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03.02.2022

Barbara Martin: Kinder - die Kunden von morgen? Bullshit!

Kinder werden immer anspruchsvoller, wollen Muster rasiert bekommen oder ein besonderes Styling. Warum Kinderhaarschnitte ihren Preis kosten dürfen erklärt Barbara Martin aus Baden-Württemberg mit verständlichen Vergleichsbeispielen.

Im Interview mit Juliane Krammer

"Warum soll ein Kinderhaarschnitt weniger kosten? Ich brauche mehr Zeit, denn die Kinder zappeln und sind oftmals unruhig."

Liebe Barbara Martin, Sie sind Solo-Selbstständig in Baden-Württemberg. Wie sind ihre Kinder-Preise gestaltet? 
Barbara Martin: Bis 14 Jahre kostet Waschen, Schneiden, Föhnen 24,50 Euro. Das wird bei mir ganz gut angenommen. Natürlich gibt es Leute, die sagen: „Da vorne kostet ein Haarschnitt für mein Kind 7 Euro“. Dann sage ich: „Dann müsst ihr eben dort hin für den Schnitt, wenn ihr es günstiger haben möchtet“. Warum soll ein Kinderhaarschnitt weniger kosten? Ich brauche mehr Zeit, denn die Kinder zappeln und sind oftmals unruhig. Ich habe Kinder auch schon am Boden geschnitten, denn ich bin dagegen, ein Kind festzuhalten, damit man schneiden kann.

"Kinder, die Kunden von morgen? Bullshit! Aus den Kleinen werden Jugendliche, die sich einen anderen Friseur suchen, weil ich zu alt geworden bin."

Wie viele Kinderhaarschnitte machen Sie in einer Woche? 
BM: 1-2 Kinder sind es pro Woche. Jetzt in der Coronazeit waren es weniger. Das liegt aber auch daran, dass nebenan die Kinderhaarschnitte um 7 Euro angeboten werden. Aber das gönne ich den Kollegen auch. Ich frage mich nur, wie sich das wirtschaftlich rechnet. Wenn die zwei Kinder in einer Stunde schneiden, haben sie 14 Euro in der Kasse. Die Fixkosten bleiben ja immer gleich, der Handwerksbeitrag bleibt auch gleich.
Wenn KollegInnen zu mir sagen: „Kinder müssen günstiger geschnitten werden, weil das sind die Kunden von morgen.“, dann sage ich: „Das ist Bullshit, das stimmt nicht!“. Der Grund: Aus den kleinen Kindern werden Jugendliche, die sich dann einen anderen Friseur in ihrem Alter suchen, weil ich zu alt geworden bin. Kinder von Heute wohnen morgen nicht mehr vor Ort. Sie gehen studieren oder machen ein Auslandsjahr oder ziehen weg und wechseln den Friseur.

Gibt es manchmal verärgerte Eltern, die gerne ein Gratisschnitt für ihre Kinder möchten, weil sie Stammkunden sind?
BM: Ich stelle Eltern, die Nachwuchs bekommen einen personalisierten Gutschein für den ersten Haarschnitt aus. Das ist mein Goodie.
Kinder werden ja immer anspruchsvoller. Die Jungs wollen Muster reinrasiert und Mädchen Locken oder einen Zopf nach dem Schnitt geflochten. Kinder bekommen ja auch eine Zusatzleistung.
Es ist eine Einstellungssache: Wenn sich Eltern den Preis für den Kinderhaarschnitt nicht leisten wollen, dann bleiben auch irgendwann die Eltern mit ihrem Haarschnitt beim günstigen Friseur. Dann sollen sie das machen.
Warum sich als Friseur unterpreisig hergeben? Ich muss mir auch den Meisterlohn gönnen. Wenn ich mit einem Kind Schuhe kaufen gehe, sind die Schuhe auch nicht günstiger, genauso ist die Brezel beim Bäcker nicht günstiger, etc.

Gibt es noch etwas zur Thematik, das Ihnen am Herzen liegt?
BM:
 Wenn mich eine Kundin anruft und fragt, was Strähnen und Schnitt kostet, dann kann ich ihr keinen Preis sagen, sondern erst nachdem sie bei mir war und ich eine ordentliche Beratung gemacht habe. Ich vergleiche das immer mit einem neuen Badezimmer – da kann ich ja auch nicht anrufen und fragen, was das kostet, bevor man sich das angesehen hat und weiß, was der Kunde möchte. Es gehören mehrer Faktoren dazu, wie groß, welche Ausführung etc. … Da müssen Friseure aufwachen und nicht Phantasiepreise machen. Ich stehe jedem Meister-Friseur zu, dass er Haareschneiden kann, aber die KollegInnen denken oft mit dem Geldbeutel der Kunden und sind schlechte Betriebswirte.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!

Barbara Martin ist Solo-Selbstständige im Salon Frisör Team Martin in deutschen Murg / Baden-Württemberg.