Kommentar von Rene Krombholz
„Das Handwerk hat goldenen Boden“, so hieß es früher. Auch heute sieht, dass die Mehrheit der Verbraucher bestätigt, besonders wenn es um das Friseurhandwerk geht. Die Miete, ein paar Scheren und Bürsten, Wasser, Strom … und die Mitarbeiter verdienen ohnehin wenig – da muss ja der Chef das Geld mit der Schubkarre nach Hause fahren.
So abwegig ist diese Meinung über die Gedanken der Friseurkunden nicht. Selbst Mitarbeiter, nach der Gewinnspanne in ihrem Salon befragt, schätzen diese in der Regel mit 40-60 % Gewinn ein.
Über die Realität redet kaum einer, wer will schon als Unternehmer zugeben, dass nicht alles so golden ist, wie es scheint. Die Probleme der Branche werden oft auch persönlich genommen und totgeschwiegen.
Stellt man allerdings Branchenkennzahlen mit diversen Angaben des Statistischen Bundesamtes oder des Zentralverbandes gegenüber, dann wird schnell deutlich, dass man nicht der Einzige ist, der mit irgendwelchen Problemen hadern muss.
Rund 86.021 Friseursalons gibt es Ende 2021 in der Bundesrepublik
Das sind 22.344 mehr wie zur Jahrtausendwende (63.677).
Das bedeutet bei gleichbleibender Bevölkerungszahl deutlich weniger Kunden für jeden einzelnen Salon und damit weniger Umsatz.
Diese 86.021 Salons teilen sich auf in
- 54.464 Salons, die steuerpflichtig sind und von ihrer Einnahme 19 % Umsatzsteuer abführen.
- 31.557 Salons, die steuerbefreit keine Umsatzsteuer abführen müssen. (Kleinunternehmen)
Die Kleinunternehmen
Sie verzeichnen einen Jahresumsatz von WENIGER als 22.000,- Euro im JAHR und sind aus diesem Grund von der Umsatzsteuer befreit. Das bedeutet einen Umsatz im Monat von weniger als 1.833 Euro oder bei 22 Arbeitstagen von weniger als 83,- Euro pro Tag.
Früher wurden diese in der Handwerkszählung mitgezählt. Da die Zahl der Betriebsstätten aber dramatisch gestiegen ist, wurde politisch entschieden: Diese Kleinbetriebe werden ab sofort nicht mehr mitgezählt. Ihre Zahl ermitteln wir aus der Zahl der Betriebe, die bei der BGW gemeldet sind, abzüglich der steuerzahlenden Betriebe lt Umsatzsteuerstatistik.
Nach Abzug aller Kosten dürfte sich der Gewinn / Lohn für den/die Unternehmer/in kaum über eine Summe von brutto 1000,- Euro im Monat hinausbewegen.
Die Frage muss erlaubt sein: Wie kann man davon dauerhaft seinen Lebensunterhalt bestreiten? Wie sind hier Qualitätssicherung und Weiterbildung möglich? Fragen, die bisher offen bleiben ...