Planung 2016! Und danach?
Kolumne Dieter Schneider

Planung 2016! Und danach?

Mögliche Auswirkung der Zuwanderungsströme und anderer volksiwrtschaftlicher Entwicklungen auf die Friseurbranche beleuchtet in bewährter Schneider-Manier ...

Ein Briefwechsel



Lieber Herr Schneider,
nachdem Sie mich bei unserem längeren Telefongespräch vorgestern gebeten haben, meine Fragen noch einmal schriftlich zu formulieren, damit Sie sie auch zum Nutzen Anderer schriftlich beantworten können. Das tue ich hiermit sinngemäß mit meiner telefonischen Anfrage.
Heute melde ich mich mit einer dringenden Bitte. Ich vermisse die aktuellen monatlichen Aussagen aus früheren Ausgaben der Marktlücke zur allgemeinen Wirtschaftssituation. Sie haben es immer ausgezeichnet verstanden, gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen auf unsere Branchen runter zu brechen.
Jetzt die zurzeit wichtigste Frage für mich: Muss ich in meine Jahresplanung für 2016, die ich - wie ich es bei Ihnen gelernt habe - jetzt im Oktober anfange, die augenblicklichen dramatischen Entwicklungen bei der Zuwanderung von Flüchtlingen mit einbeziehen? Für eine rasche Antwort, die sicher auch anderen Marktlücke-Lesern nutzt, bin ich dankbar.

Die Antwort:



Liebe Frau X,
vielen Dank für Ihr Schreiben mit viel Verständnis für Ihre Bitte. Ich habe fast in die gleiche Richtung gedacht, als ich neulich im Fernsehen in einer Nachrichten-Sendung sah, wie einem jungen Zuwanderer in einem normal erscheinenden Friseursalon als Zeichen der „Willkommenskultur“ zum ersten Mal nach seiner Ankunft in Deutschland die Haare geschnitten wurden. Ein Vorher-Nachher-Bild gab es leider dabei nicht zu sehen. Offen blieb auch, ob der Haarschnitt bezahlt oder geschenkt wurde.

Damit sind wir mitten im Thema, das ich schon mehrfach mit Kollegen von Ihnen per Telefon diskutiert habe. Meine vielleicht auch Sie überraschende Aussage:

Der anschwellende Strom der Zuwanderer ist zunächst einmal ein enormes kurzfristiges Konjunkturprogramm für nicht wenige Branchen und insgesamt für Deutschland.



Das ist so wie bei einer Naturkatastrophe: Da wird volkswirtschaftliches Vermögen vernichtet, aber kurzfristig zusätzliches volkswirtschaftliches Einkommen erzeugt. Bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn ist das so ähnlich. Wenn sich zuhause eine Frau die Haare versaut hat und Sie mit viel Aufwand die missratene Haarfärbung wieder in Ordnung bringen, dann ist das bei ihnen ein kleiner Einkommenszuwachs und bei der Kundin ein deutlich höherer Vermögensverlust.

Sie brauchen sich nur vorzustellen, wie viel durch z. B. eine Million Zuwanderer pro Jahr mehr Lebensmittel, Hausrat, Fernseher, Waschmaschinen, Wohnmöglichkeiten mit Elektrizitäts- und Wasserzufuhr, WLAN-Anschluss u. a. gebraucht werden. Dabei werden kurzfristig bisher nicht genutzte Kapazitäten (Leerstand bei Immobilien ist so etwas Ähnliches wie Leerlauf beim Friseur) bis zum Anschlag ausgelastet und gleichzeitig neue Kapazitäten geschaffen.

Selbst wenn Häuser und Wohnungen zwangsbelegt werden, ist das so gesehen ein Konjunkturprogramm, denn die öffentlichen Hände garantieren eine ortsübliche Miete.
Für ein bis dahin nicht ausgelastetes oder schon geschlossenes Hotel sind das z. B. in einem konkreten Fall, der in den Medien beschrieben wurde, jeweils 30 Euro pro Tag für 130 Personen, fünf Jahre garantiert. Macht einen Jahresumsatz von rund 1,4 Millionen.
Auch die Arbeitslosigkeit sinkt zunächst, weil z. B. die zu viel ausgebildeten Akademiker in den sozialwissenschaftlichen Fächern einen Job in der boomenden Zuwanderungswirtschaft finden. Selbst unterbeschäftigte Rechtsanwälte brauchen sich nicht mehr als Taxifahrer verdingen, wenn sie sich auf die rechtliche Vertretung von Zuwanderern spezialisieren.

Auch aus den genannten Gründen ist im Jahre 2016 in Deutschland mit einer Sonderkonjunktur zu rechnen, mit der bis vor kurzem keiner kalkuliert hat. Das ist übrigens 2015 schon so. Gerade kam in den Nachrichten die Meldung, dass wegen der günstigen Entwicklung der Löhne 2015 die Renten auch Ihrer Kunden im nächsten Jahr um vier bis fünf Prozent steigen werden. Die Jahresprognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute, die gerade bekannt werden, können Sie vergessen.

Ihre Frage war nun: Kann ich als Friseurunternehmerin auch davon profitieren und meine Umsatz- und Gewinnplanung optimistischer angehen?

Meine Antwort: Sie können das, weil schon preisbereinigt das volkswirtschaftliche Wachstum um zwei bis drei Prozentpunkte höher ausfällt, als bisher angenommen.



Von den Zuwanderern direkt wird das Friseurhandwerk kaum profitieren, obwohl bei denen die Haare genauso wachsen. Die Zuwanderer werden sowohl als Konsumenten als auch als „Produzenten“ fast ausschließlich in der Schattenwirtschaft landen.

Um vor allem den überwiegenden jungen Männern als mögliche „Produzenten“ eine Chance für den Einstieg in das Friseurhandwerk zu geben, müsste die Mindestlohnregelung ausgesetzt werden. Für 8,50 Euro „Lerngeld“ sind diese jungen Menschen nicht in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Am strategischen Engpass im Friseurmarkt, dem Personalmarkt, wird sich durch die verstärkte Zuwanderung 2016 so gut wie nichts ändern. Die bisherig beträchtliche Zuwanderung von Friseurinnen und Friseure aus den südlichen EU-Ländern wird wahrscheinlich schon 2016 stark zurückgehen.

Alles, was ich in den letzten Jahren über die Entwicklung der Friseurmärkte geschrieben habe, wird zumindest für 2016 seine Gültigkeit mit leichter Tendenz zum Positiven behalten. Dabei wird sich die Polarisierung im Friseurhandwerk noch weiter verstärken. Das hört sich für Sie auf der „Lichtseite“ der Polarisierung fast wie eine Entwarnung an! Sie ist es leider nur kurzfristig.

Mittel- und langfristig, beginnend schon jetzt, wird in Deutschland kein Stein auf dem anderen bleiben. Dafür sind konkrete Planungen einfach nicht möglich.



Die volkswirtschaftlichen Kosten der Zuwanderung im Jahre 2016 auf Grund der augenblicklichen Bestandszahlen und der zu erwartenden weiteren „Strömungszahlen“ werden sich auf weit über 40 Milliarden Euro belaufen. Die müssen irgendwie von uns selber aufgebracht werden, denn wir sind Deutsche und keine Griechen, die es bisher äußerst geschickt verstanden haben, volkswirtschaftlich auf Kosten anderer Länder zu leben. Es gibt verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten für die zusätzlichen Kosten:
1. Wirtschafswachstum und damit überproportionales Wachstum der Einnahmen der öffentlichen Hand. Für eine „schwarze Null“ bei den öffentlichen Haushalten wird das auf keiner Ebene mehr reichen, also auch
2. Höhere Staatsverschuldung (die teilweise statistisch versteckt wird)
3. Kosteneinsparungen (in der Summe völlig unrealistisch)
4. Steuererhöhungen
5. Vermögensabgaben in Form eines Lastenausgleichs

Meine Einschätzung: Zunächst (2016) Punkt 1. und 2. danach Punkt 5., weil Punkt 3. und 4. dann relativ schnell ausgeschöpft sind.

Weil über 90 Prozent der Bevölkerung jedes volkswirtschaftliche und einzelwirtschaftliche Grundwissen fehlt, konnte uns von der Mehrheit von Politikern und von ihnen engagierten Experten weisgemacht werden, dass wir von der Zuwanderung nicht nur kurzfristig (was stimmt), sondern auch mittelfristig und langfristig profitieren. Tatsächlich steuern wir aber auf eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Katastrophe zu, wenn nicht der Damm, der da gebrochen ist, entweder geflickt wird oder aber die Massenflut „weiter oben“ gestopft oder umgeleitet wird.

Dazu kommt die noch längst nicht ausgestandene EU-Krise, die Euro-Schuldenkrise und die Energiewende in Deutschland, um nur die wichtigsten Problemzonen zu nennen, in die jetzt die Flut hinein bricht.

Rein betriebswirtschaftliche Vorsorgemöglichkeiten für das, was auf Sie als Dienstleistungsunternehmer mittel- und langfristig zukommt, sehe ich zurzeit nicht.

Gefordert sind Sie jedoch als Staatsbürger und in Ihrem Beruf als Meinungsmultiplikator.




Und zum Schluss:


Dazu gehört ein fundiertes, ständig aktualisiertes Wissen über das, was zurzeit in Deutschland passiert. Der „Genuss“ der sogenannten „Leitmedien“ ist da zu wenig. Die verstehen „Nachrichten“ so: „Richte dich als Leser nach unserer Meinung.“ Immer mehr Menschen verlassen sich nicht mehr auf solche Nachrichten und informieren sich zusätzlich oder ausschließlich im Internet. Hier ein paar Lesetipps:
Tichys Einblick, Nicolaus Fest, Deutsche Wirtschaftsnachrichten, Geolitico Günther Lachmann, Denken erwünscht Klaus Kelle.

Bei „Tichys Einblick“ ist gerade ein Beitrag von mir erschienen. Der Eingangstext, der von der Redaktion meinem Beitrag vorangestellt wurde. Lautet:
Mit FlashMobs sind legale und illegale Aktionen, legitime und illegitime Bewegungen schnell organisiert und können staatliche Organe ausgehebelt werden. Die Grenzen zum kriminellen FlashRob sind fließend. Ein Gastbeitrag von Dieter Schneider.

Wer Roland Tichys online-Zeitschrift noch nicht kennt, sollte das nachholen. Diese Internet-Zeitschrift „ernährt“ sich durch relativ wenig online-Werbung und freiwillige Unterstützung der Leser. Diese Unterstützung empfehle ich auch allen Lesern meines Beitrages. Über eine Resonanz mit einem Kommentar zu meinem Beitrag bei „Tichys Einblick“ oder mit einer E-Mail an mich würde ich mich freuen.

Dieter Schneider, Redaktionsbüro MARKTKLÜCKE
dieter.schneider@concepte-gmbh.com

Dieter Schneider, Jahrgang 1941, studierte Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Nach sieben Jahren Management-Tätigkeit brachte er als selbständiger Unternehmensberater und Journalist den branchenspezifischen Informations- und Beratungsdienst „Marktlücke“ heraus, den es ununterbrochen Anzeigen- und PR-frei fast 40 Jahre gab. Seit 2013 publiziert Dieter Schneider mit gleichem Namen MARKTLÜCKE Management-Themenmagazine, zuletzt drei Ausgaben mit dem Titel „Wertschätzen“.


-> Weitere Beiträge von und mit Dieter Schneider

Oktober 2015

Mehr zum Thema

nach oben
© 2017 imSalon Verlags GmbH | Newsletter | Impressum | AGB | Kontakt | Datenschutz | facebook.com/imSalon.de