Im Gespräch mit Katriina Janhunen
imSalon: Wenn du nicht in deinem Laden im Harz stehst, bist du als „The Historical Barber“ auf Mittelalter-Märkten und Fantasy-Festivals unterwegs – erzähl mal!
Ulrich Junga: Ich habe auf Mittelalter-Märkten Seifen verkauft und mich selbst seit gut 20 Jahren mit dem Messer rasiert. Immer wieder kamen Nachfragen „Kannst du mich auch mal rasieren?“ – also habe ich mich informiert, was ich machen darf.
Beim Gewerbeamt hat man mir gesagt, eine historische Messerrasur wäre kein Gewerbe, das ich eintragen kann, sondern eine „Darstellung“. Also habe ich den Verkauf von Seifen auf Rasiermesser erweitert und ein Gewerbe angemeldet. Fast 10 Jahre hatte ich einen Laden als Barbier in einem Wildwest-Freizeitpark und jetzt meinen eigenen in einer alten Fleischerei im Harz. Bei den Festivals bin ich in ganz Deutschland unterwegs.
Wie hast du das Rasieren gelernt?
Den Großteil meines Wissens habe ich aus alten Friseurbüchern, die ich in Antiquitätenläden finde. Alte Kataloge aus den Staaten, zum Teil mit alten Rezepturen drinnen, ein bisschen Goldstaub eben. Wenn man das liebt, legt man den Beruf am Abend nicht einfach ab.
Ich bin sehr tief in dem Thema drin und habe mir immer mehr historisches Wissen angeeignet. Meine Tapete ist Original aus 1900 und meine Rasiertassen aus Amerika – alles soll so sein wie damals. Ich arbeite wie im 19.Jahrhundert mit manuellen Handclippern und habe die alten Seifenrezepturen selbst ausprobiert. Ich würde auch gerne Friseure und Barbiere zu dem Thema Messerrasur und Bartpflege schulen und dieses alte Wissen weitergeben.