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06.02.2019

Dieter Bonk - es fühlt sich an, dass es so sein soll

Mit seinem Einstieg bei der angeschlagenen Friseurkette Klinck hat Dieter Bonk die Branche aufhorchen lassen. Wie es dazu kam, was er vorhat und vor allem, was ihn bewegt, erfahren Sie im persönlichen Gespräch.

Das Gespräch führte Raphaela Kirschnick.


Herr Bonk, Sie haben für die Knallermeldung der Woche gesorgt!
Dieter BonkJa, nach eurem imSalon-Newsletter habe ich sieben Stunden nonstop telefoniert. Jeder, wirklich jeder, rief bei mir an oder whatsappte mir.

Ich habe Sie als Macher kennengelernt, der Ärmel hochkrempelt und eher aufbaut als niederreißt. Jetzt sind Sie Sanierer – eine neue Aufgabe?
DB: Richtig, ein Niederreißer bin ich nicht! Dennoch, eine Restrukturierung habe ich ja bereits hinter mir und nun ein Unternehmen aus Bestand neu zu modellieren, das ist eine große Motivation für mich.

Das kann mit harten Entschiedungen verbunden sein!
DB: Ich habe immer gesagt, dass ich alle nötigen Dinge umsetzen werde, die sinnvoll, nachvollziehbar und somit erklärbar sind. Man kann trotzdem auch faire und ethische Entscheidungen treffen und dafür setze ich mich ein, denn ich möchte abends noch in den Spiegel schauen können.

Sind Sanierungen nicht immer auch mit Einsparungen verbunden?
DB:
Wir wollen uns nicht gesund sparen, das kann ich ausschließen. Wir wollen gesund in die Zukunft gehen. Ja, einsparen, aber so, dass es hinterher langfristig weitergehen kann.

Wieso konnte es eigentlich soweit kommen?
DB:
Schlechtes Management verursacht durch zu viel Wechsel, wir sprechen von fünf verschiedenen Geschäftsführern in gerade Mal 2,5 Jahren und jeder wollte seine Philosophien und Ideen umsetzen. Das hat uns sehr viel Geld gekostet. Dazu kommt eine kostspielige und unwirtschaftliche Expansion.

Sie sind aber auch nur als “Interim-Geschäftsleiter” angekündigt?
Wir strukturieren jetzt erst mal das Unternehmen neu, so dass es gesund aus der Insolvenz hervorgeht. Auf Schritt eins folgt Schritt zwei: Dann ist eine lange Partnerschaft von allen Seiten gewünscht, auch über eine mögliche Beteiligung am Unternehmen bin ich mit den Eigentümerinnen Monika und Susanne Klinck in Gesprächen.

Wie kam es eigentlich dazu?
DB: Die Familie Klinck ist vor vielen Jahren schon mal auf mich zugekommen. Damals war noch Manfred Schröder Geschäftsführer, der war ja 25 Jahre mein Chef bei Essanelle und sprach offensichtlich viel von mir. Damals hatte ich schon einmal ein Angebot, aber kein Interesse, ich bin ja ein recht Treuer. Manfred Schröder ist längst in Pension, aber die Klinck-Familie erinnerte sich daran und erzählte dies ihrem Insolvenzverwalter, der googelte mich, las auf imSalon.de mein Interview, und, dass ich zu haben war. Dann kam der Anruf…

Und Sie haben sofort zugegriffen?
DB: Nein (lacht), ich hab mich schon echt auf meine Auszeit gefreut. Nur, die haben nicht locker gelassen und sind am nächsten Tag in Düsseldorf vor meiner Tür gestanden. Wir haben viel geschnackt, dann fuhr ich nach Kiel um die ganze Familie kennen zu lernen... meine nordischen Wurzeln (Bremen) haben schnell für eine große Vertrautheit gesorgt. Es fühlte sich einfach richtig und gut an. Wissen Sie, ich fühle mich verpflichtet, meinen Teil hier beizutragen, immerhin sprechen wir von einer 90jährigen Familientradition. Und das unbedingte Vertrauen, der Respekt, die Herzlichkeit, die mir die Familie entgegenbringt, das spornt mich an, hier große Leistung zu bringen.

Das sieht Vater Klinck nicht so, er hat sich mit seinem Vermögen rausgezogen? Wie wird damit vor allem von Seiten der Mitarbeiter umgegangen?
DB: Es gibt hier viele Gerüchte, die ich nicht bestätigen kann. Herr Klinck hat das Unternehmen seinen Töchtern überschrieben und hat damit nichts mehr zu tun, er lebt zurückgezogen in Kiel. Es ist nun meine Aufgabe gemeinsam mit seinen Töchtern das Unternehmen neu aufzusetzen.  Der Familienzusammenhalt ist sehr stark und deshalb glaube ich dass er da sein wird, wenn wir ihn brauchen…

Stehen finanzielle Mittel in Aussicht?
DB:
Ein M&A Bewertungsverfahren läuft im Rahmen des Insolvenzverfahrens. Ob Beteiligungen oder gar ein Verkauf notwendig werden, das muss der Insolvenzverwalter klären, denn letztendlich müssen auch die Gläubiger befriedigt werden. Ich glaube, dass Herr Klinck uns auch finanziell unterstützen wird, wenn wir aus der Insolvenz ohne „Altlasten“ raus kommen mit einem Konzept, welches die Zukunft sichert.

Seit wann sind Sie offiziell dabei?
DB: Seit Montag 21.01.2019! Heute, am 1.2. 2019, wurde offiziell das Insolvenzverfahren eröffnet, und ich habe jetzt 3 Monate Zeit, das Unternehmen von „Altlasten“ zu befreien, wie zB. defizitären Salons.

Sie sind bei Ihren ehemaligen Mitarbeitern extrem beliebt, werden diese folgen?
DB: Ja, das bin ich offensichtlich und das erwarten jetzt alle. Ich habe da keinen Hintergedanken. Nach 34 Jahren war die EssanelleHairGroup mein Lebenswerk, meine Mitarbeiter habe ich nicht nur geschätzt, sondern geliebt. Aber Klinck hat auch 750 Mitarbeiter, die 22 Mio. Umsatz machen und wir haben bei Klinck andere Sorgen. Sollte es jedoch offene Positionen geben, auf die eine Bewerbung matcht, dann ist natürlich jeder willkommen.

Sie haben viele Kontakte zu Shoppingzentren, wohin würden Sie, wenn überhaupt, noch expandieren?
DB: In meinem Businessplan für die nächsten Jahre wird Expansion ein Thema sein. Dort, wo ich bisher gute Erfahrung gemacht habe, würde ich durchaus auch hineingehen, bei der HairGroup habe ich ja keine schlechten Orte angemietet. Die Struktur Shopping-/ Einkaufszentren sehe ich schon noch, aber auch freistehende Salonstandorte haben ihren Charme, ich sage nur Öffnungszeiten. Das wird stärkere Berücksichtigung finden als in der Vergangenheit.

Credit: Alois Müller

Das Unternehmen ist angeschlagen, was sind Ihre ersten Schritte?
DB: Filial-Portfolio bereinigen, Markenstrategie und Markenbereinigung, Innendienst- und Salonstrukturen müssen neu definiert werden. Wenn der Insolvenzverwalter dies mitträgt, gehe ich davon aus, dass dann das Unternehmen kleiner ist, aber die Substanz so gut ist, dass wir die Problemfälle beseitigt haben und das Unternehmen sauber weitergeführt werden kann.

Eine persönliche Herausforderung für Sie ist?
DB: In vier Wochen ein Unternehmen so kennenzulernen, dass ich einen erfolgsversprechenden Plan erstellen kann.  Ich muss derzeit viele Informationen aufsaugen, um damit zukünftige Entscheidungen treffen zu können.

Haben Sie Unterstützung?
DB: Wir werden begleitet von der Insolvenzverwaltung und von der Unternehmensberatung "nexpert", deren Businessplan überarbeite ich gerade. Das wird mir leicht gemacht durch die sehr große Unterstützung der engagierten Mitarbeiter in der Zentrale, insbesondere M.+S.Klinck und die beiden Prokuristen Sönke Bruhn und Ralf Maier, der auch mein Leiter Innendienst ist.

Wie gehen die Mitarbeiter mit der Situation um? Passivität?
DB: Überhaupt nicht! Es ist keiner demoralisiert im Gegenteil, die setzen Hoffnung in mich, das Unternehmen auf gesunde Füße zu stellen. „Sie können mich 24 Stunden anrufen, Hauptsache sie bleiben an Bord und helfen uns”, das höre ich überall. So ein engagiertes Team exakt in dieser Phase, das lässt mir fast die Blinkis in die Augen schießen.

Das klingt nach einem positiven Start Dieter Bonk, ich danke für das offene Gespräch und wünsche viel Erfolg für die vor Ihnen liegende Aufgabe, die im Markt mit Spannung verfolgt wird.