26.06.2019

Fouad El Assaous: Revlon Professional und American Crew auf gemeinsamem Kurs

Über Fouad El Assous
seit 01/ 2019 - Commercial Director für Revlon Professional und American Crew
aktuell Interim Vertretung für General Managerin Anke Telthörster (Mutterschutz)

Zuvor Karriere in leitenden Funktionen bei L’Oréal Professionel und ghd

Im Gespräch mit Raphaela Kirschnick

„Wir werden noch nicht als EINE Company gesehen“

imSalon: Fouad, du bist verantwortlich für Revlon Professional, aber auch American Crew, Equave und viele andere Marken. Wie kann ich mir das Markenkonstrukt vorstellen?
Fouad El Assous:
Wir sprechen von den ‚Revlon Professional Brands‘, denn Revlon Professional soll als ganzheitliche Marke am Markt gesehen werden. Unsere Marken- und Produktvielfalt ist sehr groß, das ist gar nicht jedem bekannt. Equave ist sicherlich eine der bekanntesten Marken mit großem Kundenstamm. Es gibt insgesamt viele Revlon Professional  Kunden und auch viele American Crew  Kunden. Untereinander ist nicht jedem klar, dass diese Marken zusammengehören. Wir werden noch nicht als EINE Company gesehen.

Wohin entwickeln sich die Marken?
FeA:
Seit Juni letzten Jahres arbeiten wir verstärkt daran, unser Markenbild neu und sehr klar für den Friseur zu positionieren. Wir sind eine Premiummarke und haben uns vom Produktlieferanten hin zu einem Allround Partner für den Friseur entwickelt. Die Eröffnung unserer Academy am Unternehmensstandort in Wiesbaden im letzten Jahr war der Startschuss dafür.

Ich gestehe, ich habe Revlon lange nicht als „Friseurmarke“ wahrgenommen, da sie sehr retaillastig besetzt ist. Werdet ihr damit konfrontiert?
FeA:
Gute Frage!Wir sind in der Tat damit konfrontiert, denn ja, viele Endverbraucher kennen die Marke Revlon aus dem Bereich der dekorativen Kosmetik. Meine Mutter war schier begeistert, als ich ihr erzählte, dass ich zu Revlon wechsle. Im gleichen Atemzug meinte sie: „Das ist doch nicht mehr Friseurbusiness“, denn sie kennt die Topmodel Kampagnen von Revlon aus den 80ern. Es ist schön, für eine Marke zu arbeiten, die bekannt ist. Aufklären, zu sagen, wer wir sind, das ist jetzt unsere Mission.

Kann der Massenmarkt für friseurexklusive Produkte ein Hindernis sein?
FeA:
Überhaupt nicht, wichtig ist doch, dass eine Beauty Kompetenz dahintersteckt und die Marke eine große Bekanntheit hat. Die haben wir zweifelsohne und das mit einer langen Historie. Außerdem werden friseurexklusive Produkte selbstverständlich nicht aktiv von uns im Massmarket vertrieben.

Du bist derzeit Commercial Director und Anke Telthörster ist im Mutterschutz. Eine große Herausforderung?
FeA: Hauptverantwortlich bin ich für die Bereiche Vertrieb und Education. Das Professional Business ist die Welt, in der ich groß geworden bin. (lacht)

Ich finde das total spannend! Du hast L’Oréal und ghd Background, Anke Telthölster kommt von Aveda, Tobias Staehle von Goldwell und kms. Ihr vereint hier Kräfte aus sehr unterschiedlichen Häusern.
FeA:
Das ist großartig und genau das, was wir brauchen. Anke hat dieses "Service im Salon Denken" pur gelebt. Das bereichert Revlon Professional, bringt Ideen und einen hohen Anspruch, großartig.
Ich habe viele Marken betreuen dürfen und bei L’Oréal viel gelernt, das Unternehmen hat ja unterschiedliche Zeiten durchgemacht, Außendienstrestrukturierung, Partnerschaftsbildung. Da habe ich viel mitgenommen, das ich nun mit einbringe.

Was erwartet ihr euch von Tobias Staehle?
FeA:
Viele Impulse, aber hauptsächlich eine zusätzliche Dynamik und Präsenz im Markt. Wir haben ein tolles Education Programm, ein starkes Marketingpaket, ein umfassendes Produktportfolio, aber das ist noch nicht 100% im Markt bekannt. Das ist aktuell die Haupttätigkeit unserer Außendienstkollegen: Die Identität von Revlon Professional Brands am Markt verstärkt sichtbar zu machen. Und deshalb ist Tobias, der sehr bekannt ist und sehr geschätzt wird, großartig für uns.

Wie viele Leute gibt es im Außendienst?
FeA:
Rund 30 Mitarbeiter, zusätzlich gibt es Verkaufsleiter und Key-Account Manager. 

American Crew ist eine klassische Marke für den Herrenbereich, eine der bekanntesten. Wie weit ist die Marke durch den Barbertrend gepusht worden?
FeA:
American Crew hat es geschafft, nicht auf einen Trend aufzuspringen, der Trend ist auf die Marke aufgesprungen. Dabei mussten wir sehr aufpassen, nicht ausschließlich in die Barberecke gesteckt zu werden. Wir sind ja keine reine Barbermarke, sondern eine Herrenmarke mit Vollsortiment.

Wo geht denn der Herrentrend hin?
FeA:
Der bleibt und wird auch in Zukunft bleiben. Vor zehn Jahren ging es mit Metrosexualität los, damit dass auch Männer sich mit verschiedenen Produkten waschen können (lacht). Heute spricht Herrenpflege ja wirklich jeden Mann an. Da legt die Industrie gerade erst richtig los. Der Barbertrend hat auf jeden Fall geholfen, wieder Mann sein zu dürfen.

 

Ihr habt neben der Revlon Professional Academy ja auch einen eigenen Barbershop in Wiesbaden. Wie viele Herrenfriseure trainiert ihr hier im Jahr?
FeA:
Mindestens alle zwei Wochen absolvieren ca. zwölf Personen eine Ausbildung bei uns. Es gibt ein festes Ausbildungsprogramm, vom Master of Men‘s Grooming bis hin zum American Crew All-Star.

Worauf liegt euer nächster Männerfokus?
FeA: 
Aktuell feiern wir 25 Jahre American Crew und haben eine Kooperation mit Harley Davidson und Fokus auf unsere vielfältigen Stylingprodukte laufen. Gegen Ende des Jahres werden wir wieder zwei neue Bartprodukte lancieren. Wir sind mit American Crew ein Vollsortimenter und bieten für jeden Mann das richtige Produkt an.

Sind weitere Academy Standorte bei euch geplant?
FeA:
Nicht direkt! Wir arbeiten mit Partnersalons, z.B. Black Label in Berlin, zusammen, wo wir Trainings durchführen können und erarbeiten mit unseren Kunden auch individuelle Konzepte. Ich komme aus einem Unternehmen, das in mehreren Städten Akademien hatte - es ist nicht einfach, das zu bespielen und wir wollen jedem Kunden gerecht werden.

„Die Bereitschaft der Stylisten in Ausbildung zu investieren ist zurückgegangen“

 

Ist Aus-und Weiterbildung eine Herausforderungen?
FeA:
Generell ist in den letzten 5 Jahren die Bereitschaft der Stylisten in Ausbildung zu investieren zurückgegangen. Salonunternehmer wollen nicht mehr in Leute investieren, die dann vielleicht irgendwann wieder gehen. Das verstehe ich zwar, aber was passiert, wenn wir nicht mehr in unsere Leute investieren? Letztes Jahr wurden zum ersten Mal mehr Salons geschlossen als eröffnet. Wer wird ausbilden? Vielleicht wird das irgendwann die Industrie machen müssen.

Wie könnte das aussehen?
FeA:
Wir unterstützen unsere Kunden sehr stark mit Aktionen rund um Aus- und Weiterbildung. Der Außendienst erstellt mit Salons einen Educationplan und kann ihnen individuell entgegenkommen, was die Ausbildung angeht. Darauf setzen wir!

Was sind für Dich die größten Herausforderungen im Markt?
FeA:
Die Geschwindigkeit der Digitalisierung! Und die Kombination von Retail und Dienstleistung, sowie der Wandel der Industrie, sich am Markt für den Friseur und Endverbraucher anzupassen. Das ist eine große Herausforderung.  Wir wollen deshalb unsere Salon Partner stärken, ihren Kunden eine besondere Experience im Salon zu bieten, denn Kunden erwarten heute mehr als nur einen Haarschnitt. Mit der Einführung der Eksperience Serie bewegen wir uns genau in diese Richtung, den schönsten Moment des Friseurbesuchs zu zelebrieren.

Euer Ziel?
FeA:
 Klare Positionierung und Abgrenzung zum Wettbewerb. Wir wollen in Zukunft zu den Top Playern im Markt gehören.

„Wir haben mit Revlon Professional und American Crew noch sehr viel vor“

Wo steht Ihr jetzt?
FeA:
 Aktuell sind wir unter den Top 10 aber wir haben mit Revlon Professional und American Crew noch sehr viel vor.

Was wünschst du dir?
FeA:
Zeit, viel Zeit mit meiner Familie (lacht)! Das ist mein ganz privater Wunsch. Für Revlon Professional wünsche ich mir, dass wir am Markt noch viel verstärkter als Premiumpartner wahr und ernst genommen werden. Unsere Mitarbeiter sind außerordentlich motiviert und bereit, jede Extrameile dafür zu gehen. Ein tolles Team!

Lieber Fouad, dann wünsche ich Dir und Deinem Team weiterhin eine erfolgreiche und spannende Zeit, vielen Dank für das Gespräch.