Im Interview mit Juliane Krammer
Liebe Sandra Stiemert, im Mai letztens Jahres haben Sie eine Zahlungsklage eingereicht. Nun wurde diese abgewiesen. Was ist in den letzten 9 Monaten passiert?
Sandra Stiemert: Im Prinzip ist nicht viel passiert. Wir hatten vor Kurzem diese Verhandlung, die online war. Ich saß zu Hause vor dem Rechner, der Richter vor Gericht und mein Anwalt in Frankfurt am Main vor seinem Bildschirm. Ich muss dazu sagen: Die Akustik war eine absolute Katastrophe, man hat nichts verstanden. Meiner Meinung nach war es ein Abfertigen, denn das Ganze hatte insgesamt 13 Minuten gedauert. Der Richter hat im Vorhinein schon gesagt, dass die Chancen schlecht stehen. Das war uns schon klar, aber einen Funken Hoffnung hat man ja trotzdem. Letzte Woche kam der Beschluss, dass das abgelehnt ist.
Wie haben Sie vom Ergebnis erfahren?
SST: Das wurde mir telefonisch vom Gerichtssprecher übermittelt.
Wie geht es weiter?
SST: Wir werden jetzt in die zweite Instanz gehen, weil wir wirklich jeden Weg gehen wollen. Deshalb haben wir auch vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe auf die Zahlung eines Unternehmerlohnes geklagt. Stellvertrenden für alle Selbständigen in der selben Lage.Ich möchte eigentlich nur vom Staat in Ruhe gelassen werden. Wenn mir aber verboten wird, der Arbeit nachzugehen, dann bin ich der Meinung, dass der Staat auch dafür Sorge tragen muss. Ich binSelbstständige und nicht die einzige, der hier das Genick gebrochen wurde. Wir müssen hier entschädigt werden. Für mich stellt sich die Frage, warum im Infektionsschutzgesetz die Regelung für die Selbstständigen fehlt. Für mich gibt es nur zwei Varianten: Entweder wir wurden vergessen, dann ist das eine riesige Schlamperei oder es wurde extra so gemacht. Beides wäre eine Katastrophe. Aber wir sind ja sowieso dem Staat ein Dorn im Auge. Wir zahlen nicht in die Arbeitslosenversicherung ein und in die Rentenversicherung. Demzufolge wird das sicherlich keiner zugeben: aber das ist eine große Schweinerei und das Infektionsschutzgesetz muss daraufhin geprüft werden.
Sie sprechen hier immer in der „wir“-Form, wer steckt denn hier alles dahinter?
SST: Ich alleine als Saloninhaberin wäre mit dieser Problematik völlig überfordert. Ich habe das Glück den Geschäftspartner Noah Wild zu haben von Wild Beauty. Die haben mich juristisch und organisatorisch aber vor allem finanziell auf diesem Weg unterstützt. Alleine hätte ich das nie geschafft.