Raphaela Kirschnick im Gespräch mit Julia Klöckner MdB, wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, im Rahmen der LIV Friseure & Kosmetik Rheinland Mitgliederversammlung am 28.10.2024
Das Friseurhandwerk leidet unter einer fiskalischen Zweiklassengesellschaft. Mehrwertsteuer ist dabei mittlerweile ein preisbildender Kostenfaktor, den über 30% der Friseurbetriebe als Kleinunternehmen nicht haben. Dafür steht seit Jahren die Forderung der Mehrwertsteuerreduktion auf 7% im Raum. Wie stehen Sie dazu?
Julia Klöckner: Es ist klar, dass die wirtschaftliche Situation von Friseurinnen und Friseuren äußerst angespannt ist. Nach mehreren Lockdowns während Corona, den 2022 stark gestiegenen Energie- und Verbrauchsgüterpreisen und nunmehr einem Arbeits- und Fachkräftemangel sind viele Saloninhaber und ihre Mitarbeiter erschöpft. Was im Friseurgewerbe beispielhaft zu sehen ist, betrifft jedoch auch andere Branchen in vergleichbarem Umfang. Es gilt zusätzlich zu berücksichtigen, dass die Bundesregierung derzeit versucht, ein strukturelles Haushaltsdefizit von annähernd 20 Mrd. Euro zu schließen, und bisher weiterhin unklar ist, wie sie für das Jahr 2025 einen verfassungskonformen Haushalt aufstellen möchte. Immer noch gilt der Grundsatz, dass die öffentlichen Haushalte von Bund und Ländern auch weiterhin finanzierbar bleiben müssen. Wenn der Bundesfinanzminister einen überzeugenden Finanzierungsvorschlag vorlegt, wird eine temporäre Absenkung der Mehrwertsteuer auf Friseur-Dienstleistungen an uns nicht scheitern.