"Männer haben Lust auf Service."
Was wünschst du dir von der Innung?
KB: Dauerwelle und Co können kleiner gehalten werden, auch das Augenbrauenfärben muss nicht so viel Raum einnehmen. Das schafft man in einer Schulung nebenbei zu erlernen, aber das Barber-Thema ist so groß: Schnitte, Bartformen, Gesichtsformen, Pflege sowie auch Rasur und Hygiene sind wichtig! Männer haben Lust auf Service. Ich habe 13 Jahre Salon-Erfahrung gesammelt, bevor ich mich selbstständig machte, da wurden Männer zwischen Haarfarbe und Damenschnitt schnell geschnitten. Das vermittelt auch die Berufsschule. Herren-Service muss mehr in den Fokus rücken. Seht doch mal auf Instagram: Die Barber-Reels explodieren! Und nun meine Frage: Warum sprießen überall die Billig-Barber? Weil der Friseur, dieses Feld nicht bedient. Die Industrie hat das Potenzial Herren seit vielen Jahren schon entdeckt. Es braucht aber ein Umdenken der Friseure, erst wenn die das Potenzial Herren erkennen, wird die Innung nachziehen und reagieren. Herren wollen ihren Platz, ihr eigenes Service und nicht zwischen Damenkunden warten, damit sie dazwischen eingeschoben werden.
" ... warum sprießen überall die Billig-Barber? Weil der Friseur, dieses Feld nicht bedient."
Wann hast du das Barber-Handwerk für dich entdeckt?
KB: Friseur ist für mich der geilste Beruf der Welt und einer der ältesten Berufe. Mit dem Barber-Handwerk hat alles gestartet. Schon als Gesellin nervten mich die 10 Minuten-zwischendurch Schnitte für den Mann. Ich habe gerne Herren-Kunden bedient und so entstand auch die Idee, meinen eigenen, auf den Herren abgestimmten, Salon zu eröffnen.
" ... du kannst nicht vor der Konkurrenz sitzen und schauen, ob die etwas falsch machen."
Viele sind der Meinung, dass Schwarzarbeit durch ausschließliche Kartenzahlung eingedämmt werden kann. Wie stehst du dazu?
KB: Wenn jemand schwarzarbeiten will, macht er das. Als Friseur musst du dich davon lösen, du kannst nicht vor der Konkurrenz sitzen und schauen, ob die etwas falsch machen. Aber es kann schon sein, dass mit ausschließlicher Karten-, Paypal-, Apple Pay-Bezahlung das an der Kasse-vorbei-arbeiten reduziert wird.
Euer Salon ist in einer eher ländlichen Gegend. Gibt es dort viele Billig-Barber?
KB: Nein. Wir sind in einem Städtchen mit 9000 Einwohnern. Die nächste Stadt ist 30km entfernt, da fängt das Thema langsam an. Das, was mich tangiert, sind die Nachrichten, die gefühlt alle Barber über einen Kamm scheren. Das vermittelt das Gefühl, dass alle Barber schlecht und billig arbeiten, sich Hautpilz verbreitet, etc. – in meinem Umkreis sehe ich das zum Beispiel nicht. Wir sind ein etablierter Barbershop, uns gibt es seit 9 Jahren. Billig-Barber machen auf und wieder zu.
Vielen Dank für das spannende Gespräch und alles Gute für die Zukunft!