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Bestell Dich arm… - Friseure und der Wareneinkauf
Recht & Finanzen

Bestell Dich arm… - Friseure und der Wareneinkauf

„Liquiditätsengpässe sind für Friseure fast an der Tagesordnung. Nicht selten liegt es an einem wenig strategischen Wareneinkauf.“ sagt Hannes Friedl, Geschäftsführer von HOMINI Coaching Training Marketing und Friseur Coach.

Text von Hannes Friedl


Schließlich locken viele Lieferanten fast wöchentlich mit kernigen Rabatten, 1:1-Tauschpaketen, Sonderaktionen und Valutierungen bis zu sechs Monaten. Hauptsache beim Kunden steht der Keller voller Ware und der Mitbewerb bekommt keinen Fuß in die Tür.
Der Effekt: viele Friseure haben das Lager voll gestopft mit Ware, die sie nie und nimmer in einem überschaubaren Zeitraum abverkaufen können. Das ehemals so tolle Angebot des Lieferanten erweist sich bereits nach wenigen Wochen als Bumerang, denn das Kapital, das in Ware gebunden im Keller vor sich hin vegetiert, ist meist besser in Personal, Werbung oder Weiterbildung angelegt, also in unternehmerische Bausteine, die Wachstum schaffen können, statt in tote Shampooflaschen.
Dass dieses Thema bisweilen schrille Blüten trägt, erlebt man immer wieder.
So manchen Friseurbetrieb kann man momentan betreten und wird von Haarsprayflaschen geradezu erschlagen.
Der Deal: kauf 65 Flaschen und bekomm 65 dazu. Gratis! Eigentlich klasse. Dass viele Betriebe übers Jahr vielleicht nur 50 Flaschen Haarspray verkaufen, ist dem Lieferanten zunächst egal. Hauptsache der Umsatz stimmt und er Verkaufsleiter ist am Quartalsende beruhigt. Und Ihre 800, 900 Euro verschwinden in Kisten mit der Aufschrift: MÜLL!

Ja, liebe Friseure, höchste Zeit, Vorschußlorbeeren und Vertrauen erstmal einer deutlichen Prüfung zu unterziehen. Schließlich hat Ihr Außendienstbetreuer auch eine Frau und Kinder und möchte gerne Semmeln frühstücken am Sonntag Morgen.
Verstehen Sie mich richtig: ich möchte niemandem etwas unterstellen, aber oft ist das Kräfteverhältnis zwischen Lieferantenvertreter und Friseur einfach ungleich verteilt. Der eine betritt mit dem Ziel, Umsatz zu machen, das Geschäft, der andere ist außer Atem zwischen zwei Kunden und schon zehn Minuten in Verzug. Kann da eine ordentliche Beratung stattfinden? Ich sage nein.
Das Ergebnis ist ein nutzloses Gespräch, eine Bestellung, die selten den Bedürfnissen des Betriebs angepasst ist und ein Friseur, der sich häufig über den Tisch gezogen fühlt von seinem Partner. Herzlichen Glückwunsch, da macht die Zusammenarbeit wirklich Spaß!
Stellen Sie sich vor, folgende Situation würde in Ihrer Lieferantenpartnerschaft herrschen:
Ihr Außendienstbetreuer nimmt sich genügend Zeit und besucht Sie ausschließlich auf Termin. Die Zeit ist von vorne herein abgesteckt, so dass jeder Gesprächspartner weiß, worauf es nun ankommt.

Ihr Betreuer gibt sich richtig Mühe: Er kennt Ihre Mitarbeiter, Ihre Ziele, Ihren Werdegang und auf was Sie bei der Arbeit Wert legen. Er ist sich bewusst, dass er mit einem falschen Tipp, das Verhältnis gefährden kann und hat deshalb nur die für Sie sinnvollen Angebote zusammengestellt. Neue Produkte stellt er Ihnen persönlich vor, vielleicht sogar mit einer kurzen Präsentation bei einer Ihrer Mitarbeiterinnen.

Eine individuelle Aufstellung Ihrer Wareneinkäufe zeigt ihm im Halbjahresrhythmus, wo Ihr Bedarf liegt und bei der Bestellaufnahme hat er nicht nur sein Wachstum, sondern auch Ihres im Kopf. Liquiditätsschonend hilft er Ihnen, Ihren Bedarf zu decken und neue Produkte kennen zu lernen. Er würde sich hüten, Ihnen nicht bestellte Ware zuzusenden, nur damit sein Umsatz stimmt.

Bei der letzten Tasse Kaffee planen Sie gemeinsam die Aktivitäten für Ihren Erfolg des nächsten halben Jahres und wie er als Ihr Lieferant Ihnen dabei helfen kann, um Ihr Geschäft nach vorne zu bringen. Am Schluß geht´s dann noch um den nächsten Urlaub und schwupp stehen Sie pünktlich zum nächsten Kunden wieder am Stuhl.

Das wäre was, oder?! Dann erziehen Sie sich Ihre Partner zu solch einem Umgang!
Auf diese Art kann durchaus jeder Ihrer Betreuer mit Ihnen umgehen.
Die Tatsache, dass viele Friseure Ihre Arbeitsmittel aber als lästige Zusatzausstattung sehen und lieber Haare schneiden, als Geld zu verdienen, verlockt gerade unter hohem Umsatzdruck stehende Partner, Ihnen einkaufstechnsich zu viel zuzumuten.

Hier zehn nützliche Tips, um Ihren Wareneinkauf zu kontrollieren und Ihr Geld auf die Bank, in den Urlaub oder in Eigentum zu bringen statt in den Keller, wo es im Regal vermodert.

1. Nehmen Sie eine aktuelle Inventurliste zur Hand und vergleichen Sie sie mit den Einkaufsrechnungen. So sehen Sie auf einen Blick, welche Produkte bei Ihnen laufen und welche nur zur Dekoration bei Ihnen stehen.

2. Die meisten Lieferanten liefern inzwischen innerhalb zwei Arbeitstagen. Begrenzen Sie Stückzahlen auf maximal sechs pro Produkt und bestellen Sie lieber zweimal im Monat.

3. Aktionen sind nur dann für Sie interessant, wenn Sie Ihr Konto im Habenbereich führen und es sich um ein Aktionsprodukt handelt, das Sie innerhalb vier Wochen wieder ausverkauft haben.

4. Bei vielen Sonderaktionen schmälern Sie Ihren Jahresbonus und legen sich ein Lager an.
Bei durchschnittlich zehn Prozent Zins auf dem Girokonto ist es günstiger, stückweise zu kaufen und zunächst den höheren Einkaufspreis zu akzeptieren. Boniert wird dann eben am Jahresende.

5. Drückt Ihnen ein Lieferant eine Jahresvereinbarung aufs Auge, dann achten Sie darauf, dass die Vereinbarungssumme nicht wesentlich höher ausfällt, als im letzten Geschäftsjahr. Sonst stehen Sie im nächsten Dezember unter Druck und müssen aus Bonusgründen Ihr Lager bis unters Dach auffüllen.

6. Schließen Sie eine Umtauschvereinbarung mit Ihrem Lieferanten ab. So kann ein Fehlgriff bei der Bestellung jederzeit ausgebügelt werden. Lassen Sie sich diese Vereinbarung unterschreiben. So mancher Lieferant verspricht das, aber kann sich danach an nichts mehr erinnern.

7. Haben Sie zu viel Ware, dann ist ein Sonderverkauf immer günstiger als die Keller-Moder-Version.

8. Haben Sie viel zu viel Ware im Geschäft, wechseln Sie schleunigst den Lieferanten. Der, mit dem Sie arbeiten interessiert sich vorwiegend für sich und nicht für Sie.

9. Machen Sie mit Ihren Betreuern immer Termine.

10. Setzen Sie auf Lieferanten und Produkte, mit denen Sie wachsen können, die Ihre Mitarbeiter motivieren und bei denen Sie ein gutes Gefühl im Umgang haben.


Und sollten Sie bei der Prüfung all dieser einzelnen Punkte nun ohne Lieferanten da stehen, so fragen Sie einfach die Friseurwelt, oder uns. Ohne Risiken oder Nebenwirkungen. Viel Freude im Frühjahr und Erfolg an der Front.

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