Gieseke Geschäftsführer Hendrik Rumpfkeil im Gespräch mit Raphaela Kirschnick
Im Großhandelsmarkt gab es in diesem Jahr aufgrund von Insolvenzen und Schließungen eine turbulente Entwicklung. Welche Auswirkungen hat das auf das Gieseke Geschäft?
Hendrik Rumpfkeil: Es hat keine direkten Auswirkungen auf unser Geschäft, das ist auch nicht unsere Philosophie. Ich schaue nicht auf die Schwächen der anderen, sondern schaue auf meine eigenen und versuche diese zu beseitigen. Ich habe so manche Schadenfreude erlebt, das geht an mir komplett vorbei. Wenn Unternehmen, wie die fpe oder Frigon, die so lange am Markt bestanden, schließen, dann finde ich das sehr schade. Wir sollten darauf schauen, was die Gründe sind, weshalb es diese Unternehmen nicht weitergibt.
Welche Gründe sehen Sie?
HR: Der Markt ist härter geworden.
„Für mich sind es Warnsignale, wenn ich sehe,
dass es dem Gesamtmarkt nicht gut geht.“
Spüren Sie Unsicherheit im Markt?
HR: Definitiv! Das sieht man ja bereits, wenn man sich die Marktentwicklung ansieht. Wir haben einen extrem starken Rückgang der Mitarbeitenden im Friseurmarkt, hinzu kommt eine starke Zunahme der Einzelunternehmen vor allem unter der Steuerfreigrenze. Das belastet den Markt enorm. Für mich sind es Warnsignale, wenn ich sehe, dass es dem Gesamtmarkt nicht gut geht.
Was braucht der Friseurmarkt aus ihrer Sicht dringender denn je?
HR: Zwei Dinge: Nachwuchs und faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen! Zum einen brauchen wir vernünftige, gute und zuverlässige Auszubildende. Zum Zweiten belasten steuerliche Gesetzgebungen, bürokratische Auflagen das Handwerk massiv. Wir sind ein großer Anteil im Gesamthandwerk, schaffen es aber leider nicht, eine Stimme zu haben. Die Politik meint es mit den Steuerfreigrenzen ja gut, aber sie erkennt leider nicht die Problematik, die sie in unserer Branche auslösen. Die Mitte wird angegriffen. All jene, die ausbilden und Mitarbeiter beschäftigen, leiden am meisten darunter. In puncto Preisgestaltung sind diese kaum noch wettbewerbsfähig.
Was wird und kann Gieseke dazu beitragen?
HR: Relativ wenig! Ich würde jetzt gerne der Hero der Branche sein, aber das schaffen auch wir nicht. Wir werden den Friseur weiterhin unterstützen, um Auswirkungen der Rahmenbedingungen zu lindern. Aber das Nachwuchsthema wird auch künftig schwierig zu lösen sein, zumal wir es nicht beeinflussen können.
Welche Entwicklungen im Markt bewerten Sie positiv?
HR: Ich finde es schön zu sehen, dass selbstbewusste Friseure mit vernünftigen Konzepten es schaffen, völlig neue Preisstrategien durchzusetzen und dabei eine hohe Auslastung fahren. Es gibt viele fachlich tolle Friseure, die gar keine Probleme haben. Das ist für mich das positive Zeichen im Markt.
Als Scout für Friseure sind Sie immer auf der Suche nach innovativen Marken/ Produkten. Mal wieder etwas Neues entdeckt?
HR: Ja, ich bin in diesem Jahr mit einer neuen Herrenserie aus den USA zurückgekehrt. Letzten Monat wurde die Marke 18.21 eingeführt.
Eine Barbermarke aus den USA. Wie entwickelt sich der US Barbermarkt ?
HR: Es ist interessant, wie komplett anders sich der amerikanische Barbermarkt verhält, als er es in Deutschland tut. Dort geht der Trend hin zu sehr hochwertigen Barberkonzepten, sehr exklusiven Shops. Barber treten mit einem enormen Selbstbewusstsein auf. Ich würde mich freuen, wenn auch diese Entwicklung aus Amerika hier herüberkommt.
Wofür steht 18.21?
HR: Kleiner Fun-Fact: 18.21 ist auf die Prohibitionszeit zurückzuführen. Der 18. Verfassungszusatz hat die Prohibition eingeläutet, der 21te hat diese wieder aufgehoben. Und deswegen heißt die Marke 18.21. Es gibt ungefähr 35 Produkte, die im oberen, mittleren Preissegment angesiedelt sind.
„Wir wollen die Kunden stärken, wo wir eine Zukunft sehen …“
Was ist mit den günstigeren Barbershops? Sind auch diese interessant?
HR: Wir haben einen relativ großen Kostenfaktor, da wir Wert auf Schulung und Backoffice legen. Billigprodukte an günstige Unternehmen abzugeben, ist, Stand heute, für die Firma Gieseke kein Erfolgsrezept. Wir wollen die Kunden stärken, wo wir eine Zukunft sehen, und die ist qualitativ hochwertig. Gerade im Barberbereich sehe ich noch großes Potenzial für Gieseke.
Gab es andere Trends in den USA, die sie interessant für Europa finden?
HR: Es gibt da einen Trend, den der Friseur-Factory, der aber glücklicherweise kein Thema in Europa ist. Investoren kaufen alte Lagerhallen, bauen da kleine Ein-Mann-Kabinen rein, so 50 bis 60, mit vorgelagertem Shop und da arbeiten dann Friseure auf selbstständiger Basis in den einzelnen Kabinen. Das führt zu einer Diversifizierung des Marktes, worunter auch Qualität leidet. Das stelle ich mir nicht unter einer qualifizierten Friseurdienstleistung vor.