Letzteres hast du geschafft, du bist als Cutbusser eine Marke, deine Barbershops strahlen Qualität und Coolness aus. Bewerben sich Jugendliche bei dir, um Barber zu werden?
CA: Sehr oft. In der Regel möchten sie keine Friseurausbildung an sich machen, sondern bei mir „einfach so“ das Barber-Handwerk erlernen.
Aber du bildest nicht aus?
CA: Nein. In der Ausbildung macht der Damenbereich immer noch um die 80 Prozent aus, sei es Nägel, Hochstecken, Make-up … Da ist es unmöglich, die Gesellenprüfung zu schaffen, wenn du in einem Barbershop lernst, der keinen klassischen Kooperationssalon an seiner Seite hat.
Wärst du für eine Barber Ausbildung?
CA: Unbedingt. Das bräuchte eine Struktur, bei der man ausschließlich auf das Hauptthema Mann und Bart fokussiert, mit dem umgekehrten Verhältnis von 20 Prozent Damenanteil als Friseurbasis. Ich weiß, das wäre nicht leicht, aber mit einer Barberausbildung könntest du vielen Leuten, die nur das Barberhandwerk ausführen wollen, eine Zukunft in der Friseurbranche bieten. Sie hätten den Gesellenbrief und das wäre gut für uns Barber.
„Deine Zukunft fängt da an, wo der Kunde durch die Türe kommt.“
Weil diese „Barber-Gesellen“ dann weniger in den günstigen Barbershops arbeiten würden?
CA: Definitiv! Ein guter Barber sein, ist mehr als Maschinenschnitt. Sie nehmen die komplette Ausbildung in Praxis und Theorie mit. Für mich war die Friseurtheorie unglaublich lehrreich. Man lernt Qualität und die Grundlagen der Dienstleistung, wie z.B. die richtige Begrüßung, die ich bei Barbern oft vermisse. Und das ist fatal, denn deine Zukunft fängt da an, wo der Kunde durch die Tür kommt. Der muss sich bei dir wohl fühlen, du musst ihn analysieren und auf Kundenwunsch arbeiten und für jeden den vollen Einsatz bringen, nur dann entwickelst du dich weiter. Und so ist jeder Kunde potenziell dafür verantwortlich, dass du vielleicht selbst mal ein „Superstar“ in deiner Branche bist.
Apropos, auf deiner Kundenliste stehen einige Superstars, vor allem Fußballprofis wie Thomas Müller, Toni Kroos oder Jerome Boateng.
CA: Richtig. Jeder Kunde zieht einen anderen nach. Du weißt oft nicht, dass derjenige, der vor dir sitzt ein Profi-Fußballer ist. Du kennst nicht jeden Schauspieler, jeden Regisseur. Aber plötzlich kommt einer und noch einer und dann ist das normal.
„Für mich selbst war das Lehrlingsgehalt das große Thema und ist heute noch ein Grund für junge Leute, vom Job abzuspringen.“
Worin siehst du die größte Herausforderung, junge Menschen für den Beruf zu begeistern?
CA: Für mich selbst war das Lehrlingsgehalt das ganz große Thema und ist heute noch ein Grund für junge Leute, vom Job abzuspringen. Denen muss man zukunftsorientiere Chancen vermitteln: Sie können sich verwirklichen, teachen, super Salons eröffnen, Coachings anbieten ... Friseur ist ein total attraktiver und cooler Job. Du hast viel mit Menschen zu tun, bist gepflegt, siehst immer gut aus und lachst sehr viel. Die, die sich für den Friseurberuf entscheiden, sind kreative Köpfe, freundliche und offene Menschen. Die sind im Leben 1:0 vorn! Du wirst keinen Versicherungsangestellten sehen, der seinen Beruf wechselt und sagt: ach, ich versuche mal Friseur!
Deine Lehrlingsvergütung hat dich geärgert?
CA: Ja, weil ich nebenbei arbeiten musste, um mein Leben finanzieren zu können. Ich war vorher Barkeeper, hatte schnell mal hundert Euro zusammen. Plötzlich musste ich mit ein paar wenigen Hundert Euro im Monat auskommen.
„Unser Selbstwertgefühl kann nur steigen, wenn wir alle alles dafür geben.“
Gutes Gehalt geht immer mit richtiger Preiskalkulation einher.
CA: Ja, deshalb sage ich, jeder soll machen, was er am besten kann! Das steigert die Qualität und ermöglicht uns allen, angemessene Preise zu verlangen. Der Markt muss belebt sein und Kunden müssen wissen, wo sie Qualität bekommen. Unser Selbstwertgefühl kann nur steigen, wenn wir alle alles dafür geben. Ich schneide keine Damen, weil es tausend andere Leute gibt, die das besser können. Wenn sich Otto-Normalverbraucher einen Burger mit irgendeinem Getränk holt, gibt der schnell mal 20 Euro aus. Dann kann es ihm auch möglich sein, einmal im Monat 60 oder 70 Euro für einen Haarschnitt auszugeben. Ich habe Kunden, die im Monat 400 Euro in ihre Pflege als Mann investieren.