
07.11.2025
„Wir wollen nicht die Größten, sondern die Besten für unsere Partner sein“
Loyalität, rote Linien und positive Energie - Wir wachsen mit Haltung, so beschreibt Blerim Salja Keunes Weg im deutschen Markt.
Raphaela Kirschnick im Gespräch mit Blerim Salja, General Manager Keune Deutschland
Seit 2018 gibt es Keune im deutschen Markt, du bist seit 2022 General Manager. Was macht Keune anders und besonders?
Blerim Salja: Wenn ein Friseur einen Konfigurator hätte und die Optionen Qualität, Liebe zum Detail, Fokus auf Menschen, Schwerpunkt Weiterentwicklung, Geschwindigkeit und sehr hohe Loyalität auswählen würde, dann käme am Ende sehr oft KEUNE heraus. Der Friseur steht bei uns immer an erster Stelle.
„Wenn du mit KEUNE unterwegs bist, bedeutet das viel Dynamik und positive Energie.“
Keune ist eine niederländische Traditionsmarke. Wie prägt diese Herkunft eure Produkte?
BS: Ich habe viele Jahre in unserer Industrie gearbeitet – mal war es das Französische, mal das Deutsch/Amerikanische. Das Niederländische hat eine ganz eigene Dynamik, wie die pulsierende Stadt Amsterdam. Wenn du mit KEUNE unterwegs bist, bedeutet das viel Dynamik und positive Energie.
Wie drückt sich die positive Energie aus?
BS: Da ist dieses „Wir können alles schaffen“, verbunden mit einer großen Dankbarkeit in Richtung Friseur – das habe ich so noch nie erlebt. KEUNE kommt aus der Apotheke, und diese Apotheken-DNA für absolut höchste Qualität steckt in jedem Produkt.
Wie prägt das Niederländische euren Umgang mit FriseurInnen?
BS: Das Holländische, das auch die Friseure spüren, ist dieser offene, familiäre, freundliche, energiegeladene Umgang miteinander.
Welches Ziel habt ihr euch für den deutschen Markt gesetzt?
BS: Es klingt kurios, aber wir wollen nicht die Größten, sondern die Besten für unsere Partner, sein. Wenn es nur um Größe geht, dann geht es zwangsläufig nur um Ergebnisse und dann trifft man ganz schnell Entscheidungen, die vielleicht gegen den Friseur sind.
Aber auch ihr müsst wachsen wollen?
BS: Natürlich, aber ohne unsere Heritage zu verraten. Beispielsweise haben wir uns bewusst gegen die Belieferung von China entschieden. Für den Verkauf direkt in China sind Tierversuche vorgeschrieben; das passt nicht in unseren Wertekatalog. Wir wollen einen Unterschied machen!
„Unser Fokus liegt weiterhin auf Colorationen, unsere Forschung und Entwicklung arbeitet hier an Großem.“
Wo liegt Keunes größte Wachstumschance: Farbe, Care, Styling, Men/Barbering oder Services? Warum gerade dort?
BS: Im Moment schielen alle Richtung Care. Allerdings verbinden damit auch alle den Onlinemarkt. Obwohl wir gerade einen großen Relaunch unserer Care-Linie abgeschlossen haben, liegt unser Fokus weiterhin auf Colorationen, unsere Forschung und Entwicklung arbeitet hier an Großem.
Seht ihr im Farbmarkt Wachstumschancen?
BS: Absolut! Am Ende ist es genau das, womit der Friseur den Unterschied machen wird: beim Schnitt und bei der Farbe. Der Care-Service wird das unterstützen. Aber der große Unterschied ist immer mit dem Auge – denn der Endverbraucher sieht die Farbe und den Schnitt.
„KEUNE zieht eine sehr klare rote Linie.“
Wie definierst du „Salon-Exklusivität“ im Jahr 2025 – und wo zieht Keune die rote Linie zu e-Retail/Marketplaces?
BS: KEUNE zieht eine sehr klare rote Linie. Der Friseur genießt bei uns den höchsten Stellenwert. Wir arbeiten offiziell mit zwei Vertriebspartnern und dem eigenen Onlineshop und da verdient der Friseur an jedem Produkt mit.
Sollten wir dennoch Produkte in ungewünschten Kanälen entdecken, kaufen wir diese auf, tracken den Verursacher und sperren ihn. Alle unsere Partner haben Verträge, in denen genau drinsteht, wie man sich mit dem Produkt zu verhalten hat.
„Ich kann aber sehr wohl entscheiden, wie und wann er es einkauft.“
Aber daran müssen sie sich nicht halten.
BS: Kartellrechtlich darf ich das in der Tat nicht vorschreiben. Ich kann nicht entscheiden, wie er es verkauft. Ich kann aber sehr wohl entscheiden, wie und wann er es einkauft. In Holland sitzen Personen, die nichts anderes machen, als die Marke zu bewachen.
Welche strukturellen Veränderungen im Friseurmarkt beeinflussen eure Planung am stärksten?
BS: Weiterbildung ist uns sehr wichtig. Aber viele Chefs stehen mittlerweile selbst länger am Stuhl und haben weniger Mitarbeitende. Dadurch sind unsere In-Salon-Einsätze hochgegangen; Seminare als solche, werden weniger. Hier müssen wir mit der Zeit gehen und denken Weiterbildung konstant und bedarfsgerecht neu.
Du bist seit 3 Jahren in der Rolle, was war deine mutigste unternehmerische Entscheidung bei Keune – und welches Risiko hast du bewusst in Kauf genommen?
BS: Ich habe viele neue Mitarbeitende eingestellt, in Zeiten, wo viele eher abgebaut haben, nach Covid. Als ich anfing, waren wir zu sechst. Heute sind wir 34 im Team. Das war pures Risiko, denn wir wussten ja nicht, ob die Entwicklung das hält. Im Nachhinein weiß ich: es war genau richtig.
Welche Technologie-Trends treiben eure Forschung & Entwicklung momentan?
BS: Wir nehmen derzeit das Segment der Farbmasken in den Fokus. Hier liegt viel Potential auch für die Kundenansprache, mehr kann ich noch nicht sagen.
„Wir müssen den Friseur in seinem Tun stärken …“
Du sprachst vorhin von der großen Bedeutung von Education. Was macht euch hier besonders?
BS: Wir müssen den Friseur in seinem Tun stärken und dazu alle möglichen Maßnahmen nutzen. Wir haben in diesem Jahr einen internationalen Preis für unsere KEUNE-Online-Academy als beste E-Learning-Plattform erhalten. Das war eine große Bestätigung.
Ich habe das Gefühl Online-Education lässt wieder stark nach. Täusche ich mich da?
BS: Bei uns sind tatsächlich die In-Salon-Seminare superbeliebt – vor allem die, die tailor-made sind. Wir arbeiten mit jedem Kunden individuell, angepasst an seine Ausgangssituation und Bedürfnisse. Parallel verzeichnen wir eine wahnsinnige Steigerung bei der Nutzung der Online-Academy. Die ist wirklich anders, sehr spielerisch und mit abschließenden Tests. Das spornt jeden an.
Kann man da Zahlen nennen, wie viele die Online Academy regelmäßig nutzen?
BS: Wir sprechen lieber über Wirkung als über Zahlen: Unsere Online-Akademie hat unter anderem dazu geführt, dass viele Partnersalons ihre Teams kontinuierlich weiterbilden – unabhängig von Ort und Zeit.
Wie pflegt ihr eure KEUNE Community?
BS: Sehr wichtig! Die Community pflegen wir durch regelmäßige Events, gemeinsame Dinner, aber auch durch den ständigen Kontakt mit Holland. Am 19. Januar findet dort wieder ein riesiges Ambassador-Event statt.
Was ist ein Ambassador bei euch?
BS: Das sind unsere Flagships, die eine ganz besondere Exklusivität mit der Marke leben. Aktuell gibt es in Deutschland 40 Ambassador-Salons.
Wie wird man Ambassador?
BS: Ein KEUNE Ambassador Salon ist für uns ein Botschafter für Qualität, Vertrauen und ein tiefes Werteverständnis. Es geht nicht darum, der größte oder bekannteste Salon der Region zu sein, sondern vielmehr darum, Leidenschaft, Engagement und den Willen zur Weiterentwicklung zu zeigen. Ambassadore sind Salons, die mit unternehmerischem Denken, Kreativität und echter Begeisterung für die Marke überzeugen – und damit vor Ort einen spürbaren Unterschied machen.
Eine Sache, die du im Friseurhandwerk am liebsten morgen abschaffen würdest?
BS: Ich würde mir wünschen, dass Friseure sich über den Wert ihrer Kreativität und ihrer handwerklichen Fähigkeiten bewusster werden. Der Friseur ist systemrelevant – das wusste während Corona jeder, aber jetzt scheint es wieder vergessen. Ich wünsche mir, dass FriseurInnen wieder vor Selbstbewusstsein strotzen.
Was prägt deinen Führungsstil?
BS: Ich bin ja leidenschaftlicher Fußballer und habe immer in einer führenden Position gespielt. Leader und Teamleader gleichzeitig zu sein, das hat mich von klein auf sehr geprägt. Zusätzlich habe ich ich Kampfsport gemacht, das schärft den Kampfgeist.
Vervollständige bitte: „Keune wird 2026 im Salonalltag, …“
BS: …spürbarer sein.
Blerim, ich danke dir für das Gespräch und wünsche weiterhin viel Erfolg.