Sie sind bekannt für ihre sehr lautstarken Kommentare in den Sozialen Medien, aktuell geht es um den Mindestlohn von 15,00€. Als Salonretter sind sie in vielen Salons unterwegs. Wie sehen Sie die Problematik?
Andreas Wendt: Was mich am meisten betroffen macht, ist eigentlich die Tatsache, dass der Zentralverband öffentlich Warnungen an Kunden sendet, und mit Preissteigerungen von bis zu 40% droht. Der Mindestlohn wird um 17% angehoben, selbst mit Lohnnebenkosten komme ich auf keine 40%. Wenn ein Haarschnitt beispielsweise 69,00€ kostet und der Lohn wird um 2,80€, inkl. Lohnnebenkosten, die Stunde erhöht, warum soll dann der Haarschnitt rund 30,00€ teurer werden, das passt doch irgendwie nicht zusammen und ist rein rechnerisch falsch.
Der Markt ist hier gespalten. Viele Unternehmen fühlen sich durch die Erhöhung bedroht.
AW: Das heißt doch, die Unternehmen, die hart arbeiten, wollen das nicht leisten, aber die Mitarbeitenden, die hart arbeiten, damit diese Unternehmen überhaupt am Markt existieren können, die können ruhig weiter ausgebeutet werden! Das bringt uns an den Rand der Pleite, sorgt für weniger Arbeitsplätze und das Schlimmste, mehr Schwarzarbeit.
Wie lautet denn ihr Lösungsansatz?
AW: Man muss die Salons dafür sensibilisieren, wie man Preise richtig gestaltet. Im Magazin FOCUS war gerade ein großartiger Fall. Da kam eine Friseurmeisterin aus Dormagen zu Wort, die sagte, dass sie eigentlich 100,00€ für einen Männerhaarschnitt nehmen müsste und beschwert sich über Billigkonkurrenz. Im nächsten Absatz sagt sie dann, ein Herrenhaarschnitt mit Waschen kostet bei ihr 18,00€. Das heißt, diese Billigkonkurrenz, über die sie sich beschwert, ist sie ja eigentlich selbst.
Lösungsansatz Sensibilisierung klingt gut, funktioniert aber offensichtlich nicht. Warum tun sich Ihrer Meinung nach die Friseure nach wie vor so wahnsinnig schwer Preise zu erhöhen?
AW: Weil es oft ein Hobby mit Taschengeld ist.
Aber das gilt doch nicht für die Unternehmer?
AW: Viele Unternehmer sagen immer: „Unsere Kunden schauen aufs Geld“, das ist aber falsch. Denn sie kaufen auch bei Hermes, Gucci, Rolex, etc.. Das Problem im Friseurhandwerk ist, dass viele noch immer im Kopf haben, jeder muss zu uns kommen können.