imSalon: Nun ist Waldshut-Tiengen mit knapp 23.000 Einwohnern nicht gerade groß. Wie kommt der Salon bei den Kunden an?
Wir haben ein tolles, durchwachsenes Publikum von jung bis alt. Vom Professor bis hin zum Arbeiter und denen, die nur zweimal im Jahr kommen können. Ich mag das, das ist interessant und multikulturell. Unsere Kunden schreiben in den Gästebögen, dass wir Großstadtflair hierher geholt haben. Klar, wenn man so einen Salon eröffnet, polarisiert das sehr. Aber ich habe mit 5 Mitarbeitern begonnen und innerhalb kürzester Zeit aufstocken können. 45% mehr Kunden und Personal! Der neue Salon war die beste Entscheidung meines Lebens.
"Wenn man so einen Salon eröffnet, polarisiert das sehr."
imSalon: Ihr Team von 12 Mitarbeitern spricht zusammen 8 Sprachen. Beeinflusst das die Kundengewinnung?
Natürlich! Unsere Kunden sind genauso bunt durchmischt. Aber ich schätze, 50% unserer Kunden kommen von der Schweiz über die Grenze. Sie mögen unser Ambiente, unseren Lifestyle und sie beeinflussen das Preissegment positiv.
imSalon: Was verlangen Sie bspw. für einen Damenhaarschnitt?
Zwischen 45-57 Euro bei meinen Mitarbeitern, zwischen 56-64 Euro bei mir.
"Wir sind eine Einheit ohne Querschläger."
imSalon: Bringt das Multikulturelle Differenzen mit sich und wenn ja, wie handhaben Sie diese?
Differenzen – das Wort klingt so negativ – gibt es bei uns eigentlich nicht. Ich denke, ich spreche hier auch für meine Mitarbeiter. Das Multikulturelle ist spannend und interessant. Wir akzeptieren uns, sprechen Dinge offen an, wachsen gemeinsam. Wir sind eine Einheit ohne Querschläger. Das hat oberste Priorität. Ich bin gespannt, was der Flüchtlingszuzug, der uns alle betrifft, mit sich bringt. Aber ich glaube an die positive Weiterentwicklung unserer Gesellschaft.
imSalon: Seit wann sind Sie Intercoiffeurin und warum?
Seit diesem Jahr. Im April wurde ich vorgeschlagen, im November aufgenommen. Das ist für mich der Ritterschlag! Mit 14, als ich meine Ausbildung begonnen habe, bin ich zum ersten Mal mit den Intercoiffeuren in Berührung gekommen. Für mich waren sie damals so unerreichbar. Jetzt dazuzugehören, macht mich sehr froh. Die Intercoiffure ist eine große Familie. Das sind Kollegen, die sich austauschen, beim Lifestyle an vorderster Front stehen. Sie sind weltoffen, modeinteressiert und bieten meinen Mitarbeitern die Chance, auch international arbeiten zu können. Und, was mir besonders wichtig ist, ist das soziale Engagement der Vereinigung!
"Die Leute unterschätzen die Disziplin, den Fleiß, die Langlebigkeit. Jeder muss seinen Teil beitragen!"
imSalon: Könnten Sie über Nacht etwas in der Branche verändern, was wäre anders?
Die Anerkennung und die Wertschätzung der Branche! Der Beruf wird unterschätzt. Meine Tochter ist hierfür das beste Beispiel: Sie ist in der 10. Klasse vom Gymnasium weg, um die Ausbildung zu machen und ihr Umfeld war dem gegenüber negativ eingestellt, denn sie hätte ja auch etwas anderes, „anspruchsvolleres“ machen können. Handwerker-Nachwuchs finden wird immer schwieriger, nicht nur in unserer Branche. Das fängt bei den Eltern an: Meine Kinder sollen studieren! Die Leute unterschätzen die Disziplin, den Fleiß, die Langlebigkeit, die dieser Beruf mit sich bringen. Ich habe mit 26 Jahren mit 2 Mitarbeitern begonnen. Das war nicht immer leicht, aber ich bin kontinuierlich dran geblieben, habe nie aufgegeben, mich nicht unterkriegen lassen.
Für mehr Wertschätzung muss aber jeder seinen Teil beitragen!