Der vielprämierte Stylist, "Hall of Fame" Member der Hairdressing Awards und Salonunternehmer aus Oberösterreich findet es befremdlich, sich von Staats wegen um seine Existenz sorgen zu dürfen oder nicht. © Markus Wache

08.01.2021

Alex Lepschi: Es befremdet, vom Staat diktiert zu bekommen, für seine Existenz sorgen zu dürfen oder nicht

Mit „Jetzt erst recht Mentalität“ manövriert der vielprämierte Österreicher sein Team Lepschi & Lepschi durch die Wogen des mittlerweile dritten Lockdowns der Nachbarn und sammelt sich aktuell für die Planung 2021: Seminare ja, nur wann? Auf keinen Fall aber digital! Preise erhöhen? Eher nein. Aber dafür mit den Augen der anderen sehen.

Im Telefoninterview mit Katja Ottiger
 

Alex, wie geht es euch im dritten Lockdown?
Alexander Lepschi: Entsprechend gut. Die Situation ist doch für alle gleich. Es ist befremdlich und eine ziemliche Belastung, sich von Staats wegen um seine Existenz sorgen zu dürfen oder nicht. Ein Teil des Unternehmerhandelns hat mit Planbarkeit zu tun und im Moment kannst du nur auf Sicht fahren, das ist herausfordernd. Aber wir haben die Zeit, in der wir offen hatten, immer bis zum Anschlag ausgenutzt, deshalb stehen wir relativ gut da. Jetzt ist es gut, dem Team Ruhe zu geben.

Was hat dich persönlich in den letzten Monaten bei Laune gehalten?
AL:
Ich bin einsehr resilienter Mensch. Ich habe Verantwortung für andere, meine ganze Familie lebt von diesem Unternehmen, das ist Motivation genug! Ich habe diese „Jetzt erst recht!“ – Mentalität, obwohl es zwischendurch Phasen gegeben hat, wo ich nur noch dachte „Bitte lass es aufhören!“
Ich bin dankbar, dass wir ein super aufgestelltes Team haben - menschlich, fachlich, beratend - und dass meine Leute nach den Lockdowns jeweils 200 Prozent gegeben haben. Unsere gelebte Aus- und Weiterbildung hat sich bezahlt gemacht!

Apropos. Wann startet ihr wieder mit Seminaren in eurer Academy in Linz?
AL: Ich habe mir gesagt: Alex, bis Anfang Januar lässt du dir mal Zeit! Wir werden jetzt langsam mit der Planung für 2021 starten und schnellstmöglich die Seminare präsentieren - absagen kann uns die Regierung die ja immer noch (lacht).

„Digitale Seminare - der Markt ist aus meiner Sicht überschwemmt.“

Sind digitale Seminare bei euch ein Thema?
AL: Für die offiziellen Seminare eher nicht, der Markt ist aus meiner Sicht schon überschwemmt. Es braucht auch den klassischen Kurs mit einem Trainer. Ich habe mir immer schon gern Cut & Color Videos sehr intensiv angeschaut, wir haben sogar Schneidevideos aus den 90ern digitalisiert.

Die dauerten damals im Schnitt 45 Minuten und waren viel lehrreicher, detaillierter! Heute sind die Videos zusammengeschrumpft, um einen Schnitt inklusive Finish in 4 Minuten über die Bühne zu bringen. Da entstehen Informationslücken, die ein unerfahrener Stylist nicht füllen kann.

Was nimmst du dir aus dem Jahr 2020 mit?
AL: Erstes Resümee: Wir haben vieles richtig gemacht! Videotrainings mit dem Team und den Auszubildenden, da wurden Zwischenschritte gefilmt und Feedbacks geben. Um wieder frisch im Kopf zu werden, haben wir einen internen Trendreport entwickelt. Stylisten haben Looks gesammelt, Schnittzeichnungen gemacht, Techniken entwickelt. Daraus sind Collagen entstanden, die meine Schwester Christina, die grafisch versiert ist, aufbereitet hat. Die wurden ausgedruckt und laminiert und liegen nun im Salon für die Kunden als Inspiration aus.

Was könnte sich ändern?
AL:
Bei allen Entscheidungen holen wir auch das Team mit ins Boot, um gemeinsam Rahmenbedingungen neu zu setzen. Ein Beispiel: Wir haben eine neue Stylistin aufgenommen und hatten hier die Herausforderung, mit ihr den internen Ausbildungsweg durchzugehen, wie das bei uns Standard ist. Das war reines Improvisieren, weil wir mal im Salon waren, dann wieder Lockdown war. Diese Situation hat Einfluss darauf, wie wir intern die Blöcke und „person to person“ Schulungen verändern werden und eventuell intern auch Online mit in die Planung nehmen.

„In dieser on / off Situation ist es wichtig, einen hohen „Pro Kopf“ - Umsatz zu haben.“

Werdet ihr jetzt Preise erhöhen?
AL:
Ehrlich gesagt haben wir uns noch nicht entschieden. In dieser on / off Situation ist es wichtig, einen hohen „Pro Kopf“ - Umsatz zu haben, denn es wird dir gegebenenfalls die Zeit am Kunden genommen werden. Also muss man sich klar fragen, wie hoch dieser Faktor sein sollte. Momentan sind wir bei uns in Linz im Premiumsegment und ich tendiere derzeit eher zu Nein. Unternehmen, die vor allem über den günstigen Preis funktionieren, haben es jetzt definitiv schwerer, auch diese, die vorher schon führungstechnisch und preislich im Mittelmaß herumgeschwebt sind.

Welche Förderungen hattet ihr in Anspruch genommen?
AL: Umsatzersatz und Kurzarbeit. Mit 80 % Umsatzersatz kann man ja gut leben, aber der fließt langsam. Bis jetzt kam da nichts, im Moment finanzieren wir uns aus unseren Rücklagen.

Warst du mit der Arbeit der Innung zufrieden? (Anm: Die Mitgliedschaft in der Innung Österreich ist verpflichtend, ähnlich der deutschen Handwerkskammer.)
AL:
Ich habe ein gutes Verhältnis zu Wolfgang Eder (Bundesinnungsmeister Österreichs, Anm.) und hatte das Gefühl, dass die Leute in der Innung gekämpft haben, um im Bereich ihres Möglichen alles ausschöpfen. Dafür möchte ich mich bedanken - auch bei unserer oberösterreichischen Innungsmeisterin Erika Rainer! Man darf nicht vergessen: Die machen das freiwillig und haben in ihren Salons dieselben Probleme wie wir! Wir sollten froh sein, dass die Leute das für uns machen! Frag doch mal jemanden mit Mitte 20, ob er den Job machen möchte! ICH möchte das nicht! Es ist immer leicht, auf Facebook einen klugen Spruch zu machen, aber die Sachen wirklich in die Hände zu nehmen, ist etwas anderes.

"Was mich anzipft (...) wir mussten schließen und in den Skiliftschneisen tummeln sich die Leute!"

Das Jahr 2020 ist Geschichte, liegt dir noch etwas auf der Zunge?
AL:
Was mich anzipft, ist, dass man irgendwann den Eindruck hat, einzelne Ministerien bestimmen irgendwie, wie einzelne Maßnahmen auszusehen haben. Jeder Gastronom, jeder Friseurunternehmer fühlt sich doch auf den Arm genommen, dass er schließen muss und in den Skiliftschneisen tummeln sich die Leute so, dass nicht einmal mehr eine Babyelefantenmücke durchpasst.

Diese mangelnde Akzeptanz ist schade, denn drei Ängste sind doch präsent: erstens die Angst vorm Virus und die Konsequenzen einer Ansteckung. Zweitens die Angst, wie mit unseren Freiheitsrechten umgegangen wird, bis hin zu einer Diktatur. Und drittens die existenzielle Finanzangst. Wie diese Ängste gewichtet sind, ist individuell. Hier braucht es Verständnis und den Versuch, mit den Augen der anderen zu sehen.

Alex, ich danke dir, für die Zeit, die du dir spontan genommen hast und freue mich auf das, was aus dem Hause Lepschi & Lepschi in 2021 zu erwarten ist.

Fakten Lepschi & Lepschi Hairdressing

  • 1 Salon in Linz plus Lepschi & Lepschi Academy
  • ca. 20 Mitarbeiter inkl. 4 Lehrlinge
  • Mehrfachnominierungen und Gewinne bei diversen Wettbewerben
  • www.lepschi-lepschi.at