Ab 1. März hast du einen Salon gefunden, in dem du deine Ausbildung startest.
TM: Ja, ich freue mich schon sehr darauf, bei FON Friseur noch mehr zu lernen.
Frau Woltereck, sie greifen als Salonunternehmerin (FON Friseur) auf Absolventen des Programms zurück. Was begeistert sie?
Claudia Woltereck: Die Initiative von Schwarzkopf finde ich sehr stark, denn am Ende des Tages arbeiten wir alle zusammen und müssen uns gemeinsam den Herausforderungen stellen. Ich finde, mit diesem Programm entsteht eine wertvolle Verzahnung zwischen Friseurbetrieben, Schulen und Industrie und weiteren relevanten Akteuren.
Am 1. März beginnt nun Tamara bei Fon-Friseure. Wie gehen Sie die Ausbildung an?
CW: Ich nehme zwei Teilnehmende aus dem Shaping Futures Projekt auf. Eine besucht die Berufsschule, wobei die Rahmenbedingungen bereits abgestimmt wurden. Die Schule bietet spezielle Klassen für SchülerInnen, für die die deutsche Sprache noch eine Herausforderung ist. Die andere steigt dank ihrer Vorerfahrung direkt in den Beruf ein.
Tamana, ich finde, dein Deutsch ist bereits sehr gut. Wie lange bist du schon in Deutschland?
TM: Ich bin vor dreieinhalb Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen.
Und sie haben dann damit begonnen, die Sprache zu lernen?
TM: Ja. Meine Muttersprache ist Farsi und seither lerne ich deutsch.
Kompliment, ich bin beeindruckt.
„Friseurdienstleistung ist ein Zusammenspiel von Gespräch und Qualität…“
Sprache ist im Friseursalon essenziell. Wird das mit Kund*innen thematisiert?
CW: Ja, wir sind ja ein Kommunikationsgeschäft, Friseurdienstleistung ist ein Zusammenspiel von Gespräch und Qualität, die optimalerweise zusammenspielt. Wir haben viel Erfahrung mit der Integration von ausgebildeten Friseuren aus anderen Ländern. Meistens starten sie als Assistenzen, bis sich ihre Deutschkenntnisse verbessern und sie die Kunden auch eigenständig beraten und bedienen können. Als Auszubildende hat Tamana Zeit, sich erst einzufinden und im Background zu arbeiten und ihr Deutsch zu verbessern.
Sie sagen, Sie haben schon viel Integrationsarbeit geleistet. Auf welche Herausforderungen muss man sich vorbereiten?
CW: Man muss sich bewusst sein, dass Sprache oft eine Herausforderung ist und kulturelle Unterschiede eine Rolle spielen. Nicht alle Unterschiede lassen sich einfach auflösen, aber wenn beide Seiten bereit sind, Spannungen zu überwinden, kann Integration gelingen.
Wie spricht man über solche Unterschiede?
CW: Ich habe Mitarbeitende aus den unterschiedlichsten Ländern und Glaubensrichtungen - ehrlich gesagt, denke ich darüber gar nicht viel nach. Entscheidend ist nicht Religion oder Herkunft, sondern das gemeinsame Ziel eine gute Qualität und eine professionelle Dienstleistung anzubieten
Was wären konkret Wünsche an die Politik?
CW: Die Politiker sehen oft das Big Picture, aber nicht die Details, wir haben das beim Zukunftskongress gesehen. Wir Friseure leisten eine unglaubliche Integrationsleistung, immerhin haben fast 30% der Beschäftigten im Friseurhandwerk Migrationshintergrund (►Friseurmarkt Deutschland in Zahlen). Ich wünsche mir eine zusätzliche und zielgerichtete Unterstützung vom Staat, zum Beispiel bei der Sprachförderung.
Neben starren behördlichen Strukturen und viel zu viel Bürokratie behindert ein sehr starkes Gesetzeskorsett flexible und zukunftsgerichtete Ideen. Es wäre wünschenswert, mehr Unterstützung und Augenmerk auf kleinere Betriebe zu legen und Strukturen zu vereinfachen und zu erleichtern. Auch beim Arbeitsrecht stoßen wir immer wieder an unsere Grenzen.
Darunter leiden viele Unternehmen. Welche Starre beobachten sie im Bereich Integration?
CW: Viele Migrantinnen und Migranten, aber auch die Unternehmer, bekommen viele Steine in den Weg gelegt und geben auf. Jobs4Refugees hat da den Weg geebnet und Transparenz geschaffen. Die vielfachen Integrationsinitiativen sind häufig nicht transparent.
Tamana, was sind denn deine Wünsche an die Zukunft im Beruf.
TM: Mein Wunsch ist in Zukunft meinen eigenen Salon zu eröffnen