Dirk Specht betreibt ein Friseurunternehmen mit 15 Mitarbeitenden, bildet aus und ist Obermeister der Friseurinnung Hanau | Credit: Phototechnik 24

25.07.2025

Preis- und Lohndilemma: „Wir müssen Kampagnen für Endverbraucher fahren“

„Faire Löhne brauchen faire Preise!“ Klingt logisch, aber ist es das - vor allem für Kunden? Dirk Specht, Friseurunternehmer und Obermeister der Friseur-Innung Hanau über das, was ihn als Friseurunternehmer im Jahre 2025 beschäftigt.

Steigende Kosten, Nachwuchsmangel und Schattenwirtschaft setzen bekannterweise viele Friseursalons unter Druck. Mutige Preisanpassungen sind notwendig, um Betriebe zukunftssicher aufzustellen. Zwischen steigenden Löhnen, stagnierenden Preisen und wachsendem Wettbewerbsdruck kreist alles um die eine zentrale Frage: Was ist ein Haarschnitt wert – und wie lässt sich ein wirtschaftlich tragfähiges Preisgefüge mit fairer Entlohnung verbinden?

Schraube im Kopf der Endverbraucher lösen

Tat schlägt Wort! Für ►Dirk Specht reicht es nicht, nur Kampagnen in die Politik zu fahren! „Wir müssen Kampagnen für die Endverbraucher machen. Wir alle!“, appelliert Dirk Specht. „Und dafür muss jeder in seinem Salon seinen Job machen und die Schraube im Kopf der Endverbraucher lösen. Denn faire Preise und faire Löhne können nur zusammengehen, wenn der Knopf im Kopf bei den Endverbrauchern aufgeht“, ist der Betreiber eines Friseurbetriebes in 3. Generation mit 15 Mitarbeitenden und 3 Auszubildenden überzeugt.

Eine Idee: Sein Social Media Posting, das sich gleichermaßen an Friseurunternehmende und Kund*innen richtet: An Betriebe, die den Mut aufbringen müssen, Preise ehrlich, zukunftsorientiert und verantwortlich zu gestalten. Und an diejenigen, die als Konsumenten dem mit Verständnis, Wertschätzung und fairer Bezahlung begegnen.
Geteilt wurde das Posting mehrfach von Kolleg*innen, aber auch von Kundi*nnen.

Die Frage, die die meisten Salonbetreiber*innen umtreibt, ist doch die: Wie weit gehen Kundinnen und Kunden mit und wann ist deren Schmerzgrenze erreicht? „Es ist ein Tanz auf dem Rasiermesser“, ist Dirk Specht überzeugt. „Kunden haben durch Billig-Barber-Shops und Schwarzarbeitende immer die Option, dorthin zu gehen, weil da nur der Preis zählt. Es kann ihnen auch egal sein, ob du ausbildest und brav alle deine Sozialsicherungsversicherung abführst. Und hier sehe ich natürlich die Politik am Zug, die Schattenwirtschaft zu erschweren, damit die Schere nicht noch weiter aufgeht. Gerade jetzt, wo der Mindestlohn angehoben wurde, kann einigen Friseurbetrieben die Luft ausgehen. Umso wichtiger ist es aber, in die Köpfe der Kunden hineinzukommen und gemeinsam umzudenken!“

Darum geht es Dirk Specht im Einzelnen:

Lohnerhöhungen erfordern Preisanpassungen

Mit der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns setzt die Politik ein wichtiges Zeichen. Für viele Friseurbetriebe ist es selbstverständlich, über dem Mindestlohn zu zahlen, um qualifizierte Fachkräfte zu halten und Nachwuchs zu gewinnen. Doch höhere Löhne bedeuten zwangsläufig höhere Betriebskosten – und diese müssen über entsprechende Preise gedeckt werden.

Wer auf Qualität setzt, kann nicht dauerhaft Einsparungen bei Produkten, Weiterbildung oder Hygiene vornehmen. Dauerhafte Niedrigpreise gefährden langfristig das wirtschaftliche Fundament und führen zu Qualitätsverlust.

Strukturprobleme erschweren die Nachwuchsgewinnung

Das anhaltend niedrige Lohnniveau im Friseurhandwerk schreckt viele junge Menschen von einer Ausbildung ab. Gleichzeitig scheuen sich insbesondere inhabergeführte Salons vor Preisanpassungen – oft aus Sorge vor Kundenverlust. Diese Zurückhaltung kann jedoch zu einem Teufelskreis führen: Ohne ausreichende Einnahmen sind faire Löhne nicht finanzierbar – und ohne attraktive Rahmenbedingungen fehlen Perspektiven für künftige Fachkräfte.

Schattenwirtschaft verzerrt den Wettbewerb

Während verantwortungsvoll wirtschaftende Salons Ausbildung fördern, gesetzliche Vorgaben einhalten und soziale Verantwortung übernehmen, verschärfen Anbieter im Graubereich den Preisdruck. Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und Dumpingpreise bedrohen die Existenz ehrlicher Betriebe und verzerren den Wettbewerb erheblich.

Preistransparenz und Wertschätzung fördern Verständnis

Ein offener Dialog mit Kund*innen über die tatsächlichen Kosten eines Haarschnitts und den Wert der Dienstleistung ist entscheidend. Die Erfahrung zeigt: Viele Kund*innen sind bereit, faire Preise zu zahlen – wenn sie nachvollziehen können, wofür.

Ein Friseurbesuch bietet mehr als einen Schnitt – er bedeutet Beratung, Zeit, handwerkliches Können und menschliche Nähe. Diese Leistungen müssen sich auch in der Preisgestaltung widerspiegeln.

Mut zur wirtschaftlichen Realität

Um die Zukunft des Friseurhandwerks zu sichern, braucht es unternehmerischen Mut zur ehrlichen Kalkulation und zu selbstbewussten Preisen. Nur so lässt sich ein Arbeitsumfeld schaffen, das Fachkräfte hält, Nachwuchs begeistert und langfristig Qualität gewährleistet.

Friseurunternehmende stehen in der Verantwortung, faire Löhne zu ermöglichen – und ebenso, sich vom Billiglohnimage zu lösen. Qualität hat ihren Preis – und dieser Preis ist die Grundlage für ein starkes, zukunftsfähiges Handwerk.