Heiko Schneide über die TSE Kassensysteme | C: Maik Lagodzki

01.04.2021

Heiko Schneider: Die TSE Pflicht führt zu großer Verunsicherung im Markt

Mit 1. April 2021 müssen elektronische Kassensysteme eine zertifizierte TSE angeschlossen haben. Welche Herausforderungen es da noch gibt, erklärt uns Heiko Schneider...

im Gespräch mit Raphaela Kirschnick

Heiko, mit 1.4. tritt die Pflicht zur TSE (Technische Sicherheits-Einrichtung) Zertifizierung in Kraft. Wie ich dich kenne, bist du bereits bestens ausgerüstet?
Heiko Schneider:
(lacht) Ach na ja, ich hatte ja viel freie Zeit, mich damit auseinanderzusetzen. Eigentlich war die Umsetzung ja auch schon für Januar 2020 verpflichtend, wurde nur coronabedingt verschoben. Jetzt ist die TSE bei allen Kassensystemen Pflicht- nicht nur bei Friseuren. Das sorgt für noch mehr Verunsicherung.

Weshalb? Es war doch lange klar, dass die TSE Pflicht kommt!
HS:
Ja, aber viele Kollegen haben erwartet, dass die Frist nochmals aufgeschoben wird. Nun, das ist nicht passiert. Aber allen Gewerbetreibenden werden hiermit enorme Kosten aufgebürdet, um in die Technik zu investieren. Es geht leider nicht ohne Investitionen und das ist aktuell für niemanden einfach.

Wie sieht es auf Anbieter-Seite aus, haben da alle ihre Systeme aktualisiert?
HS:
Dieser Prozess der Softwareanpassung hat sogar dazu geführt, dass einige kleine Kassenanbieter vom Markt gegangen sind, weil es auch für sie zu kostspielig wurde. Die Anpassung der Software an die Vorgaben der Bundesfinanzverwaltung zur TSE stellte alle vor riesigen Herausforderungen, zeitlich und finanziell.

Beschreibe mir für mich als Dummy was die TSE macht?
HS:
Durch dieTSE wird jeder Bon und jede Transaktion mit einer Signatur versehen. Sämtliche Aktionen und Änderungen werden mit einer eindeutigen Kennzeichnung versehen. Damit werden Manipulationen an digitalen Aufzeichnungen unmöglich. Aufzeichnungen, die einmal mit der Kasse registriert wurden, können nicht mehr geändert oder gelöscht werden. Für die Finanzverwaltung wird manipulatives Vorgehen an der Kasse noch einfacher nachvollziehbar.

Und was wird mit der Kasse gemacht, um diese TSE zu integrieren?
HS:
Es gibt zwei technische Varianten für die Aufrüstung. Zum einen über eine Schnittstelle in der Hardware, zum Beispiel im Bon-Drucker oder einer USB Schnittstelle. Auf einer integrierten Chipkarte wird alles mitgeschrieben, was im Zahlungs- und Dokumentationsprozess relevant ist.
Ebenso soll es eine Cloud Lösung geben, da gibt es allerdings gerade Ärger, dass diese noch nicht zertifiziert ist.

Was wäre der Vorteil der Cloud-Lösung?
HS:
 Na ja, es ist davon auszugehen, dass diese billiger ist, aber eigentlich weiß man das noch nicht genau. Am Anfang waren viele der Meinung bloß nicht in Hardware investieren und auf die Cloud-TSE warten. Fakt ist, es gibt aktuell keine zertifizierte TSE-Cloud Lösung, die eben seit 1.4. gesetzlich vorgeschrieben ist.

Wie hast Du das Problem gelöst?
HS:
Wir haben uns von Beginn an für eine Hardware-Lösung, für Bondrucker von Epson entschieden. Ich habe mich für Epson entschieden, dort ist diese Schnittstelle integriert und zertifiziert. Ich setze in solchen Angelegenheiten gerne auf den Marktführer, denn wenn das einer in den Griff kriegt, dann der.

Wie sieht es bei Kolleginnen aus?
HS:
Viele haben den Lockdown genutzt, um sich um Ihre Technik zu kümmern, das war auch gut. Einige andere machen glaube ich die Augen zu und sagen sich, warten wir mal ab. Viele setzen auch darauf nicht gleich geprüft zu werden.

Was sagst du denen?
HS:
Es führt nichts an dieser technischen Grundlage vorbei, ob uns das gefällt oder nicht. Ich bin froh, dass wir auf die Hardware gesetzt haben und eine zertifizierte TSE liefern und installieren können. Langfristig möchten auch wir beide Varianten anbieten, Hardware- und Cloud-Lösung. Wir sind gespannt, wann die Zertifizierung der Cloud TSE vollzogen ist und was diese dann kostet.

Was ist deine kurzfristige Empfehlung für alle, die noch nicht umgerüstet haben?
HS:
Wer jetzt noch keine zertifizierte TSE hat, sollte sich schnellstmöglich einen Kassenanbieter suchen, der das anbietet. Im Moment kann man nur Hardware-TSE empfehlen, weil man nicht weiß, ob und wann die Online-Lösung in der Cloud zertifiziert wird.

Was bringt die TSE?
HS:
Es ist ein weiterer Schritt der Umsetzung der sogenannten KassenSichV (Kassensicherungsverordnung). Diese wird dafür sorgen, dass die Branche ihr Geschäftsmodell sauberer gestalten muss. 2019 kam die Bonpflicht, dann die Kassennachschau und jetzt die TSE. Dieser Dreiklang macht es immer schwieriger etwas an der Kasse vorbeizuführen und das ist gut so, fairer eben für alle Marktteilnehmer! Vor allem für die Unternehmer, die schon fair am Markt spielen.

Aber wenn jemand keine Kasseneingabe macht, dann ist auch TSE egal, oder?
HS:
Ja, aber es gibt die Bonpflicht, und ich würde die unangemeldete Kassennachschau nicht unterschätzen. Die Leute vom Finanzamt gehen zum Friseur, wenn die am Ende keinen Bon erhalten, schaut das ganz schlecht aus für den Unternehmer. Ich kenne einige Unternehmer, die bereits eine Kassennachschau hatten.  

Ich nehme an, mit der Öffnung werden auch die Kontrollen wieder intensiver?
HS:
Die Chance geprüft zu werden ist durch den Dreiklang von Bonpflicht, Kassennachschau und TSE im Vergleich zu früher bedeutend gestiegen.

Was machen eigentlich Unternehmer ohne eine elektrische Kasse, die gibt es ja auch noch?
HS:
Jeder, der eine elektrische oder elektronische Kasse hat, muss gesetzlich auf die TSE umrüsten. Einzig und allein die Salons mit einer offenen Ladenkasse sind von der TSE-Umrüstung befreit, allerdings ist die Dokumentationspflicht extrem gestiegen. Da muss alles per Hand extrem genau dokumentiert werden.

„Jede Kasse braucht eine eigene zertifizierte TSE…“

Gibt es eigentlich ein offizielles Zertifikat?
HS:
Ja, das gibt es, die Anforderungen dafür kommen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und wird in Zusammenarbeit mit von diesem autorisierten Unternehmen erstellt. Epson hat zum Beispiel für Ihre Bondrucker das BSI-Zertifikat.

Aber du musst an jeder Kasse einen TSE-Bondrucker haben, man darf auch diese Investition nicht unterschätzen. Setzt man auf eine Server-Lösung, ist dies auch nicht gerade preiswert. Insgesamt also eine wieder einmal hohe Bürde, die den Unternehmen hier vorgeschrieben wird.

Was kostet so ein Bondrucker?
HS: Das ist unterschiedlich je nach Anbieter.

Ist das eigentlich eine einmalige Investition?
HS:
Auch das ist leider ein weiteres unschönes Detail der Kassensicherungsverordnung, die Zertifizierung jeder einzelnen TSE ist nur 3-5 Jahre gültig und muss dann erneuert werden.
Aber ich persönlich bin bereit das zu investieren, wenn damit endlich das Schwarzgeld verschwindet und die Wettbewerbsbedingungen fair werden.

Vielen Dank Heiko für deinen Einblick in die Computerkassenwelt und weiterhin viel Erfolg.