Ihr bietet auch an, ein erstes Beratungsgespräch per Telefon oder online zu machen. Wird das genutzt?
MM: Ganz ehrlich – nein. Ich finde es aber wichtig, das trotzdem anzubieten, wenn es doch jemand möchte. Genauso wie unser Abholservice von der U-Bahn-Station – die meisten Leute sind gar nicht so hilflos, wie man denken würde.
Sind Soziale Barrieren ein Thema bei euch?
MM: Wir denken darüber nach, Silent Cutting anzubieten, das man wie die Gebärdensprache, einfach dazubuchen kann. Montags und Dienstags schauen wir jetzt schon, dass wir ruhigere Tage machen, für Leute, die es eben brauchen. Wir haben Menschen hier, die mit Lärm nicht so umgehen können, die machen sich dann die Kopfhörer rein. Ein Kunde von uns hat angefragt, ob wir für die Stunde die Musik ausmachen können – wir versuchen Rücksicht zu nehmen, wo es geht und dann auch nicht drei andere Kundinnen gleichzeitig dazuhaben.
Es gibt von ABC jetzt Produkte mit Brailleschrift drauf. Wie ist das bei euch mit Produktverkauf, wenn jemand nicht oder schlecht sehen kann?
MM: Brailleschrift ist cool, keine Frage - bei unseren Produkten ist aber bei allen Kundinnen der Duft das verkaufsstärkste Argument. Wir haben Philip Martin’s Produkte und die riechen unglaublich gut. Und das Fühlen darfst du nicht vergessen, als erstes greift man sich immer in die Haare. Zur Anwendung gibt es von uns immer viele Tricks - für alle, unabhängig, ob jemand die Schrift lesen kann.
Neukunden zahlen bei euch mehr für den ersten Besuch – das ist normalerweise genau andersrum…
MM: Wir planen unsere Termine mit gewissen Zeiten, daher haben wir unsere Preise nach Haarlängen gestaffelt. Bei neuen Kunden braucht man auch einfach länger. Man muss herausfinden, wo man mit den Haaren hinmöchte und was möglich ist, manchmal auch: Was man noch retten kann. Manche haben auch eine Friseurangst, da muss man sich erst rantasten und mehr Zeit nehmen.
Was ist denn eine Friseurangst?
Daniela Hutterer: Die wurden mal verschnitten und haben seither einfach Angst. Ich hatte gestern eine Kundin da, die war 5 Jahre nicht beim Friseur und hat von einer Freundin von uns gehört. Das bedeutet mir sehr viel, wenn sie mir vertraut und – no pressure – aber sie war dann sehr zufrieden.
Seid ihr der To-Go-Place für Leute mit Behinderungen in Wien?
MM: Nicht unbedingt, weil so gut wie jeder Mensch hat bereits seinen Friseur. Man recherchiert erst, wenn man nicht zufrieden ist. Es kommen aber immer wieder Leute auf der Durchreise zu uns – wenn man barrierefrei sucht, findet man uns.
Die meisten unserer Kundinnen kommen über Empfehlungen von Freunden und wir wollen auch gar nicht so viel Werbung machen. Es fühlt sich für uns nicht harmonisch an, wenn es um Ruhe und Entspannung geht, dann laut schreiend dafür zu werben. Wir wollen eine private Oase bleiben und eine Weiterempfehlung ist die ehrlichste Werbung.