Das Interview führte Katriina Janhunen
imSalon: Sie sagen in der Frankfurter Rundschau, dass unsere Branche „nicht mehr das Auffangbecken für den Bodensatz der Gesellschaft sein darf“. Das ist eine Aussage, die auf Facebook die Emotionen hochgehen liess… Wie haben Sie das gemeint?
Michael Müller: Ja, in den sozialen Netzwerken war einiges los. Den Dialog und die kritische Auseinandersetzung wollte ich damit auch erreichen. Ich glaube, dass mir die Leser zustimmen werden, wenn ich sage: Das Image der Friseurbranche ist miserabel. Damit meine ich Einkommensverhältnisse, Altersvorsorge, Aufstiegschancen und Sozialprestige.
Wenn über den Niedriglohnsektor berichtet wird, kommen Friseure oder Pflegekräfte. Das macht Stimmung in die falsche Richtung. Das hat die Branche nicht verdient. Und da gehört sie auch nicht hin.
„Ich brauche keine kleinen Friseusen“
Auf Ihrer Webseite steht viel zu Teamarbeit. Warum arbeiten Sie dennoch alleine?
MM: Ich betreibe mein Unternehmen jetzt 22 Jahre, 20 davon als Partner von Klaus Peter Ochs und seit zwei Jahren alleine. Unternehmerisch lief das viele Jahre auf sehr hohem Niveau und mit vielen Auszeichnungen. Es hat sich aber das Gefühl eingestellt, sich im Kreis zu drehen. Der Aufwand Mitarbeiter ständig in die Champions League der Friseure zu coachen, war mir - gemessen am Ertrag - zu hoch.
Eine hohe Fluktuation und ein sehr hoher Schulungsetat kamen dazu. Es braucht viel Geld, Zeit und Energie für die Entwicklung von Mitarbeitern. Und ich brauche Leute mit Ecken und Kanten, keine kleinen Friseusen.
Sie zahlen doch weit über dem Durchschnitt - reicht Geld nicht als Motivator?
MM: Friseure sind meist sehr sozial und ich frage oft bei Bewerbungsgesprächen „Wenn Sie sich nur für eines entscheiden können, was nehmen Sie: Team, Weiterbildung oder Gehalt?“. Das Geld ist immer an letzter Stelle. Wenn das Team sich verändert und nicht mehr passt, gehen Mitarbeiter trotz guten Gehalts.
„Mich wundert, wie viele Friseure sich in der Opferrolle sehen“
Wie viel soll ein Friseur verdienen?
MM: Grundsätzlich sollte jeder Friseur das verdienen, was er „verdient“! Wenn ich mich für einen 10€-Betrieb entscheide, sollte ich wissen, dass es Akkord ist, dann darf ich kein Top-Gehalt erwarten.
Ich bin doch oft verwundert, wie viele Friseure über das Gehalt klagen, sich in der Opferrolle sehen und „nebenher“ etwas dazu verdienen müssen. Die haben nicht die Energie und die geistigen Fähigkeiten, etwas zu ändern. Erfolg ist kein Zufall, dafür muss ich mich halt bewegen! In dem Fall haben sie es nicht anders „verdient“.