Credit: Die Fotografen / WKO

03.12.2021

Crypto-Cuts: Ibo Carlo Coxx lässt sich in Bitcoins bezahlen

Mit Karte, bar oder in Bitcoins? Der Innsbrucker Ibo Carlo Coxx ist davon überzeugt, dass Kryptowährungen wie Bitcoins den Platz von Gold einnehmen werden.

Er bietet deswegen KundInnen in seinem Stay Sharp Barber Studio die Möglichkeit, mit sogenannten Kryptos zu bezahlen. Trend oder Zukunft? 


Ibo Carlo Coxx im Gespräch mit Juliane Krammer

imSalon: Hallo Ibo, seit Februar 2021 gibt es die Möglichkeit, in Kryptowährung bei dir zu bezahlen – als erster Friseur in Österreich. Wie kam es zu dieser Idee? 
ICC: 
Seit Anfang 2017 befasse ich mich mit dem Thema Kryptowährung. Im Lockdown habe ich mir gedacht: Ich kann entweder zu Hause hocken oder ich mache etwas Besonderes für meinen Salon. Vor allem in der Corona-Krise, als die Themen wirtschaftliche Schäden und Inflation groß waren, dachte ich: OK, jetzt oder nie.

"Ich investiere mit jeder Kryptobezahlung."


Wie läuft eine Bezahlung mit Kryptos ab?
ICC:
Ganz simpel! Natürlich benötigt man im ersten Schritt Kryptos. Hier gibt es ja nicht nur den Bitcoin, sondern viele unterschiedliche. Ich akzeptiere jede Art. Im zweiten Schritt brauche ich eine digitale Geldbörse – die Wallet. Diese funktioniert mit einer Handy-App. Die Bezahlung der Dienstleistung wird von Wallet zu Wallet versendet. Also der Kunde zahlt von seiner digitalen Geldbörse in meine ein. Der Überweisungsvorgang dauert ein bisschen. Und wenn er erfolgt ist, sehe ich das in meiner Wallet ein.

Erhältst du bei der Bezahlung Kryptowährung oder Euro?
ICC:
Ich werde bei diesem Ablauf in Kryptowährung bezahlt und ich wechsle nicht in Euros um. Denn ich habe mir vorgenommen: Jede Krypto-Bezahlung von einem Kunden zahle ich aus meiner eigenen Tasche in Euros ein. Ich investiere dieses Geld.

Deswegen habe ich den Ausweg gewählt: "Wenn man etwas anlegt, muss man es nicht versteuern."

Wie versteuert man eine Crypto Cut? Bzw. was sagt deine Steuerberaterin dazu?
ICC:
Ich habe das mit meiner Steuerberaterin besprochen und sie war anfangs überfordert. Der Prozess hat dann etwas gedauert, bis ich die Formel gefunden habe. Deswegen habe ich diesen Ausweg gewählt: Wenn man etwas anlegt, muss man es nicht versteuern.

Und wie machst du das mit der Registrierkassa?
ICC:
Man muss sich das so vorstellen: Jedes Mal, wenn ein Kunde mit Krypto zahlt und die Rechnung macht 50 Euro aus, stelle ich eine Bar-Rechnung von 50 Euro aus. Ich bezahle diese 50 Euro bar aus meiner Tasche. Der Kunde überweist mir aber vorher den Wert in Bitcoins.

Hast du deine Preisliste an die Kryptowährung angepasst?
ICC:
Leider geht das nicht, weil die Währung großen Schwankungen unterliegt. Man kann aber online ganz einfach nachsehen, wie der aktuelle Kurs ist. Bei der Bezahlung öffne ich die App und sehe mir den Kurs an und rechne den jeweiligen Coin um. Das zeige ich dem Kunden und der überweist mir über einen QR Code die Summe.

Wie oft wird das Angebot genutzt?
ICC:
Tatsächlich immer mehr. Als der Preis z.B. von Bitcoin sehr stabil war, wurde die Bezahlung gut angenommen. Durch den Hype in den Medien ist es mehr geworden. So sind es 3-4 Kunden monatlich. Meine Erfahrung ist, wenn der Wert von Bitcoin steigt, zahlen die Leute lieber mit Kryptowährung. Denn sie haben das Gefühl, sie haben Profit gemacht und deswegen können sie Geld ausgeben.

Fallen beim Bezahlen Zusatzkosten für KundInnen an?
ICC:
Ja, je nachdem, mit welchem Coin man bezahlen will, fallen Transaktionskosten an. Das reicht von ein paar Cent bis in den einstelligen Eurobereich.

Wie bezahlst du deine MitarbeiterInnen?
ICC:
Ich habe drei Mitarbeiter und diese bekommen ganz normal ihren Lohn. Die Summe, die in Kryptowährung gezahlt wurde, lege ich aus meiner eigenen Tasche in die Kassa. Aber das ist es mir wert. Ich bin kein Mensch, der jetzt groß leben will. Ich denke an morgen und das digitale Zeitalter.

"Ich glaube auch, dass Bitcoins den Platz von Gold einnehmen werden. ... Es ist null Marketing! Ich glaube an diese Währung ..."

Hand aufs Herz: Ist das eine reine Marketing-Offensive?
ICC:
Es ist null Marketing! Ich glaube daran, dass der Kryptowert immer mehr steigen wird. Ich glaube auch, dass Bitcoins den Platz von Gold einnehmen werden. Momentan liegt der Kurs für einen Bitcoin bei fast 60.000 Euro. Ich glaube an diese Währung und ich informiere mich sehr intensiv darüber. Die Entwicklung von Kryptowährung seit 2017 bis jetzt ist eine wahnsinnig gute. Das gibt mir die Sicherheit, dass ich hier investiere! Man kann sich das vorstellen, wie ein Sparbuch, auf das ich erst in naher Zukunft zurückgreifen möchte. Dann muss ich das Ganze aber gesetzlich versteuern.

Ist dieses Zahlungsmittel für UnternehmerInnen sicher?
ICC:
 Es ist sehr sicher. So sicher, wenn man seine Zugangsdaten verlieren sollte und nicht mehr reinkommt, ist es unmöglich, dass irgendjemand auf das Vermögen zugreifen kann. Deswegen darf man die Zugangscodes niemals vergessen!
Aber jeder Unternehmer muss das selbst entscheiden, ob er diesen Schritt wagt. Ich möchte niemanden dazu überreden. Man muss sich selbst davon überzeugen.

Hast du Tipps für UnternehmerInnen, die die Bezahlung mit Kryptowährung einführen möchten?
ICC: 
Man sollte schon die Technologie dahinter verstehen. Wenn man gewisse Fehler macht, kann das schwere Folgen haben. Man muss sich dessen schon bewusst sein, was man hier tut. Unternehmen sollten sich professionelle Beratung und Hilfe holen und dann erst als Zahlungsmethode anbieten, weil es ein sehr komplexes Thema ist. Und niemals die Zugangsdaten vergessen!

Vielen Dank für das spannende Interview und alles Gute für die Zukunft!

Praxisbeispiel:

Bezahlung mit Kryptowährungen (z.B. Bitcoins) im Stay Sharp Barber Shop

  • Friseur erbringt Dienstleistung für 50 Euro
  • Friseur bittet KundIn Kryptowährung im Wert von 50 Euro auf private, digitale Geldbörse (Wallet)  zu überweisen
  • Nach erfolgreicher Überweisung nimmt Friseur 50 Euro in bar aus privater physischer Geldbörse und zahlt in die Registrierkasse diese 50 Euro ein
  • Friseur stellt Barbeleg für KundIn im Wert von 50 Euro aus und übergibt diesen dem/r KundIn

Das Kryptokonto ist privat und nicht das Kryptokonto des Unternehmens.
Für die Versteuerung der eingezahlten 50 Euro in Kryptowährung ist der Friseur bei Entnahme der Summe von seinem Kryptokonto selbst verantwortlich.