Credit: Heiko Butscher, Wilma und Paul

09.03.2022

Heiko Butscher: Ein Hund ist kein Salonmaskottchen mit Werbe- und Knuddelfaktor

In unserem Salonhunde-Themenfokus haben wir viel spannendes Feedback bekommen. Viel Positives, viel Hundecontent, aber auch einige warnende Worte. Unter anderem von Heiko Butscher, Salonbesitzer aus Schifferstadt, der uns geschrieben hat, dass Hunde im Salon leiden und ein Dasein als knuddeliges Friseurmaskotten alles andere als artgerecht ist. Wir haben nachgefragt...

Das Interview führte Katriina Janhunen

imSalon: Lieber Heiko, Du hast unsere Artikel zu Hunden im Salon gelesen und uns daraufhin geschrieben: Du würdest das Deinem Hund niemals antun. Was meinst du damit?
Heiko Butscher:
Meinen eigenen Hunden, Paul und Wilma, würde ich das nie antun. Die sind schon mal ein, zwei Stunden bei uns im Salon, aber nie länger. Wir haben zum Glück wen, der untertags auf die beiden schaut, denn im Salon kann man es nicht schaffen, den Hunden gerecht zu werden, sie artgerecht zu halten.

Wieso das, viele Hunde lieben den Salontrubel!
HB:
Klar funktioniert es, sie sind ja gerne im Salon, aber Hunde müssen sich bewegen können. Sie müssen im Kopf ausgelastet werden und müde gemacht werden. Erst dann können sie ein glückliches Hundeleben führen. Im Salon ist es zu stressig, man ist bis spät am Abend dort und die Mittagspause wird oft reduziert, dann bleibt keine Zeit mehr für einen Spaziergang. Sogar eine kleine Französische Bulldogge, wie meine Wilma, braucht 2-3h Auslauf pro Tag!

Das klingt, als wäre der Friseurberuf an sich nicht mit Hund kompatibel?
HB:
Es gibt sicher Berufe, die leichter mit Hund zu kombinieren sind. In jedem Büro kann man mal raus, aber mit Kunden ist das nicht möglich. Vor allem als Chef ist es enorm schwierig und stressig.

Ist ein Hund nicht gerade dann ein Ruhepol, wenn es stressig wird?
HB:
Ja, klar, für einen selbst ist der Hund ein Therapiefaktor, wenn es stressig ist. Aber das ist doch super eigennützig, nicht?

Du hast auch von Chemie und Gerüchen gesprochen…?
HB:
Ja! Stellt euch vor, ihr geht in eine Parfümerie – für den Hund ist das jeden Tag im Salon so. Duftstoffe, ätherische Öle, Chemikalien, Haarspray, das sinkt alles nach unten zum Hund. Und der Hund bleibt ja nicht auf seinem Platz, sondern wandert herum, wenn ihm langweilig wird.
Heute sagen alle, sie wollen Nachhaltigkeit, kaufen gutes Fleisch fürs Futter, Vitamine, Baden, Sonne und Bewegung – und dann sperren wir den Hund den ganzen Tag ein? Wo ist da die Ursprünglichkeit? Das passt für mich einfach nicht zusammen. Ein Hund ist viel Arbeit und wenn die Leute im Alltag nicht klarkommen, landen die Hunde im Tierheim und letztendlich dann bei meiner Mutter, die sich seit jeher im Tierschutz engagiert.

Wie siehst du die Kundenbindung mit Salonhund?
HB:
Nicht jeder ist ein Hundefreund – bei uns im Salon geht es sehr international zu und man merkt schon, dass in manche Kulturen weniger Bezug zum Hund und mehr Angst da ist. Klar gibt es auch das Gegenteil – die würden meine Frenchies am liebsten dauerknuddeln und bringen immer Leckerlis mit. Aber der Hund meiner Mutter ist hochgradig allergisch, ich musste ständig aufpassen, dass die Kunden ihn nicht einfach ohne zu fragen füttern.
Eigentlich will ich auch gar nicht, dass der Hund Leckerlis reingestopft bekommt – das soll ja eine Belohnung sein, für etwas Gutes, das sie gemacht haben. Das macht unser ganzes Training kaputt. Ein Hund will arbeiten, üben, erschnüffeln – das ist ein wichtiger Aspekt, um den Hund auszulasten. Wenn er das machen kann, dann liegt der auch total k.o. im Salon und schläft bis zum Abend.

Was sagst du dazu, dass Hunde die Social Media Kanäle spannender machen?
HB: Mal ehrlich – ich vermarkte doch meinen Salon mit meiner Leistung! Das mach ich ja mit einem Kind auch nicht! Mein Hund ist auch mein Familienmitglied, also muss ich damit wirklich Werbung machen? Das ist eine Prostitution des Tiers und ich bin hier voll auf der Tierseite.

In welchen Szenario fändest du einen Hund im Salon ok?
HB: Wenn man Mittags ein, zwei Stunden in die Natur kann, wenn geistige Auslastung gewährleistet ist und das Sozialverhalten ausgelebt werden kann. Dann ist es in Ordnung. Dann ist der Hund auch müde. Es ist in Ordnung, wenn man sich klar ist, dass ein Hund sehr viel Arbeit ist und kein Salonmaskottchen mit Werbe- und Knuddelfaktor.

Okay, also kein Hund im Salon. Dann vielleicht lieber ein Aquarium?
HB:
Naja, man kann auch nicht alle Fische in einem Durchgangsraum stellen. Am Ende eines ruhigen Raums ist es ok, aber z.B. ein Salzwasserbecken als Theke ist unendlicher Stress für viele Fische. Wenn ständig etwas auf sie zuläuft – das sind Fluchttiere, die können keinen hektischen Salonalltag brauchen – die sterben!
Ein Tier möchte Ruhe, Rückzugsorte um sich wohl zu fühlen. Als Tierhalter ist man immer auch Tierpfleger. Es ist meine Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass sie richtig gepflegt werden. Und das ist im Salon nicht möglich.

Danke Heiko für diesen spannenden Input und dass du uns die Kehrseite des Themas gezeigt hast!