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Credit: Bild erstellt mit KI (Chat GPT)

15.07.2026

Friseurkrankheit: Chronische Selbstvernachlässigung

Warum viele Friseurinnen und Friseure zuerst an andere denken und warum man JA sagt, obwohl man keine Kapazität mehr hat – dahinter blickt Susanne Drexel.

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Kolumne von Susanne Drexel, Mentalcoach und ehemalige Friseurunternehmerin

Die stille Erschöpfung hinter dem Spiegel

Kennst du das Gefühl, nach einer langen Schicht nach Hause zu kommen und einfach leer zu sein? Nicht nur körperlich, sondern irgendwie auch innerlich ausgehöhlt? Die meisten Friseurinnen und Friseure, die ich in meiner Arbeit begleite, haben eines gemeinsam: Sie denken zuerst an andere.

Das ist keine Zufälligkeit. Das ist ein Muster. Und es hat eine Geschichte: Friseurinnen und Friseure bringen von Natur aus viel mit: Empathie, Feingefühl, den echten Wunsch, dass es den Menschen um sie herum gut geht. Das sind wertvolle Eigenschaften. Sie machen den Beruf aus.

Aber wer früh gelernt hat, dass er dann geliebt wird, anerkannt wird, dazugehört, wenn er für andere da ist, der trägt dieses Muster auch in den Salonalltag und stellt sich selbst dabei immer ans Ende der Reihe.

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Eine Beziehung, die es in kaum einem anderen Beruf so gibt

Es gibt einen Aspekt im Friseurberuf, der selten offen ausgesprochen wird, aber jede Friseurin und jeden Friseur sofort zum Nicken bringt: Die Beziehung zwischen Friseurin und Kundin, zwischen Friseur und Kunden, ist etwas Besonderes. Sie ist oft jahrelang, manchmal jahrzehntelang. Man kennt die Familie, die Lebensgeschichte, die Höhen und Tiefen. Man ist Vertrauensperson, Zuhörerin, manchmal auch stille Begleiterin durch schwierige Zeiten. Das spürt man auch daran, wie Kundinnen und Kunden reagieren, wenn mal etwas nicht stimmt.

Wenn ein Termin ausgefallen ist und sie woanders hingehen mussten, heißt es nicht selten: "Ich musste fremdgehen." Dieses Wort sagt alles. Es beschreibt eine Loyalität, eine Bindung, die weit über einen normalen Dienstleistungsbesuch hinausgeht.

Und wenn etwas nicht so gelungen ist wie erwartet, ist das Wort, das fällt, oft: enttäuscht. Nicht unzufrieden. Enttäuscht. Ein Wort, das man sonst eher in engen persönlichen Beziehungen verwendet.

Diese Tiefe der Beziehung ist ein Geschenk. Sie ist ein Zeichen dafür, wie viel Vertrauen Friseurinnen und Friseure täglich entgegennehmen. Aber sie hat auch ein Gewicht. Wer so nah an Menschen ist, wer so viel Vertrauen trägt, der spürt auch den Druck, dieser Erwartung gerecht zu werden. Immer. Auch dann, wenn man selbst gerade nicht auf dem besten Stand ist.

Was das im Salonalltag bedeutet: Chronische Selbstvernachlässigung

Im Friseursalon trifft dieses Muster auf besonders fruchtbaren Boden. Der Beruf fordert täglich Präsenz, Zuwendung und Einfühlungsvermögen. Das ist schön, aber es ist gleichzeitig eine echte Belastung, wenn man nicht weiß, wo die eigene Grenze ist.

In der Psychologie nennen wir das chronische Selbstvernachlässigung. Der Körper meldet sich irgendwann. Mit Erschöpfung, Reizbarkeit, Schlafproblemen, dem Gefühl, nicht mehr wirklich präsent zu sein. Viele schieben diese Signale lange weg, weil im Salonalltag schlicht kein Raum dafür ist, ihnen nachzugehen. Aber der Körper hört nicht auf zu senden, nur weil man nicht zuhört.

Was hilft

Stress hat eine Geschichte. Auch diese hier. Und wer diese Geschichte kennt, wer versteht, warum er so reagiert, wie er reagiert, der hat plötzlich eine Wahl. Nicht die Wahl, alle Muster von heute auf morgen abzulegen. Aber die Wahl, sie zu bemerken und einen ersten kleinen Schritt in eine andere Richtung zu machen.

Wer dauerhaft für andere da sein will, muss zuerst für sich selbst sorgen. Nicht aus Egoismus, sondern weil es keine andere Grundlage gibt.

Eine erste Frage, die du dir stellen kannst, und zwar nicht nach der Schicht, sondern mittendrin: "Wie geht es mir gerade?" Nicht deinen Kundinnen und Kunden. Dir. Dieser eine Satz kann der Anfang einer neuen Geschichte sein.

Über Susanne Drexel

Susanne Drexel ist Mentalcoach, Achtsamkeitslehrerin nach Maren Schneider und Fachkraft für Stressmanagement (IHK). Sie arbeitet mit Methoden der positiven Psychologie nach Dr. Seligman. Als ehemalige Friseurunternehmerin hat sie selbst erlebt, was passiert, wenn ein System keine Prävention kennt. Heute begleitet sie Salonteams und Betriebsinhaber auf dem Weg zu mehr mentaler Stärke, Resilienz und echter Freude am Beruf.

Kontakt

Trainer-Speaker-Coach Susanne Drexel
info@susannedrexel.de

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