

25.08.2025
Ausbildungsreport 2025: Friseure Schlusslicht bei Zufriedenheit und Qualität
Im aktuellen Ausbildungsreport 2025 des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zeigt sich: Angehende Friseur*innen schneiden im Zufriedenheitsranking auffällig schlecht ab. Alle Details...
Nur 60% der Friseur-Azubis zufrieden
Insgesamt durch alle Berufe sind 71,6% der Auszubildenden mit ihrer Ausbildung zufrieden. Im Friseurhandwerk liegt dieser Wert mit etwa 60 % deutlich unter dem Durchschnitt und erlangt damit den vorletzten Platz, knapp vor Hotelfachmännern*frauen. Die Zahl der "eher/sehr Unzufriedenen" liegt bei 7,4% der Friseurazubis.
In der Studie wurden 9.090 Auszubildende aller Berufe unter anderem Fragen zu Einkommen, Lehrinhalten, Berufsschule, Arbeitszeiten und Perspektiven gestellt.
Zufriedenheit nach Ausbildungsberufen
Fachliche Qualität der Ausbildung
Zur Wahrnehmung der Qualität der Ausbildung wurden unter anderem die Einhaltung des Ausbildungsplans, die Verfügbarkeit von Ausbilder*innen am Arbeitsplatz und die Zufriedenheit mit der Erklärung von Arbeitsvorgängen abgefragt.
Die Friseurausbildung liegt bei den Berufen mit den schlechtesten Bewertungen, gemeinsam mit Verkäufer*innen, Köch*innen, Hotelfachmännern*frauen und Automobilkaufmännern*frauen.
Nur 42,7% der Friseur-Azubis haben angegeben, überhaupt einen Ausbildungsplan bekommen zu haben. Zum Vergleich: 95,9% der Bankkaufleute haben einen solchen erhalten, der Durchschnitt durch alle Berufe sind 67,4%. Die Ausgabe eines Solchen ist gesetzlich vorgegeben. Ein solcher Plan sollte detailliert festlegen, welche Fertigkeiten, Kenntnisse und Inhalte in welchem Ausbildungsjahr vermittelt werden, welche Stationen durchlaufen werden und wie die praktische und theoretische Ausbildung aufeinander abgestimmt sind.
Ausbildungsfremde Tätigkeiten – besonders häufig im Friseurberuf
Friseur‑Azubis gehören zu jenen Berufsgruppen, die besonders oft mit ausbildungsfremden Tätigkeiten konfrontiert sind. 26,1% der Friseur-Azubis geben an, "immer" oder "häufig" Aufgaben zu verrichten, die "eindeutig nicht zu meiner Ausbildung gehören".
Als ausbildungsfremde Tätigkeit sind u.a. Aufgaben definiert, die nicht dem gültigen Ausbildungsplan entsprechen und nicht dem Lernerfolg dienen, also z.B. gering qualifizierte Routinetätigkeiten.
Überstunden in der Ausbildung
Rechtlich dürfen (auch volljährige Auszubildende) nach einem langen Berufsschultag nicht mehr verpflichtet werden, in den Betrieb zurückzukehren (Details siehe ► Studie S.44). 71,7% der Friseur-Azubis gaben an, dass diese Regelung tatsächlich eingehalten wird und sie die Zeiten des Berufsschulunterrichts nicht im Salon nacharbeiten zu müssen. Das heißt im Umkehrschluss, dass fast jeder Dritte (28,3%) nacharbeiten muss.
Subjektive Beurteilung der Ausbildungsqualität
Die persönliche Gesamtbeurteilung beinhaltet u.a. Fragen zu Erholung und zwischenmenschlichen Aspekten des Arbeitsalltags. Hier ist die Friseurausbildung nicht bei den schlechtesten bewerteten Berufen, sondern in den "Berufen der mittleren Bewertungen" gelandet, jedoch innerhalb dieser am letzten Platz.
20,5% der Friseur-Azubis fühlen sich in ihrer Ausbildung unterfordert - der höchste Wert aller Berufe. 17% fühlen sich überfordert. Gefühle der Über- und Unterforderung erzeugen Stress und wirken sich negativ auf die Zufriedenheit aus. Sie führen auch dazu, dass 45,8% der Friseur-Azubis Probleme haben, sich nach der Arbeit zu erholen.
Finanzielle Belastung
Nur 15,1% der angehenden Friseur*innen geben an, "sehr gut" oder "gut" selbstständig von ihrer Ausbildungsvergütung leben zu können. Mit durchschnittlich ►719€ Ausbildungsvergütung sind die Friseure am letzten Platz der Ausbildungsberufe.
Im Vergleich dazu sind es durch alle Berufe 37,2%, die mit dem Geld auskommen. Bei den Berufen mit über 1.000€ Ausbildungsvergütung können 43,8% "sehr gut" oder "gut" von dem Geld leben. Die Zahl jener, die "gar nicht" von ihrer Ausbildungsvergütung leben können (22,9%), ist seit 2020 um 3,6% gestiegen.
"Damit wird deutlich, dass der Anstieg der Ausbildungsvergütung nicht mit den in den letzten Jahren inflationsbedingt stark gestiegenen Lebenshaltungskosten und Mieten hat mithalten können", wird dieser Umstand in der Studie erklärt.
31,9% aller Azubis erhalten Unterstützung von ihren Eltern, 12,7% arbeiten neben der Ausbildung.
Was heißt das für die Branche?
Die Ausbildung im Friseurhandwerk kommt in diesen Studienergebnissen nicht gut weg, in den meisten abgefragten Bereichen liegt sie weit hinten oder am letzten Platz. Eine Ausbildung kann nicht als Chance gesehen werden, wenn die Vergütung zu niedrig ist, Aufgaben als irrelevant wahrgenommen werden und Ausbildungspläne nicht eingehalten werden. Das erzeugt vielmehr hohe Wechselraten, Abbrüche und unmotivierten Nachwuchs.
"Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass hier die bereits in der Vergangenheit identifizierten strukturellen Schwächen und ungünstigen Rahmenbedingungen in der Ausbildung weiterhin bestehen", heißt es in der Studie.
Schlussendlich wäre eine hohe Zufriedenheit während der Ausbildungszeit auch wichtig für einen gelungenen Übergang in ein reguläres Arbeitsverhältnis und damit für die Zukunft der Branche!


