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Credit: Ali Ihsan Academy

09.07.2026

„Ein guter Haarschnitt darf nicht von der Tagesform abhängen“

Reproduzierbarkeit ist DAS Schlagwort, wenn es um Schnitttechnik geht und Garant verlässlicher Qualität. Haarschneideexperte Ali Ihsan sieht den Schnitt als Zentrum des Salons und weiß mit seinen Schulungsmethoden junge Leute abzuholen.

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Katja Ottiger im Gespräch mit Ali Ihsan

Ali, du bist Haarschneide-Trainer. Mit deiner Academy setzt du auf Online-Kurse bzw. Salonschulungen. Warum, dein Fokus auf Haarschnitt?
AI: Nach meiner Ausbildung bin ich zu Toni&Guy und musste mich entscheiden: Farbe oder Schnitt? Ich behaupte von mir, wirklich gut Haare schneiden zu können, aber mir fehlt das tiefe Wissen rund um Chemie und Farbe. Für mich sind das auch zwei komplett unterschiedliche Welten. Ich denke, man muss nicht alles gut können. Es ist Aufgabe genug, sich in einer Richtung ständig weiterzuentwickeln.

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Eine gute Haarfarbe baut auf einem guten Haarschnitt auf.

Schnitt und Farbe gehören doch aber zusammen, oder?
AI: Absolut. Eine gute Haarfarbe baut auf einem guten Haarschnitt auf. Erst der Haarschnitt, dann die Farbe. In einem Team kann man das wunderbar gemeinsam denken.

Was macht die Magie eines guten Haarschnitts für dich aus?
AI: Zu verstehen, eine Form zu gestalten.

Stehst du noch im Salon?
AI:
Ich arbeite Teilzeit in einem Salon in Hamburg, dort auch in der Ausbildung. Das ist mir wichtig, auch um ein Feeling für junge Leute zu bekommen. 

An wen richtet sich deine Akademie?
AI: Die Online-Akademie richtet sich an junge Leute, allem voran an SaloninhaberInnen oder auch Einzelpersonen, die aus zeitlichen Gründen oder aufgrund anderer Umstände nicht in der Lage sind, viel Zeit in die Schnittausbildung zu stecken. Sie ist preislich so gestaltet, dass sich das jeder leisten kann. Das aktuelle Einstiegs-Abo für einen Teilnehmer liegt bei 239 € pro Jahr.

Wie funktioniert das Lernen in der Academy?
AI: Der Schwerpunkt ist die Online-Akademie. Das Lernen ist wie Vokabeltraining aufgebaut. Jeder Begriff bekommt ein eigenes Video, manches dauernt nur 40 Sekunden. Zum Beispiel horizontale Abteilung: warum macht man sie, wann macht man sie, was bringt sie? So lässt sich sehr individuell lernen.

Heute ist es legitim zu sagen: Ich habe meine Arbeitszeit und in dieser lerne ich.

Also eher kleine Lerneinheiten statt großer Theorieblöcke?
AI: Genau. Anders geht es heutzutage kaum. Kein junger Mensch setzt sich nach der Arbeit noch lange hin und lernt. Das war früher anders. Heute ist es legitim zu sagen: Ich habe meine Arbeitszeit und in dieser lerne ich.

Credit: Marvin Vehring

Credit: Marvin Vehring

Credit: Marvin Vehring

Wann kommen deine Präsenzseminare ins Spiel?
AI: Die Präsenzseminare sind getrennt von der Online-Akademie. Hier geht es darum, Schnittqualität im Salon zu vereinheitlichen. Ich komme nur in einen Salon, wenn es ein klares Ziel gibt. Zum Beispiel, wenn es unterschiedliche Qualitätsstandards innerhalb der Mitarbeitenden gibt. Dann geht es darum, eine Technik zu etablieren, die modular für alle im Team einsetzbar ist.

Ist der Haarschnitt die Kernkompetenz des Friseurhandwerks?
AI: Jein. Der Haarschnitt ist das, was am längsten bleibt. Farbe kann sich verändern, auswaschen, durch Sonne heller werden. Styling hält vielleicht ein oder zwei Tage. Am Ende bleibt der Schnitt.

Ein Haarschnitt ist Technik. Und das Schöne am Handwerk ist, dass man Technik lehren kann.

Als Kurzhaarkundin merke ich das sofort nach dem ersten Waschen. Dann denke ich: Oh, mein Friseur hatte einen schlechteren Tag. Ist das zu kulant gedacht?
AI: Gute Qualität muss reproduzierbar sein und darf nicht von der Tagesform abhängen! Ein Haarschnitt ist Technik. Und das Schöne am Handwerk ist, dass man Technik lehren kann. Wenn ein Haarschnitt einmal super ist und beim nächsten Mal schlecht, funktioniert das auf Dauer nicht.

Wie wichtig ist der systemische Aufbau von Schnittwissen gerade für junge Leute?
AI:
Jungen Leuten ist es heute wichtig, eine fundierte Ausbildung zu haben, wichtiger als es uns war.

Wie erlebst du junge FriseurInnen und Auszubildende?
AI: Ich arbeite sehr gern mit jungen Leuten. Junge Menschen wollen viel, aber sie brauchen einen klaren Weg, sonst werden die schnell unsicher. Sie müssen heute anders ausgebildet werden: Man muss sie geduldiger und länger führen, jeden Step so lang erklären, bis er verstanden wird. Und wenn man ihnen das Vertrauen gibt, dass sie das können, funktioniert das super.

Ist technische Schnittwissen in den letzten Jahren verloren gegangen?
AI: Ich glaube schon. Ohne jemanden angreifen zu wollen: Die Industrie hat naturgemäß ein anderes Interesse. Sie verkauft Looks, also Farbe, Styling, Produkte. Das ist legitim, aber das technische Haarschneiden ist dadurch oft weniger sichtbar.

Der Haarschnitt wird immer die Basis von allem bleiben.

Wird der Haarschnitt im Salon in Zukunft wieder wichtiger oder bleibt er im Schatten von Farbe, Treatments und Extensions?
AI: Der Haarschnitt wird immer die Basis von allem bleiben. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich Salons auf andere Themen konzentrieren, weil die Basis nicht immer gut beherrscht wird. Farbe, Treatments, Extensions, das alles hat seine Berechtigung, aber ohne gute Schnittbasis fehlt etwas.

Wie können Salons die Wertigkeit eines Haarschnittes vermitteln? Bei „Kurz, Mittel, Lang“ fühle ich mich als Kundin nicht abgeholt. Wie siehst du das?
AI: Wenn man technisch Haare schneidet, ist es egal, ob ich einen Mann kurz, eine Frau kurz, einen Mann lang oder eine Frau lang schneide. Der Weg ist systematisch und ich brauche für einen guten Schnitt entsprechend Zeit. Diese Einteilungen nach Haarlänge sind für mich eher alte Kamellen, an die sich viele nicht herantrauen.

In Hamburg gibt es viele Barbershops, die, oft zu günstigsten Preisen, gute Haarschnitte anbieten. Verfolgst du die Szene?
AI:
Ich verfolge das online recht stark, auch die internationalen Barber. Ich finde es sehr interessant, wie die Barber es verstanden haben, das Handwerk technisch nach außen zu verkörpern. Das ist eine stilistisch coole Bewegung. Auch im Schulungsbereich gibt es da interessante Bewegungen. Ich würde sogar sagen, der Markt ist stärker im Wachstum als der klassische Schulungsmarkt.

Ich finde es interessant, wie Barber es verstanden haben, das Handwerk technisch nach außen zu verkörpern.

Was darf oder soll ein guter Haarschnitt kosten?
AI: Das hängt immer vom Salon, Standort, der Zielgruppe und dem eigenen Konzept ab. Ich selbst nehme 112 Euro für einen Haarschnitt. Unter meinen KundInnen habe ich einen hohen Männeranteil. Dabei zeigt sich immer wieder, dass auch Männer bereit sind, für Qualität und individuelle Dienstleistung entsprechend zu investieren. Häufig werden Männerdienstleistungen leider eher nebenbei erledigt, beispielsweise während bei einer Kundin die Farbe einwirkt. Dadurch entsteht aus Sicht des Kunden oft weniger Wertigkeit. Meine Erfahrung ist, dass Männer genauso Wert auf Qualität, Beratung und ein gutes Erlebnis legen und bereit sind, dafür zu bezahlen.“

Was wünschst du dir von der Friseurbranche?
AI: Ein bisschen weniger Ego. Offen sein, Dinge ausprobieren, weitermachen. Nicht immer sagen: Das, was ich mache, funktioniert seit 20 Jahren und deshalb bleibt alles so. Sondern mitgehen, sich bewegen. Alles andere wird die Zeit zeigen.

Lieber Ali, ich danke dir für deine Zeit und dein Vertrauen und wünsche dir für deine Academy alles Gute!

Über Ali Ihsan

Ali Ihsan lernte sein Handwerk ganz klassisch in einem TIGI-Salon auf der Insel Föhr. Nach Stationen bei Toni&Guy in Stuttgart und Hamburg, wo er auch als Trainer tätig war, führte er von 2015 bis 2022 gemeinsam mit einem Freund eine Schneideakademie in Hamburg.

Seit 2022 arbeitet er als selbstständiger Schneidetrainer.
Mit der Ali Ihsan Academy verbindet er seit 2026 Online-Lernen mit praxisnahen Salonschulungen. Derzeit gibt es knapp 100 Videos, die strukturiert und in kurzen Lerneinheiten gerade junge Leute oder Soloselbstständige unterstützen sollen.

haarschneideseminare.de

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