Welche war Ihre wichtigste Entscheidung in diesem Zusammenhang?
RS: Die Luftreiniger! Eine investitionsreiche, aber lohnende Maßnahme. Im gesamten Salon und in den Sanitärräumen haben wir hochwertige HEPA 14 Luftfilter zur 99 % -igen Ausscheidung von virenbelasteten Aerosolen installieren lassen. Wir können die Luft bis zu 9mal in der Stunde filtern, und übertreffen damit wissenschaftliche Empfehlungen. Unsere Hygieneabläufe haben wir von einer Fachkraft für Arbeitssicherheit prüfen lassen und sind konsequent. Seit März werden unsere Mitarbeiter zweimal wöchentlich getestet, was diese zu 100 Prozent mittragen. Und wir haben die „Luca -App“ eingeführt, auch ein kluges Tool, die Pandemie in den Griff zu bekommen.
Ihre Mitarbeiter werden in Ihrem Salon getestet?!
SR: Richtig! Unsere Mitarbeiter sind geschult, Antigentests auf SARS-CoV-2 vorzunehmen und können sich gegenseitig testen. Wissen Sie, ich habe mich immer an Österreich orientiert. Als dort Anfang Februar die Testpflicht eingeführt wurde, war mir klar, dass diese auch bei uns kommen könnte.
Wo haben Sie Ihre Mitarbeiter schulen lassen?
RS: Die Bürokratie hatte mir einige Hürden in den Weg gelegt. Anfangs habe ich niemanden finden können, der uns hätte schulen können und an Schnelltests bin ich nicht herangekommen, weil dies nur für medizinisches Personal vorgesehen waren.
„Das Virus wütet und wartet nicht auf Verordnungen.“
Wie haben Sie das gelöst?
SR: Ich bin pragmatisch: Das Virus wütet und wartet nicht auf Verordnungen. Ich habe beim DRK in Tübingen anrufen und eine Schulung für meine Mitarbeiter vereinbart. Vom DRK bekam ich auch die ersten 200 Tests.
Welche Schnelltest bieten Sie an?
SR: Nasale Schnelltests, die 2 cm in die Nase eingeführt werden. Wir können diese ohne Anwendungsfehler ausführen, was wichtig ist, denn sonst wäre diese schöne Instrument Schnelltest kaputt.
„Wir können jaulen, dass die Umsätze runter gehen, oder einfach etwas dagegen tun.“
Wie haben Sie die offizielle Teststelle aufgezogen?
SR: Als die Testpflicht in Baden-Württemberg kam, hatten sich an den ersten Teststellen in Reutlingen lange Schlangen gebildet, was eine weitere Barriere für unsere Kunden war. Die Testpflicht ist Umsatzkiller! Aber wir können jaulen, wenn Umsätze runter gehen, oder einfach etwas dagegen tun.
Ihr Ansatz?
RS: Die Testungen auch für Kunden anzubieten. Das ►Tübinger Modell hatte gestartet und ich fand das toll, also habe ich mich mit Oberbürgermeister Boris Palmer in Verbindung gesetzt.
„Die Anforderungen an unsere Teststelle sind die gleichen wie an jede andere.“
Was war ausschlaggebend für die Testrecke?
RS: Laut Baden-Württembergischer Corona-Schutzverordnung kann Testungen anbieten, wer die Voraussetzungen erfüllt. Wer sich dafür beim Gesundheitsamt bis 31.3. angemeldet hatte, war zunächst automatisch für eine Teststrecke beauftragt. Ich habe beim Gesundheitsamt ein 25 Seiten umfassendes Test-Konzept eingereicht. Die Anforderungen an unsere Teststrecke sind die gleichen, wie an jede andere öffentliche Teststraße. Von solchen Fragen, welches Fabrikat beispielsweise unsere Umhänge und Handschuhe haben, darf man sich nicht schikaniert fühlen. (lacht). Das Genehmigungsverfahren hat einige Wochen gedauert. Ich war immer optimistisch, weil auch der Leiter des Ordnungsamtes die Idee gut fand und jede Teststelle begrüßt.
“Ein Schnelltest suggeriert: Gehen Sie entspannt zum Friseur und machen Sie von Corona Urlaub.“
Ihre Kunden können sich bei Ihnen testen lassen. Ist das gratis?
SR: Ja, die Kosten für die Tests und unsere testende Fachkraft tragen wir selbst. Wir freuen uns, keinen Umsatzeinbruch zu haben. Denn ein Schnelltest suggeriert Kunden: Gehen Sie entspannt zum Friseur, machen Sie von Corona Urlaub! Wir geben Geborgenheit und Normalität zurück.
„Als offizielle Bürgerteststelle kann ich 18 Euro pro Test abrechnen.“
Warum musste es gleich eine Bürgerteststelle sein?
RS: Ich sehe uns Friseure als Teil der Lösung, aber wir dürfen nicht pleitegehen, weil wir Hygienemaßnahmen einhalten. Wir müssen wirtschaftlich agieren. Die Testungen sichern eine Auslastung von 85 Prozent, aber das Testen am Kunden kostet 15 Minuten unserer Zeit. Mit der offiziellen Bürgerteststelle kann ich die Tests mit der kassendienstlichen Vereinigung abrechnen. Das sind 18 Euro pro Test.
Wie schaut die Testrecke in der Praxis aus?
RS: Wir haben unsere La Biosthetique - Kosmetikkabine in eine Hygienekabine umgebaut, mit ausreichend Platz zum Testen und Aufbewahren der Schutzausrüstungen, Masken und Desinfektionsmittel. Bei der Planung bin ich immer davon ausgegangen, dass ein „Positiver“ im Laden sein könnte. Wir haben viel Platz im Salon und eine „Straße“ eingerichtet, der man, mit ausreichend Abstand zu den Bedienplätzen, bis zur Teststrecke folgen kann.