Im Gespräch mit Birgit Senger
Wie siehst du Co-Working-Spaces für die Friseurbranche?
Patricia Piatke: Co-Working-Spaces für Friseure, das klingt für viele noch sehr ungewöhnlich. Vor 10 Jahren, als ich damit anfing Arbeitsplätze im Salon zu vermieten, gab es das Wort Co-Working-Space noch gar nicht. Auch heute denken viele dabei eher an Menschen, die in irgendeinem Office einen Schreibtisch mieten.Für mich war es ein Befreiungsschlag, mich so in der Branche aufzustellen.
"Ich bin davon überzeugt, dass der Friseurberuf durch Stuhlmiete attraktiver, zeitgemäßer und zugänglicher wird."
Warum ist es Dir eine Herzensangelegenheit, über deine Erfahrungen zu sprechen?
PP: Ich hoffe, mit meiner Geschichte etwas zu verändern. Ich bin davon überzeugt, dass der Friseurberuf durch Stuhlmiete attraktiver, zeitgemäßer und zugänglicher wird. Ich will den Beruf geiler machen. Es ist mir eine Herzensangelegenheit darüber zu sprechen, da ich mich in der Friseurbranche nie richtig zu Hause gefühlt habe. Ich war bisher in der Branche nie so vernetzt, bin nicht zu irgendwelchen Events oder Shows gegangen. Ich hab jahrelang alleine für mich rumgemacht, weil ich nicht so recht reingepasst habe, jetzt hab ich die Kapazität, das Standing und Bock politischer zu werden. Die Branche hat ein Problem und ganz ehrlich, wen wundert's? Im internationalen Vergleich läufts super für freelance Hairstylisten, das könnte doch hier auch mal langsam ins Rollen kommen.
Woran lag es, dass du dich in der Friseurbranche nie richtig zu Hause gefühlt hast?
PP: Auf Englisch würde ich sagen "these are not my people“, es hat sich nie wie meine Gleichgesinnten angefühlt. Wenn ich irgendwo gefragt wurde, was ich beruflich mache, haben die Leute mit „Ach das sieht man dir aber gar nicht an.“ reagiert. Ich hatte immer meinen eigenen Style und hab mein Ding gemacht. In den letzten 15 Jahren bin ich hauptberuflich als freiberufliche Hair- und Make-up-Artist und Fotografin viel für die Medienbranche auf der ganzen Welt unterwegs gewesen. Als Friseurin freiberuflich zu arbeiten, ist in Deutschland noch unüblich. Mein Konzept des kompletten Stuhlmietersalons "Co-Work Salon" ist meine Vision den Beruf attraktiver zu machen.
"Ich finde es gut, wenn man es sich als Friseur*in erlaubt, weniger zu arbeiten. Aber natürlich muss man in der wenigen Zeit auch gut verdienen."
Der Friseurberuf als Fulltimejob war für dich noch nie eine Option?
PP: Ich finde es gut, wenn man es sich als Friseur*in erlaubt weniger zu arbeiten. Aber natürlich muss man in der wenigen Zeit auch gut verdienen. Es ist, gerade wenn man ihn über viele Jahre macht, ein krass anstrengender Job, der einem so unfassbar viel abverlangt. Man verausgabt sich in dem Beruf auf so vielen Ebenen, ob psychologisch, handwerklich etc.
"Für mich war mein Ursprungsberuf immer der Friseurberuf, den ich liebe und nie aufgeben wollte."
Dein Konzept gibt Friseur*innen die Möglichkeit frei, selbständig, flexibel zu arbeiten und damit gutes Geld zu verdienen?
PP: Ich bin schon recht früh, mit Anfang zwanzig durchgestartet und hab hoch und runter alles gemacht, von Fotoshootings, Events, Werbespots, Fashion Weeks und alles, was man sich so vorstellen kann. Für mich war mein Ursprungsberuf immer der Friseurberuf, den ich liebe und nie aufgeben wollte. Also stellte sich die Frage, wie ich das alles unter einen Hut bekomme. Niemand hätte gern eine Teilzeitangestellte, die kommt und geht, wann sie will, das mit ihren Kunden selbst klärt und manchmal spontan eine Woche in einer Produktion verschwindet und dann gar nicht im Salon ist. Also musste der eigene kleine Salon her, in dem ich flexibel arbeiten konnte und nicht 9-5 vor Ort sein musste. Wenn ich einen Kundentermin hatte, war ich da und wenn ich eine Woche auf der Fashion Week unterwegs war, hab ich mich gefreut, mich wieder in den Salon hinter den Stuhl zu klemmen und meine Kund*innen zu bedienen, die „down to earth“ sind und nicht so abgehoben, wie in der Fashionbranche. Irgendwann fand ich es dann aber auch schade, dass mein schöner kleiner Salon, während ich unterwegs war, so gar nicht genutzt wurde. Vielleicht gibt es ja noch andere Friseur*innen, die mehrgleisig aufgestellt sind und für 2-3 Tage den Salon nutzen wollen wie ich. So entstand die Idee für mein neues Salonkonzept, was Kollegen die Möglichkeit gibt frei und selbständig zu arbeiten.