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10 things, to look at in America
Marketing & PR

10 things, to look at in America

von Raphaela Kirschnick


Immer wieder werde ich gefragt, was eigentlich anders sei in den USA verglichen mit Österreich. Hierzu sei erwähnt, dass ich bevor ich vor einigen Jahren nach Österreich kam, 6 Jahre in der Friseurbranche in den USA gearbeitet habe, davon die Hälfte der Zeit in New York und die andere in Los Angeles.
Nun, die Frage lässt sich relativ leicht beantworten: Einiges ist anders, und es gibt sicher vieles, was wir uns näher anschauen sollten, vielleicht auch für unseren Markt in Erwägung ziehen sollten.
Nachfolgend finden Sie die 10 Dinge, die mir am interessantesten und umsetzbar erscheinen:

How are you …?
Räumen wir doch mal mit dem ersten großen Vorurteil auf: „Die Amerikaner, die sind ja so oberflächlich“. Als Begründung wird dann gerne auf die übertriebene Höflichkeit verwiesen. Dazu sei eine typische Szene zitiert, wenn man ein Geschäft, Restaurant, etc. betritt: „Hallo, herzlich willkommen, schön, dass Sie bei uns vorbeischauen. Mein Name ist Jenny, wenn Sie mich brauchen bin ich gerne für Sie da.“ – Lächeln! Später: “Vielen Dank für Ihren Einkauf bei uns, es war schön Sie bedienen zu dürfen, kommen Sie jederzeit wieder vorbei“ Tür aufhalten – Lächeln – zieht sich durch vom Chef bis zur Putzfrau. – Also mir geht es danach einfach gut. Nun, jetzt sagen viele, das sei nur aufgesetzt und damit oberflächlich. Nun, wer das in unseren Gefilden typische: „Was wollen Sie?“ aus mürrischem Gesicht als weniger oberflächlich aber ehrlich vorzieht, dem sei es gegönnt.
Da ich vor einiger Zeit eine Gruppe von 14 Friseuren nach Los Angeles und Las Vegas begleiten durfte kann ich aber sagen, das alle, von der Freundlichkeit und Offenheit am meisten beeindruckt waren und wollen genau das gerne im Salon umsetzen.
Während man bei uns häufig das Gefühl hat dankbar sein zu müssen, dafür, dass man überhaupt bedient wird, wird einem in den USA das Gefühl gegeben, dass man dem Kunden dankbar ist. Letztendlich sichert ja der Kunde dem Angestellten den Arbeitsplatz. Eine Weisheit, die, meint man, hier häufig noch nicht vorgedrungen ist.

It’s all about the passion!
Ein Grund warum die Amerikaner so überschwänglich sind ist eine unglaubliche Leidenschaft und Freude an der Sache. Wohingegen wir eher eine unglaubliche Leidenschaft für Techniken und Prozesse entwickeln sind Amerikaner mehr am Ergebnis und an dem was man in der Hand hält interessiert, dadurch ist Vieles um einiges emotionaler und persönlicher.

Born to be a star …! Wer glaubt man ist nur in Hollywood ein Star, der hat sich getäuscht, denn die großen Namen von Friseuren stehen dem in nichts nach (Frederik Fekkai, Robert Lobetta Vidal, Sassoon,…). Als Friseur ist man ein Star. Probleme mit dem Nachwuchs kennt die Branche nicht, denn Friseur sein ist cool und was Besonderes und man kann ganz groß rauskommen. Eine hohe Wertschätzung von Seiten der Gesellschaft aber auch ein größeres Selbstbewusstsein von Seiten der Stylisten tragen dazu enorm bei. Fast jeder Stylist trägt eigene Visitenkarten in der Tasche, die er stolz verteilt. Und die Preisgestaltung zeigt, die trauen sich was… .

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten…! Dies gilt auch für die Preise! Die Preislisten einiger Salons werden Sie umhauen! Haarschnitt beim Chef von $200,00 bis zu $400,00 ist da keine Seltenheit und da ist noch keine Haarfarbe eingerechnet. Vorab Typ-Beratung mit dem Chef für $260,00 (z.B. bei Jose Eber). Man ist es sich Wert und verlangt was man wert ist… und es wird bezahlt – und nicht nur von Filmstars. Jetzt möchte ich nicht dafür plädieren, dass Sie Ihre Preise um 1000% erhöhen, aber machen Sie sich Gedanken über die Spannen in Ihrem Salon zwischen Top-Kräften (Ihnen?) und den Anfängern in Ihrem Salon. Verlangen Sie für Erfahrung und Können mehr und stehen Sie dazu, dann überzeugen Sie auch Ihre Kunden.

Silicon Valley ist nicht weit … ! Weitaus ‚Easier Going’ mit dem Einsatz von Technology sind die Salons. Kaum ein Salon, der keine Kreditkarte annimmt. Und wie Andrew vom Salon Diva International in San Francisco berichtet: “Ich habe seit der Einführung der Kreditkarte meine Verkäufe verdreifacht – Kunden geben mehr aus“. Außerdem werden Reservierungen –mittlerweile fast zu 50%- übers Internet abgewickelt. Der große Vorteil: „In einer freien Minute können wir die Anfragen per Email oder Rückruf bestätigen. Freie Zeit ist ausgefüllt und es bleibt mehr Zeit für die Kunden, da das Telefon nicht mehr so häufig klingelt.“

Retail…! Bei uns ein immer wieder heißes Thema, welches in den USA nicht nachvollziehbar erscheint: der Verkaufsanteil. In den USA liegt der Anteil verkaufter Produkte am Gesamtumsatz oft weit über 20%. Das liegt zum einen an der Leidenschaft mit welcher Friseure über Ihre Produkte sprechen, aber auch an der sehr Retail orientierten Verkaufspräsentation. In der Regel führen Salons mehrere Retailmarken (manchmal 5 und mehr), vor allem wenn Sie eine gute Lage haben. Schon beim Vorbeigehen wird einem Lust aufs Haare pflegen gemacht. Und auf die Verpackung kommt es an. Getreu diesem Motto wird mit Boxen, Papier und Kärtchen nicht gespart.

More is more …! In jedem Fall sind die Amerikaner geschäftstüchtig. Noch einen Raum frei, also Maniküre anbieten, noch eine Massage Ecke hinein und woops wird aus dem Salon ein Beauty Spa, ein großer Trend der letzten Jahre. Und es wird angenommen. Viele große Spas, die zuerst nur auf Wellness gesetzt haben, beginnen nun im Gegenzug damit die Dienstleistung Friseur anzubieten. Der Konsument setzt auf das Gesamtangebot und ein Wellnesserlebnis am Kopf.

Focus…! Wo die Einen immer mehr anbieten, da fokussieren die Anderen. Friseure werden ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt. Wer super färbt, der färbt dann eben nur und ist der Color Spezialist. Wer lieber und besser schneidet, der schneidet eben nur. So wandert der Kunde von Stuhl zu Stuhl oder von Stockwerk zu Stockwerk. Wer sagt, das geht nicht, dem beweist Bumble & Bumble, NY seit Jahren das Gegenteil und viele folgen dieser Praxis. Warum auch nicht die Qualität des Einzelnen in den Vordergrund stellen?

Rent a chair…! Mitarbeiter Probleme, das kennen viele Amerikanische Salons nicht, denn Sie setzen voll und ganz auf Booth Rental (bei uns Stuhl Miete). Und sie sind damit erfolgreich. Gegen eine monatliche Basismiete oder Umsatzbeteiligung werden Stühle vermietet, ob bei kleinen Salons oder großen Top Salons wie ‚Umberto’ in Beverly Hills. Solange man die Qualität des Salonanspruches erfüllt, stehen einem alle Türen offen. Und durch die Selbstständigkeit werden die Friseure sehr schnell sehr verantwortungsbewusst.

Dare to experiment…! Viel schneller dabei sind Amerikaner ausgefallene Konzepte auszuprobieren und umzusetzen. So ist von neuen, modernen und hochpreisigen Barbershops bis hin zu ausschließlichen Kindersalons alles vertreten. Auch Salons mit eigenem Koch, der Gästen Frühstück, Mittagessen und Snacks zubereitet, gibt es. Und sie sind erfolgreich. Offenheit für alles und nicht immer das kategorische nein, das gab es doch noch nie, gibt es nicht.
Well, no risk – no fun!

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen interessantes ‚food for thoughts’ – wie der Amerikaner jetzt sagen würde.
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