Gordon Schnieder, Fraktionsvorsitzender der CDU Rheinland-Pfalz | Credit: Markus Schmidt

13.11.2025

„Das Friseurhandwerk ist eine kritische Infrastruktur, diese Dienstleistung sollte absetzbar sein“

CDU-Fraktionsvorsitzender in RLP, Gordon Schnieder, über Lösungen im Kampf gegen Schwarzarbeit, haushaltsnahe Dienstleistungen und den Umgang mit Mehrwertsteuersenkung und Kleinunternehmerregelung…

Raphaela Kirschnick im Gespräch mit Gordon Schnieder, Fraktionsvorsitzender der CDU Rheinland-Pfalz und Oppositionsführer im rheinland-pfälzischen Landtag.

Herr Schnieder, Sie sind zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren bei der Verbandstagung der Friseurinnen und Friseure Rheinland und haben stets ein offenes Ohr. Was konnten Sie denn bereits für das Friseurhandwerk bewegen?
Gordon Schnieder: Ich bin ein großer Freund der Friseurinnen und Friseure und verstehe ihre Anliegen. In Kernthemen ist Rheinland-Pfalz allerdings noch nicht weitergekommen, das bedaure ich sehr. Aus der Opposition heraus ist unser Handlungsspielraum eingeschränkt; das wird sich hoffentlich mit den Landtagswahlen im März 2026 ändern.

Credit: Markus Schmidt

Rheinland-Pfalz ist eines der Bundesländer, in denen das Thema der Corona-Soforthilfe-Rückzahlungen noch nicht abschließend geklärt ist. Da hatten ja alle Parteien ihre Finger drin. Wie stehen Sie dazu?
GS: Die Rückzahlung der Soforthilfen ist nicht gerechtfertigt, und ich verstehe, dass dies ein belastendes Thema für viele Unternehmen bleibt. Es wird auch immer schwieriger, denn all jene, die ihre Corona-Hilfe zurückgezahlt haben, werden diese nicht mehr zurückerhalten – Stichwort Rechtsfriede. Das, was hier läuft, ist unfair.

Aufgrund betroffener Innungsmeisterinnen gab es in Rheinland-Pfalz einen starken Vorstoß zur ungelösten Situation des Mutterschutzes für Selbstständige. Wie stehen Sie dazu?
GS:
Beim Mutterschutz für Selbstständige bin ich sofort dabei – wir brauchen hier dringend staatliche Unterstützung. Ich nehme das in jedem Fall in künftige Sitzungen mit.

Einer der drückendsten Schuhe ist das Thema Schwarzarbeit. Billigsalons, etwa Barbershops, explodieren – statistische Daten (z. B. 30 % der Männer sind nur geringfügig angestellt) und die fatalen Ergebnisse bei den wenigen Stichprobenkontrollen legen nahe, dass hier flächendeckend etwas grob im Argen liegt. Wie sollte die Regierung hier agieren?
GS: Wir brauchen definitiv mehr finanzielle Unterstützung für Schwerpunktüberprüfungen von Billigsalons und Barbershops. Hier geht es nicht um Misstrauen. Jeder weiß, was dort oft abläuft.

Man könnte sich ja an Zahlen und Fakten orientieren: Wer hat einen Meistertitel, wer nicht? Wer hat viele geringfügig Beschäftigte, aber den Salon den ganzen Tag voller Kundschaft?
GS:
Dass geringfügig Beschäftigte zusätzlich schwarz bezahlt werden, ist eine Belastung für unser gesamtes System – wohlwissend, dass viele später in der Altersarmut der Allgemeinheit zur Last fallen werden.
Es ist sehr schwierig, Kontrollen flächendeckend zu gewährleisten. Kontrollorgane arbeiten in der Regel bis 16 Uhr; da verlagert sich vieles auf die Zeiten danach.
Ein weiteres Problem ist die organisierte Kriminalität. Wenn die Beamtinnen und Beamten Angst haben – und das haben sie –, dann muss die Polizei mit dazu.

Schwarzarbeit ist ja nicht nur in den Salons ein Thema. Leider ist es in kaum einem Handwerk so leicht, „nebenbei“ Geld dazuzuverdienen. In nur fünf Jahren ist der Anteil von Teilzeitkräften von 35 % auf 51 % angestiegen. Da ist viel möglich. Für das Friseurhandwerk ist das ein immenser finanzieller Schaden und für den Staat ebenso. Also, was tun?
GS: Das Friseurhandwerk ist eine kritische Infrastruktur, deshalb sollte es – wie haushaltsnahe Dienstleistungen – abgesichert sein. Eine Absetzbarkeit der persönlichen Dienstleistung halte ich für sinnvoll. Wenn jeder Kunde im Salon nach einem Bon fragen würde, wäre das ein weiterer Hebel gegen Schwarzarbeit. So könnte die Schattenwirtschaft von vornherein bekämpft werden. Dafür setze ich mich gern ein – in Rheinland-Pfalz und in Berlin.

27 % der Friseurunternehmen sind Kleinunternehmer und können ohne MwSt. ihre Preise verrechnen. Die Tendenz ist steigend, vor allem mit der neuen, höheren Kleinunternehmergrenze von 25.000 Euro. Der Staat schaut hier weg und nimmt sich dieser Argumentation nicht an.
GS:
Das ist auch schwierig, denn hier müssen wir die Diskussion gewerkespezifisch führen. Die große Frage bleibt doch: Ab wann kippt ein System? Ab 30 %, ab 35 %? Es wäre ein bürokratischer Kraftakt, für eine Berufsgruppe eine Ausnahmeregelung zu initiieren.

Eine weitere Entlastung, um die wettbewerbsverzerrende Kleinunternehmerregelung abzuschwächen, wäre die Reduktion der Mehrwertsteuer auf 7 %. Die Gastro hat diese zuletzt erhalten. Weshalb die Gastro und nicht die Friseure?
GS: Auf Lebensmittel zahlt man zum Teil 7 %, und so sollte es auch in der Gastronomie sein. Deshalb halte ich dort die 7 % für gerechtfertigt. Es wird nicht gehen, für etliche weitere Zweige 7 % einzuführen.
Bei Friseuren müsste man das prüfen – aber jeder hätte gern 7 %, und das wird nicht gehen. Da halte ich die Absetzbarkeit der Dienstleistung für zielführender.

Es gibt viele Menschen, die nicht in Ausbildung sind, nicht arbeiten, nicht studieren – während das Friseurhandwerk dringend um Nachwuchs kämpft. Was sollte die Regierung hier tun?
GS:
Wir brauchen „Tage des Handwerks“ und eine Praktikumsförderung, um mehr junge Menschen an das Handwerk heranzuführen. Handwerk kommt leider noch immer viel zu kurz. Es braucht aber auch Ansätze, um jungen Menschen in der Ausbildung entgegenzukommen.

Können Sie Beispiele nennen?
GS: Ich setze mich beispielsweise für den Führerschein ab 16 ein. Gerade auf dem Land ist das ein Muss, um Ausbildungsbetriebe erreichbar zu machen. Junge Menschen müssen dafür mobil sein; der ÖPNV funktioniert dort zu wenig.

Vielen Dank, Herr Schnieder, für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen viel Kraft für den anstehenden Wahlkampf, und das gesamte Friseurhandwerk freut sich, wenn es in seinen Anliegen gesehen wird.