“Color yourself” auf dem Prüfstand
Beratung & Kundenservice

“Color yourself” auf dem Prüfstand

Farbspezialisten empfehlen Drogeriemarkt-Farben und geben Tipps, wie diese zu verwenden sind?! Die Industrie bewirbt ihre Produkte mit Topstylisten, die sich nicht zu schade sind, plötzlich Retailwerbung zu machen, solange das Geld stimmt? Was im ersten Moment klingt, wie aus einem Horrorfilm für Friseure, ist in amerikanischen, innovativen Salons bereits gang und gäbe: Kunden, die prinzipiell zuhause färben, bekommen zum Service ein paar wichtige Anleitungen. Frei nach dem Sprichwort „Halte deine Freunde nahe bei dir, aber deine Feinde noch näher!“ verbünden sich Friseure längst mit den Nutzern von Retail-Farben – ein strategischer Schulterschluss.

1. Neue Wege
In den USA, einem Land das viele neue Möglichkeiten als Vorreiter ausprobiert, geben Salons mittlerweise professionelle Beratung, was Haarfarben für den Heimgebrauch betrifft. Doch wie soll man in Mitteleuropa mit diesem Experiment-Trend umgehen? Weiterhin naserümpfend und beleidigt jene Kunden bedienen, die sich die Haare daheim färben oder lieber doch einen Schulterschluss wagen, über den eigenen Schatten springen und das Beste daraus machen?

2. Der Farbprofi ist und bleibt der Friseur
Oft geben Friseure dem Kunden das Gefühl, sich für das Haarefärben im eigenen Badezimmer schämen zu müssen. Haarprofis tun jedoch niemandem einen Gefallen, wenn sie diesen Kunden im Dunkeln tappen lassen, was Schattierungen, Nuancen und Farbauswahl betrifft. Im Gegenteil! Wenn Sie während des Schneidens Zeit haben, mit Ihrem Kunden zu plaudern, sprechen Sie das Thema doch mal offensiv an: „Übrigens, welche Farbe verwenden Sie denn..?“.

Meist sind die Ergebnisse eh nicht sehr erquickend, von Balkenbildung über Löcher bis hin zu schlecht gewählten Tönen ist kaum eine Selfmade-Color perfekt. Sie sind immer noch der Profi, also empfehlen Sie Ihren Kunden doch einfach proaktiv und unerwartet „beim nächsten Mal empfehle ich Ihnen einen Ton heller zu wählen, mit etwas Gold, denn..“. Da können Sie gleich mal zeigen, was in Ihnen steckt und wo Sie Ihre Berechtigung haben. Und so empfehlen Sie psychologisch geschickt auch einmal beim Friseur zu kolorieren.

Mit Tipps und Tricks kann man auch gut erklären, was die Kunden zuhause falsch machen, und auch zeigen, wie viel Kompetenz der eigene Job eigentlich braucht. Wer Kunden Tipps gibt, macht damit garantiert kein Verlustgeschäft. Viele Frauen färben die Haare selbst und würden sich professionellen Input wünschen. Wer das erfüllen kann, wächst über seinen eigenen Stolz hinaus und wird zu einem perfekten Dienstleister. Wer dem Kunden anbietet, zu erklären, wie man Farbe selbst schnell auffrischen kann- der wird mit positiven Reaktionen rechnen dürfen.

3. Was ihr wollt, Kunden
Zudem sollten Sie bedenken, dass ein beträchtlicher Teil der Kundschaft beide Möglichkeiten nutzt: das schnelle, billige Färben zuhause und das Professionelle im Salon. Das ist nicht zu leugnen, und aus diesen Fakten sollte man das Beste machen, anstatt sich ihrer zu verweigern. Dass die beratenen Kunden dann tatsächlich dauerhaft zuhause färben, ist sehr unwahrscheinlich - dass Sie Ihre Farbkompetenz unter Beweis stellen können, ist hier hingegen Gold wert.

Freilich geht es hier um ein absolutes Tabu-Thema der Beauty-Branche, was einen so großen Schritt nicht einfacher macht und viel Mut benötigt, doch: Ein Kunde, der zuhause färbt, hat dafür seine Gründe: Zeit, Finanzen, Selbstüberschätzung. Warum mit Abneigung dagegen angehen und riskieren, dass er sich unwohl bei Ihnen fühlt? Helfen Sie doch stattdessen Ihrem treuen Schnittkunden und seien sie sich versichert, dass Sie dadurch einen Gedankenprozess ins Rollen bringen und plötzlich ein vertrauenswürdiger Freund sein werden. Lassen Sie Ihre Ängste nicht Ihr Geschäft ruinieren! Man hilft hier Kunden, die sowieso nicht daran zu hindern sind und bekommt stattdessen ihr Vertrauen. Also: Gebt ihnen was sie wollen!

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