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Credit: Dominik Tjumen

09.06.2026

„Es wird zu sehr auf Eigenverantwortung der KundInnen gesetzt“

Dominik Tjumen hat durch Color Analysis seine Sicht auf Haarfarbe grundlegend verändert. Im Interview erzählt er, warum er frühere Beratungen revidieren musste und weshalb es mehr Expertise im Salon braucht.

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imSalon Redakteurin Juliane Krammer im Gespräch mit Color-Expert Dominik Tjumen

Dominik, wie bist du zur Farb-Spezialisierung gekommen?
DT: Ich habe bei Tony&Guy gelernt. Wie in vielen englischen Friseurfirmen entscheidest du dich dort für eine Ausbildung zum „Stylist“ oder „Colorist“. Von Anfang an hatte ich mehr Spaß an Farbe und konzentrierte mich komplett darauf. Durch mein ADHS bin ich immer tiefer eingestiegen bis ich über TIK TOK die „Color Analysis“ für mich entdeckte.

Das scheint ein absoluter Trend zu sein …
DT:
Gerade die koreanische Farbanalyse mit den zwölf Jahreszeiten, statt der vier - wie wir es in der Ausbildung lernen, boomt!

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Farbanalyse mit den zwölf Jahreszeiten, statt der vier - wie wir es in der Ausbildung lernen, boomt!

Was ist in dem 12 Jahreszeiten-System anders?
DT: Neben Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt es noch weitere acht Paletten innerhalb dieses Systems. Als Colorist konnte ich die zwölf Farbpaletten einfacher differenzieren. Eine Ausbildung zum Make-up-Artist gab mir noch mehr Einblick in Haut-, Augen- und Lippenfarbe, um das menschliche Farbspektrum besser zu verstehen.

Warum ist es so wichtig den richtigen Farbtypen zu erkennen?
DT:
Die Farbanalyse ist wichtig, wenn es darum geht, Alterszeichen zu kaschieren. Man merkt sehr deutlich, wenn man die falschen Farben trägt, wirken Falten tiefer, Augenringe blauer, die Haut verliert an Frische und rote Flecken treten stärker hervor.  Die allgemeine Meinung dazu ist, dass wir das mit Make-up kaschieren sollen, aber das muss nicht sein.

Die Farbanalyse ist wichtig, wenn es darum geht, Alterszeichen zu kaschieren.

Aus Sicht der FriseurInnen: Warum reichen die vier Jahreszeiten nicht aus, um die optimale Farbe für die Person am Salonstuhl zu erreichen?
DT:
Wenn du nur mit den vier Jahreszeiten arbeitest, kannst du lediglich 40-50 % der Menschen eine halbwegs passende Analyse geben. Viele KundInnen bleiben dann mit offenen Fragen zurück: Warum passen gewisse Farben trotzdem nicht?

Du weißt, wie essenziell die Farbanalyse für die richtige Haarfarbe ist. Warum ist das Thema für viele FriseurInnen noch Neuland?
DT:
Nicht jede Friseurin hat Lust darauf, sich damit zu beschäftigen. Das ist auch OK. Jeder hat sein Steckenpferd und die vier Jahreszeiten sind einfach genug, um das Thema grundsätzlich zu verstehen. Kundinnen kommen in den Salon, wissen was sie haben wollen und das wird umgesetzt. Eine korrekte Farbanalyse ist komplex und man muss sich umfassend damit beschäftigen. Ich bin der Meinung, dass es ein Bildungsangebot für FriseurInnen geben muss. Es braucht diese Tools und das Know-how rund um die Color Analysis.

Hat sich deine Arbeitsweise als Haarfarb-Experte verändert, seit du dich mit Color-Analysis beschäftigst?
DT:
Ich musste viele meiner alten Aussagen und Beratungen revidieren. Aber so einiges ist auch schlüssiger geworden.

Ich musste viele meiner alten Aussagen und Beratungen revidieren.

Hast du Beispiele?
DT:
Ich war sehr lange der Meinung, dass ich bei jemandem mit blauen Augen einen Kupferton zur Farbe hinzufüge, weil es die Farbkraft der Augen hervorholt. So habe ich es in meiner Ausbildung gelernt: Blau und Orange sind komplementär und heben sich gegenseitig hervor. Diese Gewohnheit haben viele FriseurInnen. Sie fixieren sich auf einzelne Merkmale und betonen diese. Aber jetzt habe ich meine Analyse erweitert und meine Haarfarb-Ergebnisse sind passender und schmeichelnder geworden. Gleichzeitig wurde ich aber auch vorsichtiger bei extremen Veränderungen. Nur wenige Leute passen in krasse, bunte Paletten.

... meine Haarfarb-Ergebnisse sind passender und schmeichelnder geworden. 

Hat die Friseurbranche den Zug „Color Analysis“ verpasst?
DT:
Ich wünsche mir, dass sie sich dem Thema öffnet und sich diesem Fortschritt widmet, aber die Friseurbranche ist sehr konservativ. Im Moment ist noch viel Eigenverantwortung von den KundInnen gefragt. Der Bedarf ist noch nicht ausreichend und die Industrie noch nicht unter Druck, um zu reagieren. Aktuell wird noch vermittelt: Du fühlst dich alt, deswegen musst du dich schminken und nicht: Du trägst die falschen Farben.

Vielen Dank, Dominik, für dieses spannende Gespräch! Alles Gute für deine Zukunft!

Über Dominik Tjumen

Der Düsseldorfer Dominik Tjumen ist Colorist, Farb-Experte und Make-up Artist. Auf Social Media informiert er über 100.000 UserInnen täglich zum Thema Haarpflege und Farb-Analyse.

@dominiktjumen

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