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Pierre Legouez im Gespräch mit Raphaela Kirschnick | Credit: Alois Müller

19.02.2019

Pierre Legouez: Franchise boomt, aber nicht bei Friseuren

Seit 30 Jahren ist Pierre Legouez Franchisegeber mit Mod´s Hair! Wir wollten wissen wie zeitgemäß Franchise eigentlich bei Friseuren ist…

Seit wann ist mod’s hair ein Franchise Unternehmen?
Pierre Legouez:
Mod’s hair gibt es seit 50 Jahren und seit 1985 in Deutschland, das mache ich von Anfang an.

Damals versus heute: Was hat sich verändert?
PL: In puncto Franchise hat sich nicht viel verändert, in der Friseurbranche ist Franchise noch eher ein unbekanntes Terrain, wenige interessieren sich dafür. Schaut man in andere Branchen, boomt das Franchise-System so richtig. Vom System her hat sich auch nicht viel verändert, es ist immer das gleiche Prinzip.

Warum ist es dann so schwierig in der Friseurbranche Franchise umzusetzen, obwohl es in allen anderen Bereichen boomt?
PL:
Weil ein Friseur immer davon träumt seinen Namen groß rauszubringen. Er möchte keinen anderen Namen tragen, obwohl das Paradoxe ist, dass man sich dann doch irgendwie einen Synonym-Namen aussucht, ob das jetzt „Hairline“ ist oder ähnliches.

Für mich es unverständlich, sich nicht an den Namen einer großen Marke dranhängen zu wollen, wo etwas dahintersteckt und die etwas repräsentiert.

Es gab ja bereits andere Wettbewerbs Franchisesysteme in Deutschland!
PL:
Und da ist viel Negatives passiert. Leider gab es wenig, dass das Franchisesystem für Friseure in Deutschland attraktiv gemacht hat, es gibt auch nicht sehr viele, vier oder fünf. In Frankreich sind das hunderte.

Was macht Frankreich anders? Ist es die Mentalität?
PL: In Deutschland hat man viele Ketten, hier findet eher eine große Filialisierung statt. In Frankreich ist diese nicht so ausgeprägt, dafür gibt es eben viele Franchisesysteme. Ob das mit der Mentalität zusammenhängt, ich weiß es nicht.

Der große Trend der Mikronisierung, Einzelperson-Unternehmen etc… Spüren Sie das?
PL: Das Problem mit dem Personal gibt es allgemein, ist ja klar, wenn man Personalmangel hat, wird der Salon reduziert. Früher hat man Salons mit 20 Plätzen geöffnet, jetzt schaut man, dass man 8 Plätze bearbeitet bekommt. Nicht wegen Kundenmangel, sondern, weil das Personal fehlt.  

Wie viele Mod’s hair Franchisenehmer haben Sie?
PL:
Weltweit 250, in Deutschland sind wir bei 40.

Ist die Anzahl stagnierend oder gibt es einen Zuwachs?
PL: Das stagniert momentan, die Entwicklung ist gebremst durch den Personalmangel.

Wie häufig wird wieder ausgestiegen aus Franchise?
PL: Wir haben Franchisenehmer, die wirklich sehr lange dabei sind. Die meisten sind über 10 Jahre dabei, das zeigt, dass sie zufrieden sind mit dem System an sich. Dass jemand aussteigt, passiert eher aus Altersgründen, aber da versuchen wir dann, dass es ein Mitarbeiter übernimmt. Der Zuwachs wird momentan sicherlich gebremst durch die Personalsituation in Deutschland.

Drei Vorteile, die man als Franchisenehmer bei Mod’s Hair hat?
PL: Erstens, ein kontinuierliches Schulungssystem, zweitens unser Modeanspruch, drittens der wirtschaftliche Aspekt.

Wie kann ich mir das Schulungssystem vorstellen? 
PL: Bei mod’s hair werden alle Mitarbeiter in den Salons geschult. Es wäre nicht möglich 250 Salons weltweit auf einem so hohen Niveau zu halten, wenn wir die Qualität nicht kontrollieren könnten. Wichtig ist, dass in einem mod’s hair Salon alle Mitarbeiter die gleiche Sprache sprechen. Das heißt nicht, dass sie nicht kreativ sein dürfen. Die Leute bekommen in unseren Schulungen eine Technik angeeignet, mit der sie exakt, präzise und effizient arbeiten können.

Das ist ein wichtiger Punkt, den wir an unserem Franchisesystem schätzen. Saloninhaber haben die Freiheit zu wählen, wen und wie oft sie jemanden in die Schulungen schicken.

Und was bedeutet für Sie in diesem Zusammenhang Mode?
PL:
Die Kollektionen aus Paris! Das ist bei mod’s hair das Charakteristische (zeigt auf Plakate an der Wand). Mod’s Hair hat einen Frisuren-Stil geschafft, wie die großen Designer in der Textilindustrie. Schulung und Modetrends – das ist alles miteinander verbunden, das ist das, was die Kundin schätzt, wenn sie zu mod’s hair kommt.

Haben Mod’s hair Salons bessere Umsätze?
Die Salons werden von uns betriebswirtschaftlich betreut und man sieht auch, dass die Salons überdurchschnittliche Umsätze erreichen. Das ist auch ein Grund, warum es Franchise-Salons seit 10, 20, 30 Jahren gibt und teilweise auch in dritter Generation übernommen wurden. Das spricht für sich, das System funktioniert.

Ist eine Preisgestaltung vorgegeben?
PL: Preisgestaltung ist vorgegeben, aber wir orientieren uns natürlich an der jeweiligen Stadt. Man kann in Hamburg nicht die gleichen Preise anbieten wie am Land. Wir wollen nicht die teuersten in der Stadt sein, aber schauen schon, dass wir im oberen Mittelfeld liegen.

Arbeitet mod’s hair weltweit mit einer Marke?
PL: Ja, unser Hauptlieferant ist L’Oréal, das ist weltweit gleich, wobei je nach Land noch ein oder zwei weitere Partner dazukommen, die gewisse Spezial-Produkte anbieten oder die regional wichtig sind. Auch ein Vorteil unseres Systems ist, dass wir eine eigene Marke anbieten können, individuell gemacht für mod’s hair.

Stichwort Wirtschaftlichkeit, kann man sagen, was man als Franchisenehmer spart?
PL: Wenn man eine Einnahmen/ Ausgaben Liste macht, dann sieht man, dass man mit Franchising Geld spart.

Wie viel?
PL: Das fängt schon beim Einkauf an. Wenn man weltweit 250 Salons hat, bekommt man beim Hauptlieferant L’Oréal andere Preise als ein Salon mit 3-5 Mitarbeiter.  

Kaufen Sie international bei L’Oréal?
PL: Nein, wir haben einen Rahmenvertrag, der uns gewisse Konditionen gewährleistet. Ein neuer Salon, der gerade anfängt, bekommt sofort diese Konditionen.  

Welche Vorteile gibt es noch wirtschaftlicher Natur?
PL: Wenn man einen Salon eröffnet, ist man bei der Schulung der Mitarbeiter voll auf die Industrie angewiesen. Das sind wir mit unseren individuellen Schulungen nicht, denn wir haben unsere eigene Academy und Trainer, ob für Colorationen, Schnitt, Trend… Wenn man das als Einzelunternehmer will, ist das sehr teuer. Wir von mod’s hair haben unsere eigenen Fotoshootings, exklusiv für den Salon und bieten viel Marketingunterstützung. Zum Beispiel unser eigenes Kundenmagazin, das kann man sich als einzelner Friseur kaum leisten.

mod's hair Franchisenehmertreffen | Credit: Alois Müller

Wenn ich sage, ich möchte in Darmstadt einen mod’s Hair Salon eröffnen 200 qm, 10 Bedienstühle. Wie sieht’s da aus? Was würde mich das kosten?
PL: Zunächst bezahlen sie eine einmalige Einstiegsgebühr von 6000 €, damit kaufen sie ein Schutzgebiet, in dem sie allein mod’s hair verwenden dürfen. Die Schulung ihres Personals, Beratung, Hilfestellung, Architekten, das ist alles mit diesen Kosten abgedeckt.

Danach zahlt man eine monatliche Franchisegebühr, die beläuft sich auf 4% des Nettoumsatzes. Man startet mit 500 € im ersten Jahr, danach wird die Gebühr monatlich umsatzbezogen festgelegt. Allerdings nur bis maximal 1.600 €, bei Mehrumsatz gehört die Differenz dem Salon.

Sie sprachen von Gebietsschutz. Wie kann ich mir das vorstellen?
PL: Wir legen einen Gebietsschutz bei Städten mit 250.000 Einwohner. In Großstädten wie Hamburg, Düsseldorf, etc. gibt es natürlich mehrere Salons, das wird dann in Gebiete aufgeteilt. In Millionenstädten gibt es 3-4 Franchisenehmer. Der erste Franchisenehmer kann natürlich auch einen zweiten Salon aufmachen.

Gibt es Kilometerbegrenzungen?
PL: Nein, wir haben ja auch in Mönchengladbach und Krefeld Salons und das in einem Umkreis von 40  km. Das stört niemanden, denn jeder Salon hat ein eigenes Potential und Ruf und dadurch, dass der Name bekannt ist, ist das noch besser.

Gibt es Studien, wie die Marke mod’s hair von Kunden wahrgenommen wird?
PL: Ich glaube man braucht keine Studie dafür. Wir haben eine Akzeptanz von Kunden und von Neukunden, die sehr groß ist, das sehen wir ja in den Zahlen der Salons. Das ist für uns die Bestätigung, dass wir richtig liegen und das nicht nur in Deutschland. Wir sind momentan sehr stark in der Entwicklung in Asien, in Japan ist mod’s hair Nummer 1. Korea, China entwickelt sich stark und auch in der USA haben wir angefangen. Der Stil von mod’s hair ist international gefragt.

Potenzielle neue Franchisenehmer, sind das eher Mitarbeiter, die entscheiden, dass sie sich selbstständig machen wollen oder eher Fremde?
PL: Das habe ich schon mal berechnet, über 50 % sind Mitarbeiter aus den eigenen Reihen. 

Credit: mod's hair

Wie zukunftssicher ist Franchise?
PL:  
Sehr, ich glaube es gibt kein anderes System, das so sicher ist, wie Franchise. Das sieht man ja schon daran, wie lange Franchisenehmer bei uns dabei sind.

Es gibt Salonchefs die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Wenn sie einen Salon mit ihrem eigenen Namen haben, dann ist das häufig eine Belastung als Chef, immer präsent sein zu müssen. Ich bin kein Friseur, habe aber einen Salon, doch niemand weiß, dass ich der Chef bin, das macht vieles einfach.

Sie sind gar kein Friseur, wie sind sie eigentlich dazu gekommen?
PL: Ich habe mich schon als kleines Kind in Friseure verliebt. Meine Tante hatte einen Friseursalon und da war ich immer fasziniert von dieser Stimmung. Warum ich nie Friseur gelernt habe, weiß ich nicht, das bereue ich auch. Aber es hat sich eben anders ergeben.

Und wie kamen Sie dann zu mod’s hair?
PL: Damals war ich im L’Oréal Vertrieb und viel in Paris. In Frankreich boomte Franchise schon in den 80er Jahren. Da dachte ich dann ok, das mache ich in Deutschland. Dann habe ich mit ein paar Leuten gestartet und die sind immer noch mit dabei. Dennoch ist es schwieriger, als ich gedacht habe. Die Leute haben immer ein bisschen Angst, sich einer großen Organisation „auszuliefern“, dabei sind die Leute bei uns frei. Jeder Franchisenehmer ist anders, aber bekommt alles, was er braucht.

Was wünschen Sie sich für die Branche?
PL: Modernisierung!!! Die Branche muss sich auf das Jahr 2020 vorbereiten und nicht auf das Jahr 1950. Die jungen Leute muss man ansprechen können, aber das ist eine Riesenbaustelle.

 Ich bin schon so lange dabei und ich habe gesehen, wie schwierig es ist, in Deutschland etwas Neues zu machen, was zu verändern. Verbände stehen sich selbst im Weg, sind blockiert und das ist eigentlich schade in einer Branche, in der es um Kreativität geht.
Die Friseurbranche sollte eine Branche sein, in der jeder Friseur drinnen sein möchte. Aber das ist nicht so, das ist nicht mehr sexy, die Leute sind nicht interessiert. Entweder man tut bald etwas oder man lässt die Branche sterben.

Gibt’s schon eine mögliche Nachfolge für Sie?
PL:
Es heißt „mod’s hair“ und nicht „mod’s hair by Pierre Legouez“. Wenn mein Name draufstehen würde, würde ich mir Gedanken machen. Ich bin zwar in einer Führungsposition, aber ersetzbar.

Wie lange möchten Sie noch in Ihrer Führungsposition bleiben?
PL:  Ach, noch 100 Jahre (lacht), solange es Spaß macht. Ich habe dank meiner Mitarbeiter unheimlich viel Spaß. Ich verschwende momentan überhaupt keine Gedanken daran, etwas anderes zu machen oder auf dem Golfplatz zu spielen. Solange die Mitarbeiter mich noch haben wollen, komme ich.   

Pierre Legouez, vielen Dank für dieses interessante Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit mod’s hair!