wir den Salon weitergeben und nicht irgendwann schließen wollen. Deshalb haben wir bereits vor 15 Jahren begonnen uns Gedanken zu machen. Im ersten Schritt sprachen wir immer wieder mit potentiellen Mitarbeitenden, um zu sehen, ob jemand eine Partnerschaft eingehen will. Zusätzlich gab es die Familienoption der nächsten Generation. Für mich persönlich ist die Übergabe meiner Anteile auch sinnvolle Altersvorsorge.

Und wie ist die Übergabe nun geplant?
CW:
Carolina Wachs, die Tochter meines Bruders, und eine Mitarbeiterin Lillian Preis sind bereits mit kleinen Anteilen eingestiegen.

Wie lange sind sie bereits im Team?
CW:
Carolina arbeitet seit sechs Jahren bei uns. Es war schnell klar, dass sie in die Selbstständigkeit möchte und so schlug sie eine frühere Kollegin vor, die gut zu uns passen sollte. So kam Lillian zu uns. Nachdem sich beide eingearbeitet haben und verstanden haben, wie alles funktioniert, wurde konkret über die Nachfolge gesprochen.

Man kann sich viel wünschen, aber es muss realistisch und finanzierbar sein.

Wie nähert man sich diesem Prozess?
CW:
Man bespricht erstmal Vorstellungen und Voraussetzungen. Dann haben wir den Salon extern bewerten lassen. Man kann sich viel wünschen, aber es muss realistisch und finanzierbar sein. Das Schöne, wir haben uns geeinigt.

Wie werden die Damen nun in die Nachfolge eingebunden?
CW:
Beide haben bereits jeweils 10 % Anteile erworben. Carolina hat 10 % von meinem Bruder übernommen; Lillian 5 % von mir und 5 % von Frank Zians. Wie es weitergeht, hängt davon ab, wie lange wir noch arbeiten. Mein Bruder ist der Älteste und hat dieses Jahr auf 4 Tage-Woche reduziert. Vielleicht übernimmt seine Tochter seine Anteile relativ bald, und er arbeitet dann als freier Mitarbeiter weiter. Es gibt verschiedene Modelle, die wir alle abwägen.

Haben Sie sich denn eine Altersfrist gelegt?
CW:
Das offizielle Rentenalter wäre 67, das ist ein Richtwert. Wenn jemand länger arbeiten will, muss man das aber auch regeln können. Wir werden jetzt nach und nach weitere Anteile abgeben.

Wie ist die konkrete Anteilsverteilung aktuell?
CW:
  28 / 28 / 24 / 10 / 10! In den nächsten drei Jahren wird sich das sukzessive ändern. Mein Bruder und ich werden sicher nicht komplett aufhören, aber vielleicht unter anderen Voraussetzungen arbeiten. Der Sohn von Frank ist noch in der Findungsphase. Er hat über zehn Jahre bei Sassoon gearbeitet, als Dritter könnte das sehr stimmig sein.

Zu dritt Entscheidungen zu treffen, klingt herausfordernd. Habt ihr über 30 Jahre eine gemeinsame Schiene gefunden, dass das gut klappt?
CW:
Zu dritt ist es natürlich schwieriger als alleine. Aber wir haben untereinander eine Kultur entwickelt: Wir sprechen alles direkt an, haben manchmal große Diskussionen. Aber wir wissen, und das ist entscheidend: Es geht um die Sache.
Wenn es mal eine Entscheidung gibt, bei der zwei gegen einen stehen, sagen wir: „Okay, wenn ihr zwei das so seht, machen wir es.“

Vertraglich ist festgelegt, dass Entscheidungen gemeinsam getroffen werden.

Und wie wird es mit den beiden neuen Partnerinnen sein?
CW:
Vertraglich ist festgelegt, dass Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Wir versuchen trotz verschiedener Sichtweisen, stets eine Lösung zu finden. Einfach ist das nicht immer, aber es funktioniert.

Was war der schwierigste Teil im Prozess?
CW:
Die finanzielle Seite sauber vorzubereiten, um dann eine Voraussetzung zu definieren, die man den anderen vorlegen kann: „Das ist unser Rahmen, bist du bereit, das zu machen?“ Das hat gedauert.

Gab oder gibt es im Nachfolgeprozess besondere Herausforderungen?
CW:
Für die beiden Frauen war der Schritt von „Kollegin zur Chefin“ natürlich eine Umstellung, das braucht Zeit.

Spürt man das plötzlich Weibliche in der Spitze?
CW:
Dass Frauen in Verantwortung sind, das tut uns Männern gut. Vor allem beim Personal und zu Mitarbeiterthemen bringt das eine andere, positive Perspektive.

Woran macht sich das bemerkbar?
CW:
Die Atmosphäre im Salon ist leichter, lockerer geworden. Es tut gut, dass jetzt andere draufschauen und dass wir nicht mehr so viel kontrollieren. Ich bin entspannter, weil ich Dinge abgebe. Jetzt sollen sie eigene Erfahrung sammeln.

Was sehen Sie in der jüngeren Generation? Gibt es Dinge, bei denen Sie erst lernen müssen, damit umzugehen?
CW:
Es gibt sicher dieses Generationending. Wir, mein Bruder, Frank und ich, kommen aus einer Zeit, in der wir sehr viel gearbeitet haben. Sicher mehr, als die jetzige Generation das will. Sie haben andere Ansprüche an ihr Leben, und das ist auch gut so. Es muss nicht so sein wie früher.

Gibt es ein wenig Angst vorm Neuen?
CW:
Ich wünsche mir, dass es erfolgreich weitergeht. Sie werden es auf ihre Art machen. Aber solange ich da bin, würde ich es gern so belassen, wie es ist. Natürlich gibt es den Wunsch zum Beispiel nach Weihnachtsdeko. Da sagen wir: Wir haben einen Stil – wir können ihn etwas aufweichen, aber „ein bisschen hier und ein bisschen da“ geht nicht. Das ist wieder diese Konsequenz.

Was soll die nächste Generation besser machen als die ihre?
CW:
Ich hoffe, dass sie eine gewisse Lockerheit behalten, die bei uns manchmal nicht da war, weil wir zu verbissen waren.

WWZ Salon im Frankfurter Westend | Credit: WWZ

Gibt es Pläne, den Salon umzubenennen?
CW:
Nein. Wir haben vor zwei Jahren unseren gesamten Auftritt verändert. Unser Geschäft heißt offiziell weiterhin Wachs, Wachs & Zians Friseure – so sind wir auch in der Handwerksrolle eingetragen. Aber nach außen firmieren wir jetzt als WWZ.

Wie teilen sie die Rollen intern auf?
CW:
Mein Bruder Cajus ist für Zahlen und das Geschäftliche zuständig. Frank Zians für Ausbildung und ich für Produkte und Öffentlichkeitsarbeit.

Und die neuen Partnerinnen?
CW:
Derzeit schauen beide in alle Bereiche rein, um zu verstehen, worum es geht. Aber natürlich gibt es bereits Tendenzen: Carolina unterstützt meinen Bruder stark bei Zahlen, Organisation und Personal. Lilian unterstützt Frank mehr in der Ausbildung und mich, um unseren Auftritt in Social Media künftig besser zu machen.

Wenn man etwas zusammen macht, dann muss man es auch so leben.

Was war rechtlich notwendig?
CW
: Für uns war das relativ einfach. Wir sind seit 33 Jahren eine GbR. Nach Rücksprache mit dem Steuerberater haben wir beschlossen bei der GbR zu bleiben.
Wir hatten einen Vertrag zu dritt, den haben wir überarbeiten lassen und erweitert. Es ist nichts grundsätzlich Neues, nur zwei Namen sind dazugekommen.
Wir arbeiten generell sehr vertrauensbasiert: Bei uns kann jeder kassieren, nichts ist abgeschlossen, Produkte und Lager sind offen. So gehen wir auch mit neuen Partnern um: Wenn man etwas zusammen macht, dann muss man es auch so leben.

Wie ist die Gewinnausschüttung geregelt?
CW:
Es gibt eine Tätigkeitsvergütung und darüber hinaus wird der Gewinn anteilig nach Gesellschaftsanteilen verteilt. Wenn mein Bruder einen Tag weniger arbeitet, ist seine Tätigkeitsvergütung entsprechend etwa 20 % reduziert.

Wenn Sie nach vorne schauen – in fünf bis zehn Jahren: Woran würden Sie festmachen, dass die Übergabe gelungen ist?
CW:
Wenn ich sehe, dass der Laden schön aussieht, dass er nach wie vor erfolgreich ist und dass vielleicht noch etwas von dem drin ist, wie wir angefangen haben. Das würde ich mir wünschen.

Sich rechtzeitig mit der Nachfolgefrage beschäftigen!...

Welchen Rat geben Sie Unternehmern, die die Nachfolge vor sich herschieben oder nicht wissen, was zu tun ist?
CW:
Sich rechtzeitig mit der Nachfolgefrage beschäftigen! Ich beobachte, dass viele sich viel zu lange Zeit lassen, wie gesagt wir haben bereits vor 15 Jahren darüber nachgedacht. Auch bei uns dachte man lange: „Die Kinder sind da, das läuft schon.“ Das war dann nicht so – mein Neffe hat sich in Hamburg selbständig gemacht und wollte nicht einsteigen.

…dieses Chef-Mitarbeiter-Ding ein Stück weit aufweichen.

Wie bezieht man Mitarbeitende ein?
CW:
Man muss mit Mitarbeitenden sehr offen sein, sie nah an sich heranlassen und Vertrauen aufbauen. Aber nicht unbedingt sofort sagen „Du kannst Partner werden“, sondern Offenheit schaffen – dieses Chef-Mitarbeiter-Ding ein Stück weit aufweichen.

Was sind die häufigsten Hürden?
CW:
Die meisten scheuen die Verantwortung, das ist auch nachvollziehbar.

Wie könnte man junge Menschen dennoch abholen?
CW:
Es ist nicht leicht, sich von null selbständig zu machen – gerade mit den Kosten in einer Großstadt. Da hilft es offen zu sein, Angebote zu machen und Perspektiven aufzuzeigen. Als Inhaber musst du dich öffnen, wenn es konkret wird. Dann muss man auch Verdienste und Zahlen offenlegen. Das ist ein Vertrauensprozess.

Herr Wachs, danke für das interessante Gespräch und ihre Einblicke in die Nachfolgeregelung. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für einen sanften und erfolgreichen Übergang.

www.wwz.salon

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