Was ist billig, was teuer?
Beratung & Kundenservice

Was ist billig, was teuer?

In unserer Zeit, in der die „Geiz ist Geil“-Mentalität in allen Lebensbereichen das Qualitätsdenken abgelöst hat, stehen wir Friseure alljährlich vor der Frage, um wie viel % Salon Preise erhöhen darf. Dabei ist immer im Hinterkopf der Gedanke ja nicht die Kunden zu vergraulen und pünktlich Miete und Lohn zu bezahlen.

Ein Gedankengang von Aaron Leufen

In der öffentlichen Wahrnehmung werden Friseure so auch oft als zu teuer erachtet. „Wie viel darf´s deiner Meinung nach kosten?“ lautet meine Standard-Frage auf erschütterte Gesichter hin, wenn eine Farbreduktion dann schon mal mit über 100€ zu Buche schlägt. Oder für überlange Haare 60 €. „…sind ja nur die Spitzen!!“ - meine Arbeitszeit soll demnach un- oder geringer vergütet werden, nur, weil ich keine 10cm abgeschnitten habe? Oder sind runde 40 € tatsächlich zu viel für einen Haarschnitt mit einer guten Stunde Arbeit? Hole dir mal einen Installateur für eine Stunde nach Hause, um einen Wasserhahn reparieren zu lassen.

Zwar werden allmählich die mit 10€ veranschlagten Abfertigungssalons weniger, trotzdem scheint sich in vielen Köpfen fest gesetzt zu haben, dass „unsere“ Arbeit ja recht günstig sein muss.

In unserem Salon zahlen Kunden Arbeitszeit, Materialkosten zähle ich schon gar nicht mehr dazu. Das hat den Vorteil, argumentieren zu können – alles wird jedes Jahr teuer – Inflationsrate, Mieten, Betriebskosten, Mitarbeiter. „Reich“ werden als Unternehmer – dazu müssen schon viele Haare geschnitten werden. Die laufenden Kosten bleiben immer – gleichbleibend hoch. Das ist zwar anscheinend unveränderbar, sollte (und muss) dem Kunden offen kommuniziert werden.

Wie kann ich meinem Kunden beim „sparen“ helfen?
In den frühen 90ern waren Abonnements sehr beliebt – zahle 9 und erhalte 10. Bei vergleichsweise „günstigen“ Arbeiten, wie Waschen/Fönen, ist das kein Problem. Allein, heute nimmt sich kaum jemand noch die Zeit dafür. Genau diese Zeit geben wir unserem Kunden, wenn er bei uns sitzt – ohne Abo.

Kundenservice bedeutet, dass Wir uns die Zeit nehmen – und keinen Lehrling die Farbe auftragen oder abwaschen lassen. Wir leben das Prinzip der „zwei Hände“.
Vielfach ist diese eine „gute“ Stunde bei uns Entspannung pur – mal die Gedanken schweifen lassen oder auf andere zu kommen, eine Zeitschrift lesen...
Bieten Sie ihren Kunden Service, den sie nur bei Ihnen bekommen. Aktuelle Tageszeitungen, iPads zum Surfen, Kaffee, Tee oder Prosecco für die Damen, 0,33 Dreh-und-Trink Bier für die Herren. Die Möglichkeiten sind vielfältig und oftmals sind's die Kleinigkeiten, die eine Dienstleistung erst perfekt machen. Vielen meiner Kundinnen gebe ich ihre Farbe mit nach Hause – „Ich will nicht alle 14 Tage zum Friseur, aber dieser Ansatz...“.

Geben Sie Mehr-Wert!
Zu guter Letzt, und das sollte meiner Meinung nach das Über-Argument sein, wieso eine Kundin meinen Salon besuchen und entsprechende Preise akzeptieren sollte; Ich Friseur muss Menschen mögen, mein Handwerk perfekt beherrschen und Leidenschaft hinein bringen, Emotionen transportieren, sozialen Umgang pflegen, Kreativität umsetzen, Bilder erschaffen. Zuhören, Gschichtldruckn und die Unwägbarkeiten des eigenen Lebens so weit weg schieben, um mich auf jeden Kunden einlassen zu können. Auf dem Papier sieht das alles einfach, und sonnenklar aus - und es reicht nur wenig, um absolutes Lob oder absolute Enttäuschung zurück zu bekommen dafür, was Ich jeden Tag mache.

Es gibt nur wenige Berufe, die derart hohe Anforderungen stellen für diese täglichen Gratwanderungen. Chapeau für jeden, der sich für 1.250 € Netto jeden Tag aufs Neue in seinen Salon stellt oder einen führt. Und deshalb müssen Preise regelmäßig angepasst und erhöht werden und der Wert der Dienstleistung gerecht weitergegeben werden.


Aaron Leufen

www.friseurtraining.at

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