Im Gespräch mit Raphaela Kirschnick
Herr Breckwoldt, Sie setzen sich stark ein für die Reduktion der Umsatzsteuer auf 7%. Beschreiben Sie die aktuellen Herausforderungen!
Marc Breckwoldt: Aktuell sehe ich einen zu singulären Fokus auf Corona und seine Folgen, viele glauben, dass wenn Corona weg ist, auch die Probleme weg sind, das wird aber so nicht sein. Die unterschwelligen Branchenprobleme werden bleiben. Diese wurden durch Corona verstärkt und beschleunigt, Corona ist dennoch nicht schuld daran.
„Das führt zu einer massiven und ungerechten Wettbewerbsverzerrung…“
Welche unterschwelligen Probleme?
MB: Die Friseurbranche leidet seit Jahren unter einer gesetzlichen Wettbewerbsverzerrung. Kleinstbetriebe (Umsatz unter 22.500,- €) nehmen stark zu. Diese sind von der aktuellen Mehrwertsteuer von 19% befreit. Wir sprechen hier von mittlerweile über 30.000 Betrieben, die Preise ohne 19% Aufschlag verrechnen könne, das führt zu einer massiven und ungerechten Wettbewerbsverzerrung. Jetzt kommt noch hinzu, dass in der Coronazeit der Schwarzmarkt geblüht hat.
Welche akuten Auswirkungen hat das?
MB: Die Friseure leiden noch an schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen aufgrund der Lockdowns, sowie Kundenschwund aufgrund der Hygieneauflagen, Zutrittsbeschränkungen, Ängste, etc., Kapitalreserven sind aufgebraucht, viele sind noch im Überlebensmodus.
Sie zeichnen ein recht pessimistisches Bild
MB: Ich sehe zuversichtlich in die Zukunft, denn das Friseurhandwerk hat einerseits an Wertschätzung gewonnen, andererseits steht die Branche vor einer großen Welle der Bereinigung und Konsolidierung. Es gab in den vergangenen zwei Corona Jahren bereits massive Salonschließungen.
War auch Ryf davon betroffen?
MB: Bei Ryf haben wir 8 Salons geschlossen, einige davon haben wir zusammengelegt. Dies waren Salons, die bereits vor Corona angeschlagen waren.