

02.02.2026
Beauty-AssistentInnen: Der Gamechanger im Premiumsalon
Fachkräftemangel, überholte Ausbildungsmodelle, steigende Erwartungen der KundInnen – die Friseurbranche steht unter Druck. Gerade im Premiumsegment braucht es neue Antworten. Eine davon: Beauty-AssistentInnen. Für Gabi Stern, SFB-Präsidentin und erfolgreiche Salonunternehmerin, sind sie weit mehr als eine Unterstützung – sie sind ein strategischer Schlüssel für die Zukunft.
Raphaela Kirschnick im Gespräch mit Gabi Stern.
Liebe Gabi, was genau ist die SFB – und wofür brennt ihr?
Gabi Stern: Die SFB ist mit rund 1.500 Mitgliedsbetrieben der größte private Friseur-Fachverband im deutschsprachigen Raum – klar positioniert im Premiumsegment. Uns verbindet der Anspruch, Qualität, Wertschätzung und wirtschaftlichen Erfolg zusammen zu denken.
Gemeinsam mit unserem Partner La Biosthétique verfolgen wir dabei einen ganzheitlichen Ansatz: Dort die Marke, Produkte sowie Aus- und Weiterbildung – bei uns Erfahrungsaustausch, Unternehmer-Know-how und strategische Entwicklung. Ohne Konkurrenzdenken, dafür mit echter Kollegialität. Oder anders gesagt: La Biosthétique liefert die Hardware, wir die Software. Unser Motto ist ganz klar: gemeinsam stärker.
Die Branche steht enorm unter Druck. Was treibt eure Mitglieder aktuell am meisten um?
GS: Ganz eindeutig: Personal finden und halten. Der Fachkräftemangel ist allgegenwärtig – auch im Premiumbereich. Gleichzeitig erleben wir einen starken Wertewandel, vor allem bei der Generation Z. Das fordert uns UnternehmerInnen heraus, Führung, Ausbildung und Rollenbilder neu zu denken und im eigenen Betrieb klare Strukturen zu schaffen.
Wie reagiert ihr darauf konkret?
GS: Wir haben früh Verantwortung übernommen. Gemeinsam mit unserem Partner haben wir bereits vor über zwölf Jahren den Hair & Beauty Artist entwickelt – ein modernes Ausbildungskonzept inklusive Imagekampagne für unseren Beruf. In den letzten Jahren haben wir es weiter geschärft: mehr Praxisnähe, schnellere Einbindung junger Menschen, bei gleichbleibend hohen Qualitätsstandards.
Parallel unterstützen wir unsere Salons dabei, sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren: zeitgemäße Führung, transparente Entwicklungs- und Lohnstufen, flexible Arbeitszeiten und regelmäßige Mitarbeitergespräche. Führung heißt heute: zuhören, begleiten, wachsen – gemeinsam.
"Es braucht neue Ausbildungsmodelle, die Theorie und Praxis sinnvoll verbinden, Betriebe entlasten und die Ausbildungsqualität steigern."
Reicht das klassische duale Ausbildungssystem dafür noch aus?
GS: In der aktuellen Form: nein! Es braucht neue Modelle, die Theorie und Praxis sinnvoll verbinden, Betriebe entlasten und die Ausbildungsqualität steigern. Im SFB-Umfeld setzen wir deshalb erfolgreich auf ein Privatschulmodell. Gleichzeitig tragen die Betriebe Verantwortung: für Qualität, Begleitung und dafür, Ausbildungsabbrüche aktiv zu vermeiden.
Spiegelt sich der Branchentrend, hin zu SolostylistInnen auch bei euch wider?
GS: Unsere Betriebe sind sehr unternehmerisch geprägt. Viele Salons arbeiten mit drei bis fünf Mitarbeitenden, andere mit über 15 – und ja, es gibt auch erfolgreiche SolostylistInnen. Entscheidend ist nicht die Größe, sondern die Haltung zu Qualität, Führung und Positionierung.
Nur noch knapp 10 % der Betriebe bilden aus. Wie sieht das bei der SFB aus?
GS: Der Trend ist auch bei uns spürbar – aber: Seit 2024 steigt die Zahl der Ausbildungsbetriebe und besetzten Plätze in unseren Reihen wieder deutlich. Wir haben eine reichweitenstarke Azubi-Social-Media-Kampagne umgesetzt und bieten mit unserem Privatschulmodell eine Premiumausbildung bei gleichzeitiger Entlastung der Betriebe. Zudem ist der Quereinstieg als Beauty-Assistenz ein fester Bestandteil unseres Hair & Beauty Artist Konzepts.
Stichwort Beauty-Assistenz: Warum ist diese Rolle für dich so entscheidend?
GS: Weil sie ein echter Gamechanger ist. Die Beauty-AssistentIn ist ein strategischer Hebel gegen Fachkräftemangel und Überlastung im Salon. Sie übernimmt Service-, Organisations- und ausgewählte Beauty-Leistungen – vom Willkommensritual über Haarwäsche und Farbauftrag bis hin zu Zusatzservices. Das entlastet StylistInnen enorm und hebt das Serviceerlebnis auf ein neues Level. Besonders im Head-Spa-Bereich sehe ich hier riesiges Potenzial.
Wie stellt ihr sicher, dass Qualität und Premiumanspruch erfüllt werden?
GS: Über ein klar strukturiertes, von der SFB entwickeltes Onboarding- und Ausbildungskonzept. Ob im einzelnen Salon oder regional in Gruppen: Wir führen auch branchenfremde MitarbeiterInnen schnell und sicher an unsere Qualitätsstandards heran. Wir beginnen mit einem Einschulungstag. Dann starten wir mit der Kundenbegrüßung. Als Nächstes folgen Haarwäsche und unsere Salon-Rituale. Auch Kopfhaut-Rituale können Beauty-AssistentInnen durchführen. Unser Ziel ist es, auch die Produktempfehlung durch umfassendes Know-how zu schulen. Nach etwa sechs Monaten sind Beauty-AssistentInnen in der Regel voll integriert – fachlich sicher und fest im Team verankert.
Wer entscheidet sich für diesen Beruf?
GS: Ganz unterschiedliche Menschen: Wiedereinsteigerinnen, Studierende, Quereinsteiger aus Service oder Hotellerie – im Alter zwischen 20 und 65 Jahren. Entscheidend ist nicht der Lebenslauf, sondern die Begeisterung für Beauty, Service und hochwertige Kundenbetreuung. Gerade reifere Mitarbeitende sind oft extrem loyal und ein echter Gewinn für die langfristige Teamstabilität.
"Beauty Assistenz ... das ist kein Kostenfaktor, sondern ein Wertschöpfungsmodell ..."
Rechnet sich eine Beauty-Assistenz wirtschaftlich?
GS: Absolut. Das Modell ist unabhängig von der Salongröße – sogar für SolostylistInnen spannend. Beauty-AssistentInnen erwirtschaften ihr Gehalt häufig selbst über klar kalkulierte Pflege-, Farb- und Zusatzservices. Für mich ist das kein Kostenfaktor, sondern ein Wertschöpfungsmodell. Meine Faustregel: mindestens das Doppelte der Lohnkosten erwirtschaften – das ist realistisch und gut machbar.
Wie reagieren die KundInnen?
GS: Extrem positiv! Mehr Ruhe, mehr Aufmerksamkeit, mehr Wohlfühlmomente. Unsere KundInnen spüren den Unterschied – und wir im Team genauso. Ganz ehrlich: Ich möchte meine Beauty-Assistentin nicht mehr missen.
Wie verbreitet ist das Modell innerhalb der SFB?
GS: Rund ein Drittel unserer Betriebe arbeitet bereits erfolgreich damit – Tendenz stark steigend. Das enorme Interesse an unseren Webinaren zeigt, dass unsere UnternehmerInnen offen, neugierig und bereit sind, neue Wege zu gehen.
Hat die Beauty-Assistenz langfristig Zukunft?
GS: Davon bin ich überzeugt. KI wird Prozesse verändern und neue Jobprofile ermöglichen, aber der Mensch im Salon wird immer bleiben. Vielleicht brauchen wir künftig weniger klassische Rezeption – dafür neue, wertschöpfende Rollen im Salon. Aber eines ist klar: Ausbildung bleibt das Fundament. Wir investieren daher massiv in Recruiting, Social Media Sichtbarkeit und ein neues kostenfreies Jobportal für unsere Mitglieder.
Was wünschst du dir für die Zukunft des Friseurhandwerks?
GS: Mehr Mut zur Wertigkeit. Unser Beruf hat enormes Potenzial – wenn wir Kompetenz, Beratung und Erlebnis konsequent leben. KundInnen honorieren das. Und wenn wir unsere Teams fachlich und menschlich stärken, wächst nicht nur der wirtschaftliche Erfolg, sondern auch die Anerkennung für unseren Beruf.
Unser Beruf ist ein Traumberuf – wenn wir ihn mit Haltung, Kompetenz und Leidenschaft gestalten.
Liebe Gabi, danke für dieses inspirierende Gespräch.

