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14.01.2018 - 15.01.2018

Treffen der Obermeister | Darmstadt

Nackte Zahlen und Reformen. Obermeister Jahresauftakt beim Zentralverband ...

Feuer frei beim Jahresauftakt der Obermeister

Ehrliche Diskussionen, verschiedene Ansichten, Ansätze, Meinungen. Informative Vorträge und immer wieder offene Worte. Der Zentralverband erkennt die Zeichen der Zeit, ihm ist bewusst, sich nach der Decke strecken zu müssen. An die 80 ObermeisterInnen des Zentralverbandes des deutschen Friseurhandwerks - hier herrscht geballte Frauenpower - waren gekommen, man ging in konstruktiven Austausch. Die Kernthemen Nachwuchsgewinnung, neue Prüfungsverordnungen, Mindestentgelttarife. 
 

Über Lehrlingszahlen und Ressourcenverschwendung

Zu Beginn präsentiert der Zentralverband ein paar Zahlen: 
Nicht neu, seit 2001 sinken die Lehrlingszahlen. Von insgesamt 46.335 (2001) auf 22.182 im Jahre 2016. 
2017 wurden um 3,7 % weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen, in Zahlen: 10.452 (2016: 10.650) (Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung BiBB). 
Der Friseurberuf ist nach wie vor in den Top 10 der beliebtesten Berufe bei Mädchen (Platz 7). 
Ein neuer Trend macht sich bemerkbar: Es gibt um 25% mehr männliche Auszubildende, zurückzuführen auf Zuzug aus anderen Ländern. Über den tatsächlichen prozentualen Gesamtanteil gibt es keine Zahlen. 
Wer kann, studiert. 2016/2017 begannen 509.760 junge Menschen ein Erstsemester, in 10 Jahren werden 80% der Schulabgänger einen höheren Bildungsabschluss haben.

Das Fass zum Überlaufen bringen aber die erschreckenden Zahlen der Ausbildungsabbrüche! Die schlagen mit 49,6 % zu Buche! Trauriger Rekord im deutschen Handwerk. Jeder zweite bricht seine Ausbildung vorzeitig ab! Woran das liegt? Erwiesenermaßen am Ausbildungsbetrieb. Allerdings gibt es keine Zahlen über die, die innerhalb der Friseurbranche den Betrieb wechseln. Dramatisch ist es allemal. 
 

Image und Wege aus der Krise

Man ist sich einig, es braucht ein konstruktives Hineindenken in die Generation Z. Fakt ist, die Jugendlichen überlegen sich ganz genau, an wen sie sich 3 Jahre lang fix binden. Es braucht Perspektiven und flexible Konzepte für junge Leute in der (dualen / privaten / Verbund-) Ausbildung. Der Bachelor of Arts Business ist ein wichtiger Schritt, wissenshungrige Jugendliche zu füttern. Denn, wie Laura Meschde-Pützin ihrem Vortrag treffend zitierte: "Könnte man Friseur 'studieren', wäre für viele die Welt bereits in Ordnung." (Deutsche Kinder- und Jugendstiftung)

Aber für eine erfolgreiche Ausbildung reicht es nicht aus, ausschließlich neue Prüfungsinhalte zu generieren, es müssen auch finanzielle Anreize geschaffen werden, wie eine Umsatzperformance vor Ende der Lehre. Es muss mit Herz über private Ausbildungssysteme und über digitale, interaktive Lernsysteme nachgedacht werden, à la Meininghausund Pivot Point!
 

Reform der Gesellen – und Meisterprüfungsverordnung

Derzeit erarbeitet der Zentralverband als Bindeglied zwischen Handwerk und Politik die Reformen, am 06.02. geht der ZV mit Sozialpartner ver.diin den Diskurs über einen Mindestentgelttarifvertrag und die Definition des Mindestabstandes zum staatlichen Mindestlohn. Man zeigt sich offen für eine Verbesserung der bundesweiten Ausbildungsvergütung, die Obermeister sitzen hier mit im Boot. „Ein wichtiger Schritt, der Mindestlohnbranche zu entfliehen und die Chance für Landesinnungen, eigene Lohngitter zu schaffen.“, so ZV—Präsident Harald Esser
Eine Umstellung der Ausbildungsordnung Gesellenprüfung und Meisterprüfung könnte bis Ende des Jahres/Mitte 2019 über den Tisch sein. 

Die Vorträge. Reichlich Stoff für Gespräche und Diskussionen

  • Laura Meschde-Pütz, ZV Referentin Berufsbildung und Organisation über Karriere im Handwerk
  • Katrin Rasch, wiss. Mitarbeiterin am Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) präsentierte ihren Strukturentwurf zum Meister der Zukunft
  • Alexandra Masuck, Präsidentin Lehrer im Berufsfeld Körperpflege, brachte amüsant und direkt allen die Genration Z näher
  • Axel Meininghaus, Akademie der Friseure Meininghaus, über seine Arbeitsweisen und private Ausbildungsmöglichkeiten
  • Robert Fuhs, ZV Vorstand und Vorsitzender des ZV Ausschusses für Berufsbildung, präsentierte offen und reformbereit, wohin es mit der Friseurbranche gehen kann
  • Dr. Christian Sperle, ZV des deutschen Handwerks, ging auf bildungspolitische Schwerpunkte des Gesamthandwerks ein und erläuterte Handlungsstrategien des ZV
  • Jan Laan, Pivot Point Vice Präsident International, macht sich für digitale Ausbildung stark