Auch die Pläne zur Stärkung der Tarifbindung, zu steuerlichen Entlastungen bei Mehrarbeit, zur Fachkräfteeinwanderung und zur Investition in berufliche Bildung lesen sich vielversprechend. Der politische Wille, Handwerk – und damit auch uns – zu stärken, ist spürbar.
Doch Papier ist geduldig. Was zählt, ist die Umsetzung – und die muss schnell, praxisnah und unbürokratisch erfolgen. Denn während in Berlin weiter beraten wird, kämpft unsere Branche mit Problemen, die die Strukturen des Friseurhandwerks massiv ins Wanken bringen.
Ein Mindestlohn von 15 Euro bis 2026? Wir teilen grundsätzlich das sozialpolitische Anliegen, auch wenn es kaum noch schwammiger zu formulieren ist. Aber ohne spürbare Entlastungen bei Energie, Steuern und Abgaben wird das für viele Salons zur wirtschaftlichen Zerreißprobe. Und hier liegt das Problem, zumindest für unser Handwerk. Turbo-Abschreibung, Strompreispaket und Steuersenkungen (dann auch bitte für Einzelunternehmen) hören sich gut an. Das Friseurhandwerk kann und wird von diesen Maßnahmen profitieren. Aber leider nur in einem begrenzten Rahmen. Die für uns so wichtigen Entlastungen, wie z.B. eine Reduzierung der Mehwertssteuer oder eine grundsätzliche Reform der Mehrwertssteuersystematik für arbeitsintensive Dienstleistungen, fehlt. Auch fehlt ein klares Bekenntnis zur Senkung der Sozialversicherungsbeiträge, die sowohl von Arbeitgebern als auch von Arbeitnehmern getragen werden und einen erheblichen Anteil der Lohnnebenkosten ausmachen. Eine Senkung dieser Beiträge hätte die Arbeitskosten für Unternehmen reduzieren und die Nettoeinkommen der Beschäftigten auf einfache Arte und Weise erhöhen können. Bleibt also die Hoffnung, dass die geplanten Maßnahmen in großen Teilen der Deutschen Wirtschaft Früchte tragen, die Kaufkraft stärken und den Menschen in diesem Land, unsere Kundinnen und Kunden, die notwendige wirtschaftliche Sicherheit und Zuversicht zurückgeben.